Ahnungslose Tierliebe

Über die Frage, welche Tiere zu schützen sind, entscheiden zunehmend nicht Vernunft und Wissenschaft, sondern anscheinend PETA, WWF und NABU

Amerikanische Signalkrebse in einem Netz. Der amerikanische Signalkrebs gilt heute in ganz Europa als invasive Art und verdrängt die einheimischen Flusskrebse. (Foto: iStock/shellhawker)
Amerikanische Signalkrebse in einem Netz. Der amerikanische Signalkrebs gilt heute in ganz Europa als invasive Art und verdrängt die einheimischen Flusskrebse. (Foto: iStock/shellhawker)

 

Von Michael Lehner

 

Vom Signalkrebs bis zum Waschbären: Zumal auf Internet-Portalen kennt die Mainstream-Tierliebe keine vernünftigen Grenzen. Auch dann nicht, wenn die Wissenschaft vor dramatischen Auswirkungen auf die Natur und die ohnehin bedrohte Artenvielfalt warnt. Der Kommerz-Tierschutz trägt kräftig dazu bei, dass die Stimmung beim Spendenvolk nicht kippt. Vor allem auf dem Land schütteln viele Menschen nur noch den Kopf über solche Naturferne.

 

Der Bayerische Rundfunk muss in diesen Tagen einen mittelschweren Shitstorm aushalten. Der für einen Mangel an Tierliebe absolut unverdächtige Sender hatte es gewagt, einen Bericht über das schlimme Treiben der amerikanischen Signalkrebse mit einem Rezept für Krebssuppe zu ergänzen.

 

Prompt meldeten sich besorgte Bürger und verwiesen auf den vermeintlich grausamen Tod, den Köche den Krustentieren antun. Was allerdings in den betroffenen Regionen gar nicht zutrifft: Die Gastronomie dort schwört Stein und Bein, dass die Krebse nur tot ins kochende Wasser kommen. Was bei den kurzen Wegen zwischen Fang und Zubereitung im Gegensatz zu importierten Hummern und Langusten ja auch kein Problem darstellt.

 

Was die Stimmung des besorgten Publikums offenbar weit weniger stört: Die aus Amerika eingeschleppten Unterwasser-Räuber verdrängen mit immer höherem Tempo den massiv bedrohten heimischen Flusskrebs. Und sie fressen nicht nur die im Wasser abgelegten Eier selten gewordener Fischarten. Sondern auch den Laich streng geschützter Amphibien, Kröten zum Beispiel.

 

Probleme auch für Störche

 

Womit wir bei den Störchen wären. Die sind nicht nur Wappenvogel des um Tierschutz-Emotionen bemühten NABU-Verbands. Sondern streng geschützt und auf Amphibien zur Ernährung angewiesen. Was in diesem Sommer von besonderer Bedeutung ist. In vielen Landesteilen gibt es zwar erfreulich viele Störche, aber wegen der Trockenheit zugleich besonders wenig Frösche und Kröten.

 

Ein Umstand, der unschwer zum nächsten Objekt der ahnungslosen Tierliebe überleitet: Auch der (ebenfalls aus Amerika eingeschleppte) Waschbär tut sich nämlich liebend gern an den Schutzzäunen gütlich, die echte Tierschützer mit viel Mühe zum Schutz der alljährlichen Laichwanderung der Kröten aufbauen. Weil der Amphibien-Experte des niedersächsischen NABU deshalb die ganzjährige Bejagung der Waschbären verlangte, bekam er vor fünf Jahren veritablen Streit mit seinem Landesvorsitzenden, dem die possierlichen Waschbären (warum auch immer?) den verbandsinternen Konflikt wert waren.

 

PETA als Hardcore-Konkurrenz

 

Mag sein, dass es an der Hardcore-Konkurrenz von PETA liegt: Über die Frage, welche Tiere ohne Rücksicht auf ökologische Verluste zu schützen sind, entscheiden zunehmend nicht Vernunft und Wissenschaft. Sondern anscheinend PETA, WWF und NABU. Gemeinsam ist diesen Organisationen sogar das weitgehende Schweigen zur brutalen Dezimierung des Gamswilds in den Alpen.

 

Wer Wiederkäuer pauschal als Schädlinge verteufelt, muss natürlich auch die Weidewirtschaft verdammen. Obwohl Rinder (wie Gams, Reh und Hirsch) dafür sorgen, dass das für die Artenvielfalt wichtige Offenland erhalten bleibt. Woran Schwedens angesehener Naturschutzbund erinnert, nachdem viele Schafweiden wegen der auch dort rapide zunehmenden Wolfspopulation aufgegeben wurden.

 

Überzeugte Veganer wird auch nicht erschrecken, dass Waschbären nicht nur Kröten schlucken, sondern auch begnadete Nesträuber sind, die sich auch mal sogar an der Storchenbrut vergreifen. Was in der zweifelhaften Öko-Theorie zum Ende gedacht sogar bedeuten könnte, dass Waschbären den Kröten beim Überleben helfen. Manches klingt da stark nach Pippi Langstrumpf: „Ich mach' mir die Welt, wie sie mir gefällt.“

 


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