Bayerns Bauern und die Spekulanten

Familienbetriebe statt Agrarfabriken: 95 Prozent der (sündteuren) bayerischen Nutzflächen gehören der traditionellen Landwirtschaft

Traktor auf einer Grünfläche vor einem bayerischen Dorf. (Symbolbild: Ulrike Leone)
Traktor auf einer Grünfläche vor einem bayerischen Dorf. (Symbolbild: Ulrike Leone)

 

Von Michael Lehner

 

Wiesen und Felder als Spekulationsobjekt für anonyme Investoren sind ein Aufreger-Thema, vor allem in den nordöstlichen Bundesländern. Aber offenbar nicht in Bayern. Gerade mal 0,6 Prozent der Landwirtschaftsflächen gehören dort berufsfremden Investoren. Womöglich noch spannender: Über 99 Prozent der Betriebe bewirtschaften weniger als 50 Hektar. Gut die Hälfte (52 Prozent) sind Kleinstbauern mit Nutzflächen von höchstens einem Hektar.

 

Solche Strukturen mit ihrem Löwenanteil von Neben- und Zuerwerbsbetrieben werden seit Jahrzehnten von Experten – zumal in der EU-Bürokratie – belächelt. Aber sie halten sich, vor allem im Süden. Und das soll so bleiben, sagt CSU-Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber: „Viele bayerische Bauernhöfe sind seit Generationen in Familienbesitz. Ziel der Landwirte ist es, ihren Hof bestmöglich zu bewirtschaften und schließlich an die nachfolgende Generation weiterzuvererben. Das ist gelebte Nachhaltigkeit und das müssen wir uns bewahren.“

 

Das beim Bundeslandwirtschaftsministerium angesiedelte Thünen-Institut hat seine Bestandsaufnahme zur Grundbesitzverteilung in Bayern mit Handlungsempfehlungen zur Stärkung der bäuerlichen Familienbetriebe ergänzt. So sollten diese beim Eigentümerwechsel von Agrarflächen gegenüber branchenfremden Investoren gestärkt werden. Womöglich noch wichtiger: Verbesserte Information der Landwirte über zum Verkauf stehende Agrargrundstücke.

 

Preissteigerungen im landwirtschaftlichen Bodenmarkt

 

Kein Kraut gewachsen scheint allerdings auch in Bayern gegen den Flächenverbrauch für Wohn- und Industriegebiete sowie Infrastruktureinrichtungen und Straßenbau. Das Landwirtschaftsministerium kommentiert das mit einem Hauch von Selbstkritik: „Das Gutachten zeigt auf, dass in der Folge vielfach die Öffentliche Hand und Unternehmen die höchsten Bodenpreise bezahlen. Sie tragen mit ihrer Nachfrage und Kaufkraft damit erheblich zu den Preissteigerungen auch im landwirtschaftlichen Bodenmarkt bei.“

 

Im bayerischen Durchschnitt stiegen die Preise für Acker und Grünland im Jahr 2020 auf 63.986 Euro pro Hektar, in Oberbayern gar auf 112.118 Euro. Im Bundesdurchschnitt waren es hingegen nach kräftigem Preisanstieg „nur“ 27.667 Euro je Hektar. Könnte also gut sein, dass die hohen Grundstückspreise im schönen Bayern auch dazu beitragen, dass Agar-Spekulanten bisher einen Bogen um den deutschen Süden machen.

 

Noch gilt „Bauernland in Bauernhand“

 

„In den ostdeutschen Ländern häufig auftretende“ sogenannte Share Deals spielen in Bayern „keine Rolle“, freut sich die Ministerin. Noch gelte „Bauernland in Bauernhand“ offensichtlich auch auf dem Agrar-Immobilienmarkt. Das Angebot dort ist mit zuletzt 0,4 Prozent der Nutzflächen winzig klein und beim Besitzwechsel bleiben die Landwirte fast ausnahmslos unter sich. Vorausgesetzt sie können sich die bayerischen Preise überhaupt leisten – zum Beispiel, wenn Bauernland zu Bauland wird. Was gerade kleine Betriebe am Leben hält.

 


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