Die Jagd bleibt Publikumsmagnet

Der ungebrochene Erfolg der Dortmunder „Jagd und Hund“ offenbart die Schwachstellen einer realitätsfernen Tierrechtsdebatte
Eingang Nord der Westfalenhallen Dortmund am Eröffnungstag der Jagd & Hund 2023. (Foto: mlz)
Eingang Nord der Westfalenhallen Dortmund am Eröffnungstag der Jagd & Hund 2023. (Foto: mlz)

 

Von Michael Lehner

 

Auf der Dortmunder Messe „Jagd und Hund“ rechnen die Veranstalter mit dem Landesjagdverband Nordrhein-Westfalen nach den Corona-Jahren wieder mit Rekordzahlen jenseits der 80.000 Besucher. Nicht nur der Ticket-Vorverkauf deutet auf ungebrochenes Interesse an der ältesten Form des Nahrungserwerbs.

 

In Deutschland steigt die Zahl der Jagdscheininhaber beständig. 407.370 waren es im letzten Jahr in Deutschland - ein Plus von 30 Prozent binnen dreißig Jahren. Aktuell stellen Frauen ein Drittel der Teilnehmer an den Jägerprüfungen. Das sagt auch etwas dazu aus, welche Rolle die Jagd in Deutschland aktuell einnimmt.

 

Dass solche Statistik eine andere Sprache spricht als die öffentliche Wahrnehmung in vielen Mainstream-Medien ist durchaus spannend. Und ist zudem ein Hinweis auf die wachsende Kluft zwischen Großstadt-Befindlichkeiten und Landbevölkerung. Selbst dann, wenn sich zu Gelegenheiten wie dem Münchner Oktoberfest Menschenmassen in Jäger-Kluft versammeln. Derlei Tracht gehört zwar auch auf der Dortmunder Messe zu den Publikumsmagneten. Aber die große Menge der 580 Aussteller aus 36 Ländern steht im direkten Zusammenhang mit der Jagd in all ihren Facetten – auch den immer wieder kritisierten.

 

Küche und Kochen mit Wild immer beliebter

 

Fakt ist, dass Wildbret gerade bei ernährungsbewussten Verbrauchern hoch im Kurs steht. Nicht zuletzt, weil Wildtiere natürlich aufwachsen. Obwohl ihr Fleisch nicht mehr „bio“ heißen darf – während auf der anderen Seite um den Etikettenschwindel mit der veganen „Bratwurst“ noch gestritten wird. Küche und Kochen gehören jedenfalls zu den Wachstumssparten auf der Messe. Sehr zur Freude der Jäger, die – zumal beim Wildschwein – ihre Beute immer noch allzu oft zu Spottpreisen verkaufen müssen.

 

Auch der Irrwitz, dass ein Teil der Politik zur vermeintlichen Rettung der Wälder von den Jägern brutale Reduzierung der Schalenwildbestände verlangt und zugleich mit den Anliegen von Hardcore-Jagdgegnern sympathisiert, gehört zum Thema: Noch sorgen gut 400.000 „Hobby-Jäger“ dafür, dass der Staat sich das Geld für ein Heer von Jagdbeamten sparen kann. Und sie zahlen auch noch stattliche Pacht-Summen dafür, die dem staatlichen und privaten Forst mit seinen akuten Umwelt-Problemen sonst fehlten.

 

Bekenntnis zur Auslandsjagd

 

Nicht zuletzt illustriert das Triumphgeheul, mit dem Jagdgegner den Messe-Start fast ritual begleiten, die gestörte Wahrnehmung beispielhaft. Dass die Bundesregierung zum Jahreswechsel den Internationalen Rat zur Erhaltung des Wildes und der Jagd (CIC) verlassen hat, gilt dort als Sieg über die Auslandsjagd. Und legt zugleich offen, wie sehr der Wildtierschutz in den armen Ländern Afrikas und Asiens vom Geld der zahlungskräftigen Jagdgäste abhängt.

 

In Wahrheit sorgt der Jagdtourismus dafür, dass es den wilden Tieren in Urwald und Savanne besser geht. Das Auskommen ganzer Dörfer hängt von den Einnahmen aus der Jagd ab. Es fällt den Einheimischen so leichter, damit zu leben, dass Elefanten ihre Felder verwüsten und Löwen ihre Weidetiere verspeisen, wenn der geldwerte Nutzen erkennbar ist. Das Beispiel Kenia, das die Touristenjagd verboten hat, belegt zeitgleich einen dramatischen Rückgang der Bestände bedrohter Tierarten.

 

Der CIC hat zum Dortmunder Messestart einen höchst informativen Film ins Internet gestellt. Auch Tierfreunde, die keine Jäger sind, sollten sich dort informieren, wie die Kampagnen gegen die Auslandsjagd bei den Betroffenen ankommen: https://youtu.be/TqaKt520u-8


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