Architektur auf dem Land – eine Schau mit gelungenen Beispielen

Eine Ausstellung zeigt 70 Projekte ansprechender Um- und Neubauten, die das Leben auf dem Land attraktiver machen

Wohnsiedlung, Bludenz, Österreich, 2019; Architektur: feld72 (Foto: Hertha Hurnaus)
Wohnsiedlung, Bludenz, Österreich, 2019; Architektur: feld72 (Foto: Hertha Hurnaus)

 

Von Christian Urlage

 

Erstaunlich, dass es so eine Ausstellung nicht schon viel früher gab, denn immerhin 47 Millionen Menschen wohnen und arbeiten in ländlichen Regionen – das sind mehr als die Hälfte aller Einwohner in Deutschland. Bisher ist ihre Architektur viel zu wenig beachtet worden, obwohl ansprechende Gebäude enorm zur Lebensqualität auf dem Land beitragen können.

 

Die Schau „Schön hier. Architektur auf dem Land“ zeigt 70 Projekte gelungener Einzelbauten vor allem aus Deutschland, Österreich und der Schweiz: Dorfläden, Weingüter, Sportstätten, Museen, Hotels, Schulen, Umbauten von Scheunen, Rathäuser, Bürobauten, Mehrfamilienhäuser und Gemeindezentren. Die Kuratoren verstehen die Ausstellung als eine Einladung, vom Land zu lernen; sie wollen zu weiteren Vorhaben anregen und Begeisterung wecken und vom Diktat des Fertighauses wegkommen.

 

Ausstellung in einer 125 Jahre alten Scheune

 

Zu sehen sind Fotos und Modelle in einer Schau des Deutschen Architekturmuseums, dessen Gebäude gerade in Frankfurt saniert und umgebaut wird. Die Ausstellung ist aber nicht nur deshalb, sondern auch wegen des Themas von der Mainmetropole aufs Land gewechselt, in eine 125 Jahre alte Scheune, die im Freilichtmuseum Hessenpark in Neu Anspach steht. Präsentiert werden die vorbildlichen Um- und Neubauten von Menschen, die diese Projekte und Orte maßgeblich beeinflusst haben: vom Winzer, der Architektin, der Bürgermeisterin oder der Leiterin einer Kindertagesstätte. Sie zeigen, was sich mit regionalen Baumaterialien, mit Naturstein und Holz, vor allem aber mit originellen Ideen so alles machen lässt.

 

Wie ein Donat – wenn Dorfzentren veröden

 

Die Verödung von Ortskernen – ein Problem von Städten und Dörfern gleichermaßen – spart die Ausstellung nicht aus, im Gegenteil. Die Veranstalter vergleichen das Phänomen mit einem Donut: außen ein Kranz aus Wohn- und Gewerbegebieten, und in der Mitte ein Loch, weil der Dorfkern verlassen, verfallen, ja tot ist.

 

Es gibt Beispiele, wie man gegensteuern kann. Im sächsischen Wülknitz ist das Zentrum dank der Initiative von Bewohnern durch eine Kegelbahn wiederbelebt worden. Und im österreichischen Krumbach trat der Bürgermeister dafür ein, keine weiteren Neubaugebiete auszuweisen, sondern in der Ortsmitte Mehrfamilienhäuser zu errichten. Architekten aus aller Welt entwarfen sieben „Buswartehüsle“ und verbanden damit Baukultur und Mobilität. So schrieben sie ein Stück Architekturgeschichte.

 

Die vom Bundeslandwirtschaftsministerium geförderte Ausstellung ist bis zum 27. November im Freilichtmuseum Hessenpark zu sehen. Fachtagungen und Sommerkino begleiten die Schau, und es ist ein 336 Seiten umfassender Katalog mit Essays und Beiträgen erschienen.

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