Ohne Zuversicht gelingt keine Zukunft

Wenn sich junge Menschen zwischen 14 und 24 Jahren zu einem Großteil ernste Sorgen um die Zukunft machen, ist dies höchst bedenklich

Trauriges Mädchen mit Smartphone in der Hand, das auf dem Boden eines Schulganges sitzt und sich den Kopf hält. (Symbolbild: iStock/Ridofranz)
Trauriges Mädchen mit Smartphone in der Hand, das auf dem Boden eines Schulganges sitzt und sich den Kopf hält. (Symbolbild: iStock/Ridofranz)

 

Von Wolfgang Kleideiter

 

Wenn sich junge Menschen zwischen 14 und 24 Jahren zu einem Großteil ernste Sorgen um die Zukunft machen, ist dies höchst bedenklich. Denn Pessimismus, Niedergeschlagenheit oder gar Hilflosigkeit belasten eine Generation, die noch viel Kraft aufwenden muss, um Erlebtes zu verarbeiten. Erwachsene können auf Krisenerfahrungen von Krieg, über Vertreibung bis hin zur atomaren Gefahr zurückgreifen, junge Menschen in der Regel nicht. Sie leiden zurzeit ausgerechnet in einer Lebensphase, in der sie ihre eigene Persönlichkeit ausbilden und sich vom Elternhaus lösen, unter weit mehr als alltäglichen Sorgen.

 

Ob Bertelsmann- oder Vodafone-Stiftung, Jugendforscher wie Klaus Hurrelmann, Simon Schnetzer oder Benno Hafeneger – viele Institutionen und Experten kommen in aktuellen Analysen zum Ergebnis, dass der Grundoptimismus bei jungen Menschen immer weniger auszumachen ist. Doch gerade eine optimistische Einstellung ist wichtig, Problemen zu begegnen. Ohne Zuversicht kann Zukunft nur schwer gelingen.

 

In der jetzt erschienen Trendstudie „Jugend in Deutschland – Winter 2022/2023“ spricht Jugendforscher Simon Schnetzer von „dramatischen Langzeitspuren“, die Einschränkungen durch die Corona-Pandemie in der Psyche junger Menschen hinterlassen haben. Gleichzeitig, so Schnetzer, verdüstere sich bei der Jugend der Blick in die Zukunft. Unter dem Eindruck von Klimakrise, Krieg und Inflation wachse die unbequeme Gewissheit, dass die Wohlstandsjahre in Deutschland vorbei sind.

 

Inflation ganz vorn bei Sorgen

 

Im einem „Sorgen-Ranking“ der Jugend stehen Inflation (71 Prozent), Krieg in Europa (64) und Klimawandel (55) ganz vorne. Gefolgt werden sie von Wirtschaftskrise (54 Prozent), Knappheit von Energie (49) und Altersarmut (43). Ein Viertel der befragten 14- bis 29-Jährigen gibt außerdem an, mit der eigenen psychischen Gesundheit unzufrieden zu sein. 16 Prozent fühlen sich hilflos, zehn Prozent berichten sogar von Selbstmordgedanken. Die Studienautoren werten dies als Warnsignal, denn psychische Belastungen machen noch empfänglicher für Sorgen. Die mentale Abwehrkraft schwindet.

 

Politik und Gesellschaft sind gut beraten, die Zustandsberichte ernst zu nehmen und stärker auf die junge Generation in ihrer speziellen Situation zu hören. In allen Umfragen wird deutlich, dass Jugendliche und junge Erwachsene trotz der Belastungen bereit sind, Verantwortung zu übernehmen und sich einzubringen. Bei einer Untersuchung im Frühsommer dieses Jahres durch das Liz Mohn Center der Bertelsmann-Stiftung wurde festgestellt, dass die Übernahme von Verantwortung für 80 Prozent der 12- bis 18-Jährigen „sehr wichtig“ beziehungsweise „eher wichtig“ ist. Jörg Habich, Geschäftsführer des Liz Mohn Centers, sieht darin ein klares Angebot der jüngeren Generation, einen Beitrag für die Gesellschaft zu leisten. 

 

Forscher fordern neuen Ansatz

 

Wenn Jugendliche sich allerdings von Politik, Gesellschaft und Erwachsenenwelt übersehen fühlen, bleibt ein wichtiges Potenzial ungenutzt. Ein Forschungsteam der Universitäten Hildesheim und Frankfurt am Main forderte schon vor einem Jahr mit Blick auf Corona einen neuen jugendpolitischen Ansatz, bei dem junge Menschen und ihr Alltag, ihr Sorgen, Bedürfnisse und Visionen stärker berücksichtigt werden.

  

Nach der 2019 noch von der Großen Koalition vorgestellten Jugendstrategie „Politik für, mit und von Jugend“ hat Bundesjugendministerin Lisa Paus in diesen Tagen zu einem breiten gesellschaftlichen „Bündnis für die junge Generation“ aufgerufen.  Durch die Unterzeichnung einer gemeinsamen Erklärung verpflichten sich über 130 Bündnispartner, mit eigenen Projekten dazu beizutragen, das Lebensgefühl und die Situation junger Menschen zu verbessern. Ein Schritt in die richtige Richtung. Das kommende Jahr wird zeigen, welchen Effekt erste Maßnahmen haben.

 


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