Jugendliche auf dem Land sind engagierter

Auch für junge Menschen bietet das Leben jenseits der urbanen Zentren viele Vorzüge. Für die Kommunen ergeben sich daraus Chancen und Aufgaben

Vier Jugendliche stehen Arm in Arm in einem Gerstenfeld (Symbolbild: Dim Hou)
Vier Jugendliche stehen Arm in Arm in einem Gerstenfeld (Symbolbild: Dim Hou)

 

Von Jürgen Wermser

 

Gerade in Zeiten der Pandemie zeigen sich die Vorteile eines dörflichen und kleinstädtischen Lebens. Sie reichen vom günstigeren Wohnen bis hin zur Möglichkeit, per Home Office vielfältige Jobs auszuüben. Auch Jugendliche schätzen den ländlichen Raum, wie jetzt eine Studie der Jugendstiftung Baden-Württemberg zeigt. Die dort für dieses Bundesland gewonnen Ergebnisse dürften sich im Wesentlichen auch auf andere Regionen Deutschlands übertragen lassen.

 

Für Eltern ist wichtig, dass ihre Kinder gute Startchancen haben, Eigeninitiativen entwickeln und sich für vernünftige Ziele engagieren können. Und dies scheint - vorsichtig ausgedrückt - im ländlichen Raum mindestens ebenso gut wie in der Stadt möglich zu sein.

 

Heimatverbundenheit und Zusammenhalt

 

Heimatverbundenheit, Zusammenhalt untereinander, Natur und Umwelt benennen die Jugendlichen als Vorzüge des ländlichen Raums, mit dem sie sich mehrheitlich identifizieren. 91 Prozent der Befragten fühlen sich an ihrem aktuellen Ort wohl. Auch sind junge Menschen auf dem Land engagierter als in der Stadt, in Zahlen:  39 Prozent zu 30 Prozent. Hier geht es vor allem um die Bereiche Sport, Kinder- und Jugendarbeit, Kirche und Religion sowie Schule.

 

Bei der Art des Engagements zeigen sich kaum Differenzen: Kinder und Jugendliche werden im urbanen Raum häufiger unterstützt, in ländlichen Gebieten liegen die Interessen etwas stärker bei den Seniorinnen und Senioren wie auch bei den Menschen mittleren Alters. In ländlichen Regionen ist auch der Anteil an ehrenamtlichen Angeboten wie beispielsweise freiwillige Feuerwehren größer als in den Städten, wo Berufsfeuerwehren verbreiteter sind.  Auch beim zeitlichen Umfang gibt es zwischen Stadt und Land keine Unterschiede. Demnach ist ein Viertel der Jugendlichen einmal in der Woche engagiert. 18 Prozent der Jugendlichen sind sogar mehrfach pro Woche im Einsatz.

 

Die Zustimmung zum Dorfleben schwächt sich allerdings ab, wenn man nur die Gruppe der Mädchen betrachtet (20 Prozent) oder die Jugendlichen mit einer Migrationsgeschichte (21 Prozent). Und Themen wie Mobilität, Digitalisierung oder auch geringere Teilhabechancen, fehlende Treffpunkte und Freizeitmöglichkeiten werden von Jugendlichen als Defizite empfunden. Beispiel Digitalisierung: Netz und Internetverbindung sind auf dem Land oft langsamer und schlechter ausgebaut als in der Stadt. Demnach liegen die Zufriedenheitswerte bei der Internetverbindung auf dem Land um sechs Prozentpunkte hinter der Stadt.

 

An Gestaltung des Umfelds beteiligen

 

Für die Kommunen heißt dies, Jugendliche stärker als bisher an der Gestaltung ihres Umfelds zu beteiligen. Es gilt, viele Nachteile des ländlichen Lebens etwa bei Themen wie Digitalisierung und Mobilität zu mildern oder ganz zu beseitigen. Gelingt dies, kommen aus Sicht der Jugendlichen die großen Vorzüge von Dörfern und kleineren Städten umso stärker zum Tragen. Dann dürfte es vielen von ihnen nach Ausbildung und Studium noch leichter fallen, in ihre ländliche Heimat zurückzukehren.

 

Die Chancen dafür sind günstig: Nach ihren späteren Wohnortwünschen befragt, zeigen sich Jugendliche sehr aufgeschlossen für ein Leben im Dorf. Für 40 Prozent ist dies vorstellbar. Und genau dies muss das Ziel jeder kommunalen Politik sein: Junge Familien und Arbeitskräfte anzulocken, die der Region gute und dauerhafte Zukunftsperspektiven eröffnen.

 


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