Das Menschenrecht auf warmes Wasser

Der akute Zwang zu mehr Bescheidenheit muss nicht den Verzicht auf Lebensqualität bedeuten
Eine junge Frau seift sich beim Duschen ein. (Symbolbild: iStock/Prostock-Studio)
Eine junge Frau seift sich beim Duschen ein. (Symbolbild: iStock/Prostock-Studio)

 

Von Michael Lehner

 

Im Erzgebirge stellt eine Wohnungsgenossenschaft ihren Mietern stundenweise das warme Wasser ab. Der Aufschrei geht quer durch die Republik. Und lenkt den Blick auf die Wehrlosigkeit einer an Komfort gewöhnten Gesellschaft. Wenn die Politik – nicht nur beim Heizen – zugleich Verzicht einfordert, zeigt sich die Dimension der Herausforderungen durch Krieg und Klimawandel. Und die Notwendigkeit, Bescheidenheit nicht als überholte Tugend zu begreifen. Sondern als Überlebensstrategie, die den ländlichen Raum in neues Licht rückt.

 

Wandel ist schon zu spüren: Urlaub in der Heimat zum Beispiel hat wieder Konjunktur. Nicht nur wegen Warteschlangen-Stress in den Flughäfen. Sondern auch wegen einer wiederentdeckten Landlust. Ein zunehmend nachdenklich gewordenes Bürgertum beginnt (in Teilen) zu akzeptieren, dass gesundes Essen nicht aus fernen Ländern kommen muss. Städter balgen sich um Schrebergärten und bauen Hochbeete auf Balkon und Dachterrassen. Wie es scheint, haben sie gelernt, dass Nahrungsmittel nicht im Supermarkt wachsen.

 

Gewünschte Bescheidenheit hat bereits begonnen

 

Dass von Rind und Schwein nicht nur die Bratenstücke für den Teller taugen, predigen selbst Sterneköche. An der neuen Wertschätzung tierischer Nahrung ist – womöglich ungewollt – auch der Veganer-Trend beteiligt. So wahr, wie Schuhe aus Kunstleder und Gummi nicht für gesunde Füße sorgen. Selbst der Wahnsinn, regelmäßig intakte Kleidung zu entsorgen, kommt aus der Mode. Alles Hinweise darauf, dass die aktuell gewünschte Bescheidenheit längst begonnen hat, Realität zu werden. Das ist kein Armutszeugnis.

 

Die Frage nach den beheizten Schwimmbädern

 

Zurück nach Dippoldiswalde und zum Streit ums warme Wasser. Nicht erst ein Blick nach Südeuropa zeigt, wie wichtig und wertvoll Wasser selbst im kalten Zustand ist. Auch in reichlich deutschen Regionen sind die Folgen von Dürre und Wasserknappheit kaum zu übersehen. Als weiterer Hinweis für die Einsicht, dass Lebensmittel keine Nebensache sind und lange Hitzeperioden nicht nur Grund zur Freude übers Freibad-Wetter. Was zur Frage führt, ob wir uns beheizte Schwimmbecken in flächendeckender Dichte leisten müssen, wenn nicht nur Energie, sondern auch Wasser knapp ist.

 

Noch lernen Dorfkinder, dass ein Bad im nächsten See mindestens so erfrischend ist wie eine Dusche. Zumal viele Seen dank Kläranlagenbau weit sauberer sind als in den Nachkriegsjahren. Der Streit um Verunreinigung durch Düngemittel dürfte obendrein an Schärfe verlieren, wenn die Landwirtschaft dereinst nicht mehr gezwungen wird, zum Überleben im Discounter-Preiskampf Masse zu produzieren. Und wenn steigende Energiekosten verhindern, dass selbst Grundnahrungsmittel wie Kartoffeln oder Zwiebeln rund um den Planeten transportiert werden.

 

Ernüchternde Blauäugigkeit von Talkshow-Klimaaktivisten

 

Ernüchternd wirkt in solchen Zeiten des Wandels jedoch die Blauäugigkeit mancher Talkshow-Klimaaktivisten, die einen Stillstand der Industrie für eine Lösung der Probleme halten. Und nicht begreifen, wie wenig ihre Position mit der gebotenen Bescheidenheit zu tun hat. Da muss sich wohl noch herumsprechen, dass das Geld für gut gemeinte Öko-Wünsche nicht auf den Bäumen wächst. Sondern von Menschen erwirtschaftet wird, die sich momentan mehr um ihre Arbeitsplätze sorgen als ums warme Duschwasser.

 


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