Die falschen Rezepte der Klima-Retter

Vom Brennholz zum Getreide: Wenn Öko-Ideen mehr schaden als nützen

Wird das Heizen mit Holz irgendwann verboten? (Symbolbild: Helen Lord)
Wird das Heizen mit Holz irgendwann verboten? (Symbolbild: Helen Lord)

 

Von Michael Lehner

 

Fast überall im Lande sitzen Förster auf Bergen von Käfer-Holz. Aber trotz Erdgas-Krise und Ölpreis-Explosion ist das Heizen mit Holz in Verruf geraten. Obwohl eine warme Stube kaum preiswerter zu haben ist und Brennholz zu den nachwachsenden Rohstoffen gehört, erklären Öko-Verbände – voran die Deutsche Umwelthilfe – die Holzheizung zum Umweltschädling. Die kranken Bäume sollen lieber im Wald verrotten. Obwohl dabei ähnlich viel Kohlendioxid freigesetzt wird wie beim Hausbrand.

 

Ganz ähnlich die Situation in der aktuellen Futtermittel-Debatte. Die weltweit drohende Getreide-Knappheit muss für die Forderung herhalten, Mais und Weizen nicht länger ans liebe Vieh zu verfüttern. Geflissentlich übersehen wird dabei, dass es beim Viehfutter um Getreide-Qualitäten geht, die zumindest in den Industrie-Nationen kaum zum menschlichen Verzehr geeignet sind.

 

Schon geht in bäuerlichen Fach-Foren die These um, dass es wirtschaftlich mehr Sinn macht, Weizen bei den aktuellen Preisen direkt zu verkaufen. Statt ihn an Hühner oder Schweine zu verfüttern. Das macht die Bauern zwar auch nicht reich. Aber zumindest nicht so arm wie die ruinösen Erzeugerpreise, für die Schlachtschweine vor dem Kriegsausbruch in der Ukraine gehandelt wurden.

 

Jubel in der Veganer-Szene

 

Die Folge: Drastisch steigende Verbraucherpreise, die nur bruchstückhaft bei den Erzeugern ankommen. Und Jubel in der Veganer-Szene, weil der Absatz von Fleisch und Milchprodukten einbricht. Was durchaus nicht nur die Massentierhaltung trifft, sondern gerade auch bäuerliche Betriebe – und damit den ländlichen Raum weit über die Landwirtschaft hinaus.

 

Mit Engelszungen versuchen Bauernverbände über Zusammenhänge aufzuklären: Dass das für den Artenschutz so wichtige Grünland ohne Weidewirtschaft verschwinden wird zum Beispiel. Weil sich nur Kühe und Schafe vom Gras ernähren können, aber nicht wir Menschen. Und weil so nicht nur Öko-Kulturlandschaft bedroht ist, sondern auch Flächen für die Produktion von Nahrungsmitteln verloren gehen.

 

Wer realisiert schon noch, dass bis in die jüngste Vergangenheit die Brennstoff-Produktion aus Nahrungsmitteln als nachhaltig beworben wurde – auch in Öko-Verbänden und bei den Grünen. Energiemais-Anbau wird erst ganz allmählich hinterfragt. Bio-Ethanol als Beimischung fließt bis heute ganz selbstverständlich aus den Zapfsäulen. Aber wenn die Schweine Körner fressen, regt sich das Gewissen.

 

Das gleiche Spiel beim Brennstoff Holz: Dass es zu den nachwachsenden Ressourcen gehört, ist wohl unbestritten. Ebenso, dass Bäume (wie alle Grünpflanzen) Kohlendioxid aufnehmen, wenn sie wachsen. Nur an der Frage, ob der Wald neben ökologischem auch ökonomischen Nutzen bringen darf, scheiden sich die Zeitgeister. Zumal, wenn es ums Brennholz geht. Da erreicht die Feinstaub-Debatte längst auch Dörfer, in denen die Menschen seit Menschengedenken mit Holz heizen und kochen.

 

Holzheizung konkurrenzlos preiswert

 

Bei den aktuellen Preisen für Heizöl, Gas und Strom ist die Holzheizung konkurrenzlos preiswert. Moderne Öfen verfügen zudem über wirksame Rußfilter. Und gerade auf dem Land wird immer noch viel mit dem Holz geheizt, das bei der Waldpflege anfällt. Das Problem ist wohl allein, dass ein klassisch bewirtschafteter Wald kein Urwald ist. Und dass es noch Waldbesitzer gibt, die Waldschädlinge wie den Borkenkäfer nicht als Bereicherung der Artenvielfalt empfinden.

 

Wie bei der Kuhweide und den von der Bewirtschaftung ausgenommenen Öko-Vorrangflächen stellt sich also auch im Wald die Frage, wie viel Verzicht wir uns in Krisenzeiten leisten wollen: Kein auf Ertragsmaximierung ausgerichteter Getreideanbau? Kein Weideland zur Erzeugung von Milchprodukten? Und kein Holz, um den angespannten Energiemarkt (und die Verbraucher) zu entlasten?

 

Völlig quer läuft die Publikumsdebatte ohnehin beim Baustoff Holz: Einerseits erkennt die Öko-Szene, dass kaum ein anderes Material mit derart guter Umweltbilanz aufwarten kann. Andererseits deuten die Notfall-Pläne zur Bekämpfung großstädtischer Wohnungsnot eher auf eine Renaissance der Beton-Plattenbauten. Obwohl Beton Unmengen Energie verschlingt und im Gegensatz zum Holz Kohlendioxid nicht bindet, sondern bei der Produktion freisetzt.

 

Zugleich läuft eine Kampagne gegen den Traum vom Einfamilienhaus im Grünen. Auch mit dem Bemühen, die Mobilität der Menschen zu erschweren. Als ob die Ballungszentren nicht schon genug Umwelt-Probleme hätten, vom Feinstaub bis zum Verkehrskollaps. Und als ob die Versuche Vorrang hätten, den Menschen ihre Träume von einem guten Leben auszutreiben. Mit Wiesen und Wäldern vor der Haustür. Und mit Holzscheiten, die im Ofen knistern.

 


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