Putin bringt die Öko-Energie voran

Wer glaubt, dass die Energiepreise wieder aufs gewohnte Niveau sinken, wenn der Krieg in der Ukraine vorüber ist, der soll weiter träumen

Von der Bundesregierung (2019) gefördertes Kopernikus-Projekt P2X:  Weltweit erste integrierte Power-to-Liquid (PtL) Versuchsanlage zur Synthese von Kraftstoffen aus dem Kohlendioxid der Luft. (Foto: Patrick Langer, Karlsruher Institut für Technologie)
Von der Bundesregierung (2019) gefördertes Kopernikus-Projekt P2X: Weltweit erste integrierte Power-to-Liquid (PtL) Versuchsanlage zur Synthese von Kraftstoffen aus dem Kohlendioxid der Luft. (Foto: Patrick Langer, Karlsruher Institut für Technologie)

 

Von Michael Lehner

 

An der Tankstelle und beim Heizöl-Einkauf wird klar: Für solche Preise ließen sich auch Synthese-Sprit und Gas aus Windstrom produzieren. Wenn die Politik nur zeitig und entschlossen auf Selbstversorgung gesetzt hätte. Und nicht auf Milliarden-Subventionen für übermotorisierte Elektro-Autos.

 

Wer glaubt, dass die Energiepreise wieder aufs gewohnte Niveau sinken, wenn der Krieg in der Ukraine vorüber ist, der soll weiter träumen. In Wahrheit zeigt die aktuelle Situation: Nicht nur Russland, sondern auch die meisten anderen Förderländer kassieren, was der Markt hergibt.

 

Wahr ist zudem, dass unser Staat nur sehr zögerlich auf die Zusatz-Einnahmen verzichtet, die ihm die Preistreiberei über Steuern und Abgaben in die Kassen spült. Auch daran wird sich nicht viel ändern, solange großstädtische Wachträume von einer Radfahrer-Gesellschaft ohne Schwerindustrie und ohne hoch entwickelte Landwirtschaft die Politik beherrschen.

 

Neue Chancen für den ländlichen Raum

 

Während sich die Ampelkoalition an bisher Unvorstellbares wie eine Laufzeitverlängerung von Atomkraftwerken herantastet, wird die Mogelpackung einer Energiewende mit Import-Erdgas für den Übergang erkennbar obsolet. Stattdessen tun sich neue Chancen auf, auch für den ländlichen Raum als Standort innovativer Energieerzeugung.

 

Tatsächlich wird in diesen Krisentagen ganz neu gerechnet. Nicht nur bei der scheinbar ketzerischen Frage, ob bei solchen Import-Kosten auch Strom aus heimischer Kohle konkurrenzfähig sein könnte? Mit modernster Abgasreinigung, deren technische Weiterentwicklung lange vernachlässigt wurde. Obwohl sich gerade auf diesem Feld neue Möglichkeiten auftun: Kohlendioxid ist nicht nur klimaschädlich, sondern wichtiger Grundstoff für synthetisches Gas und Retorten-Treibstoff, die so genannten E-Fuels.

 

Reichlich Investoren-Geld

 

Bis vor Kurzem wurden solche Techniken noch als Schnapsidee belächelt. Nun sammelt das Startup-Unternehmen „Sunfire“ mit Sitz in Dresden reichlich Investoren-Geld ein. In Düsseldorf entsteht eine der weltweit größten Fabriken für die Fertigung von Elektrolyseuren zur Wasserstoff-Produktion als Grundstoff der neuen Energieträger.

 

Zum Charme der Technik gehört nicht nur die Weiterverwertung von Kohlendioxid, sondern auch das enorme Sparpotenzial im Umfeld: Das bestehende Gasnetz lässt sich nützen und auch die vorhandene Lagerkapazität als Energiespeicher. Wohl eine besonders sinnvolle Antwort auf die schwankende Verfügbarkeit von Wind- und Sonnenenergie.

 

Weniger schön: Die technischen Grundlagen für die Sprit-Synthese wurden schon vor bald einhundert Jahren gelegt – in Deutschland. Im Jahr 1925 meldeten die Chemiker Franz Fischer und Hans Tropsch vom „Kaiser-Wilhelm-Institut für Kohlenforschung“ die „Fischer-Tropsch-Synthese“ zum Patent an. Aber mit dem Zusammenbruch des auf Energie-Unabhängigkeit erpichten Nazi-Regimes geriet das Verfahren in Vergessenheit.

 

Heute feiert das Fischer-Tropsch-Verfahren seine Renaissance vor allem in Skandinavien: Ausgerechnet das Öl- und Erdgas-Land Norwegen baut eine Groß-Anlage für Wasserstoff und Synthese-Sprit. Schweden und Finnland sind ebenfalls mit im Boot. Und die Realität zeigt, dass dort Standorte im ländlichen Raum ganz neue Chancen auf die Ansiedlung von Zukunftsindustrie gewinnen.

 

Skandinavier mit Spürsinn

 

Während die Skandinavier wieder einmal energiepolitischen Spürsinn beweisen und die Deutschen ihre Elektroautos mit Strom aus teurem Import-Gas laden, baut der Stuttgarter Sportwagen-Hersteller seine Synthese-Sprit-Fabrik im fernen Chile. BMW, schon mal führend beim Wasserstoff-Auto, setzt auf Batteriebetrieb, um die „Freude am Fahren“ zu retten.

 

Dem deutschen „Alt“-Bestand von fast 50 Millionen Autos droht das Ende durch Mangel an bezahlbarem Kraftstoff. Den Besitzern der Fossil-Fahrzeuge bleibt womöglich nur der Umstieg aufs Elektroauto. Auch weil´s für den Retorten-Sprit keine vergleichbar großzügige Förderung vom Staat gibt. Nur ganz langsam dämmert der Politik zudem die eigentlich naheliegende Frage, ob Öko-Autos wirklich 300 Pferdestärken brauchen. Während zugleich um ein Tempolimit zur Energieeinsparung gestritten wird. Was einen Trend zu leichten, sparsamen Verbrenner-Autos eigentlich beflügeln sollte.

 

Söder weiter gegen Import-Stopp

 

Derweil bleibt Bayerns Staatschef Markus Söder bei der Warnung vor einem Import-Stopp fürs Russen-Gas und zugleich bei der restriktiven Windrad-Verhinderungspolitik seines Vorgängers. Obwohl Söder noch als Umweltminister für zügigen Ausbau der Windenergie plädierte. Und obwohl auch in der bayerischen Provinz reichlich Normalbürger gerne Geld mit Windkraft verdienen möchten. Vielleicht hätten ja auch sie Freude daran, wenn der Sprit für ihr (bezahltes) Verbrenner-Auto vor der Haustür produziert wird.

 

Da klingt es irgendwie nach Ironie des Schicksals, dass die Stadtwerke der bayerischen Landeshauptstadt München sich eben am bisher größten Windpark Norwegens beteiligt haben. In erster Instanz hat ein Gericht in Oslo allerdings Klagen gegen die Windräder stattgegeben. Wegen Störungen für die Rentierwirtschaft. Was für die Bayern irgendwie vertraut klingen – und Herrn Putin freuen dürfte.

 


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