Zurück in die Zukunft?

Der Merz-Triumph markiert das endgültige Ende der Ära Merkel

Helge Braun, Friedrich Merz und Norbert Röttgen bei der Bekanntgabe der Ergebnisse der CDU-Mitglieder-Befragung über den zukünftigen Parteivorsitz (Foto: Screenshot CDU.TV)
Helge Braun, Friedrich Merz und Norbert Röttgen bei der Bekanntgabe der Ergebnisse der CDU-Mitglieder-Befragung über den zukünftigen Parteivorsitz (Foto: Screenshot CDU.TV)

 

Von Wolfgang Molitor

 

Friedrich Merz also. Ehrlich? Die CDU-Basis hat sich für den 66-jährigen Sauerländer als neuen Parteivorsitzenden entschieden. Mit einer derart überraschend unangefochtenen Zustimmung obendrein, dass man sie getrost überwältigend nennen darf. Richtungsweisend über den Tag hinaus. 

 

Das Votum ist eine Abrechnung mit all jenen glücklos-konfusen Führungsgremien, die gleich zwei Bundesparteitage zu fragwürdigen personellen Entscheidungen gedrängt haben, ohne sich um die Basis zu scheren oder sie ernst zu nehmen. Das für so viele Mitglieder aufatmende Ja zu Friedrich Merz, das einen bemühten zweiten Wahlgang überflüssig macht und für Ende Januar das Votum des zuständigen Bundesparteitags in Beton gießt, ist deshalb das, was seine Initiatoren bezweckt hatten: ein überfälliges Aufbegehren einer viel zu lange ignorierten und für zu leicht befundenen Basis.

 

Merz – einer mit reichlich Gestern und magerem Morgen

 

Womit die CDU vor neuen Herausforderungen steht. Denn natürlich macht der Merz-Erfolg die eklatanten Fehler der Vergangenheit nicht ungeschehen. Weder die personellen noch die inhaltlichen. Auch die desaströse Bundestagswahlpleite erklärt sich durch das fast beklemmend klare Votum nicht von allein. Anders gesagt: Der Rückschluss, dass die Union mit Merz statt Laschet die Wahl gewonnen hätte, verbietet sich – und würde einen ehrlich gemeinten Neustart torpedieren.

 

Wie aber soll ein Neustart mit einem aussehen, der weniger das Abgegriffene auf den Prüfstand stellen als etwas wirklich Umwälzendes anstoßen dürfte? Mit einem mit reichlich Gestern und magerem Morgen. Merz gebe der Partei Klarheit und Profil, freut sich der Wirtschaftsflügel der Union. Klarheit? Mag sein. Denn es ist wohl eher ein hallender Schritt zurück in die Zukunft, den der künftige Chef setzen wird. Offensichtlich sehr nach dem Geschmack vieler Mitglieder, die verblichenen Erfolgen nachhängen und ihrer Partei einen risikoreichen Neustart, eine zeitgemäße Neujustierung nicht so recht zutrauen.

 

Deutliche Abfuhr für Norbert Röttgen und Helge Braun

 

Es ist der Blick von innen. Er sieht in dem alten Mann einen Vorsitzenden, der die CDU am ehesten wieder nach vorn bringen kann. Ja, auch mit dem erkennbaren Profil eines Anführers, der die bürgerlich-konservative Mitte der Gesellschaft besser als zuletzt so mancher Austauschbare anspricht. Der rechtsblinkende frühere Wähler wieder fester in die demokratische Spur lenkt. Und der die CDU – nicht zuletzt – am eigenen Zopf aus jenem schwarz-roten Mischmasch zieht, in dem ihre bewährten Markenzeichen nach 16 langen Merkel-Jahren unterzugehen drohen. Die deutliche Abfuhr für Norbert Röttgen und Helge Braun gibt all jenen in der CDU Auftrieb, die sich für einen abgrenzenden Kurs aussprechen. Das ist auch ein Signal an eine noch zwischen konstruktiver und attackierender Opposition lavierenden Bundestagsfraktion.

 

Der Merz-Triumph markiert das endgültige Ende der Ära Merkel. So gesehen ist er tatsächlich ein Neuanfang. Eine schnelle Rückbesinnung auf alte Stärken und ein langsames Herantasten an eine Modernisierung, der Merz nicht im Weg stehen wird. Wenn, vermutlich nur im heiklen Übergang.

 

Achtbare Beteiligung der CDU-Mitglieder

 

Die achtbare Beteiligung der Mitglieder zeugt davon, dass sich die CDU nicht einem Oppositionsschicksal kampflos ergeben will. Die 66 Prozent jedenfalls sind deutlich ambitionierter als jene 54 Prozent, mit denen sich die SPD im Walter-Borjans/Esken-Wahlgang zufriedengeben musste.

 

Auf den neuen Chef warten 2022 vier Landtagswahlen. Dann muss sich beweisen, ob einer wie er auch außerhalb der Partei punkten kann. Oder nur ein Strohfeuer entfacht. Friedrich Merz also. Sage keiner, die CDU mache sich den Neustart leicht.

 


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Ein bisschen Wischi und etwas Waschi: Die CDU-Basis muss entscheiden, mit wem es an der Spitze weitergehen soll. Das Wie kommt später.

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