Ampel-Stopp für Öko-Utopien

„Grüne Energie“ und Ablehnung jeder Art moderner Energieerzeugung passen nicht zusammen

Photovoltaikanlage und Windrad in verschneiter Landschaft (Symbolbild: adege)
Photovoltaikanlage und Windrad in verschneiter Landschaft (Symbolbild: adege)

 

Von Michael Lehner

 

Wer am Tag des Machtwechsels in Berlin genau hinhörte, merkt: Die Koalitionäre haben begriffen, dass „Grüne Energie“ und Widerstand gegen jede Art moderner Energieerzeugung nicht zusammenpassen. Solche Ernüchterung gilt wohl auch für einen Naturschutz, der nicht akzeptieren will, dass Hunger-Tote weit schlimmer sind als die Nebenwirkungen einer leistungsfähigen Landwirtschaft.

 

Noch in dieser Generation wird der Planet wohl 10 Milliarden Menschen ernähren müssen. Es sei denn, wir dulden, dass Menschen in großer Zahl verhungern und auf der Armutsflucht ertrinken. Die Idee, ausgerechnet den Ärmsten dieser Welt das Glück zu verweigern, Kinder zu haben, hilft nicht weiter. Sondern in moralische Abgründe der Unmenschlichkeit. Das können Liberale und Sozialdemokraten nicht wollen. Und Grüne schon gar nicht, wenn ihr hoher moralischer Anspruch nicht zur Farce verkommen soll.

 

Christlich-konservatives Weltbild

 

Letztlich gilt über die Parteigrenzen ein christlich-konservatives Weltbild, das dem Wohlergehen der eigenen Art Vorrang gibt gegenüber einem Irrglauben, der die Evolution leugnen will. Solche Fürsorge bedingt selbst den Ausstieg aus der Kernenergie. Diese ist nämlich nur zu verantworten, wenn das Restrisiko für eine begrenzte Zahl von Menschen wichtiger ist als Treibhausgase, die dem Idealbild einer vollkommen intakten Natur schaden.

 

Dass Teile der Öko-Szene längst mit dem Atom-Strom liebäugeln, verdeutlicht den Konflikt. Sogar die groteske Sorge, dass Windräder das Insektensterben befördern, ist zu hören. Als wäre an diesem Unglück nicht die Sucht auf immer billigere Lebensmittel schuld. Oder der fatale Trugschluss, dass Wasserkraft der Ökologie nicht beträchtlich schade.

 

Zu lange Genehmigungsverfahren

 

Neu-Kanzler Scholz und sein Kabinett wissen sehr genau, dass sie daran gemessen werden, ob die Energiewende nicht weiterhin an unendlich langen Genehmigungsverfahren scheitert. Und am Schutz gar nicht so seltener Vögel, deren Dasein durch unser alltägliches Wirtschaften weit mehr bedroht ist als durch Windmühlenflügel.

 

Der grüne Landwirtschaftsminister – ein Mensch mit dem Ohr am Volk – wird beweisen wollen, dass er die Bauern nicht länger zu Prügelknaben machen will. Dazu muss er zusammen mit seiner Parteifreundin im Außenministerium für globale Wertschätzung einer Agrarpolitik werben, die naturnahes Wirtschaften und Tierwohl nicht nur predigt, sondern auch finanziell belohnt. Das tägliche Brot wird teurer werden. Auch deshalb, weil globaler Lebensmitteltransport und Klimaschutz im Verkehrswesen einen Widerspruch in sich darstellen.

 


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