Es bleibt viel zu tun

 

Von Jürgen Wermser

 

Keine Frage: Bürger und Betriebe stehen in strukturschwachen, sehr ländlichen Regionen häufig vor besonderen wirtschaftlichen und sozialen Herausforderungen. Gleichwohl bewerten die meisten Menschen ihre Lage dort grundsätzlich positiv - so jedenfalls das Ergebnis einer in diesem Sommer durchgeführten und jetzt veröffentlichten repräsentativen Umfrage im Auftrag des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL). Und durch die Einschränkungen in der Corona-Pandemie dürften in den Ballungsgebieten weitere Menschen die Vorzüge des dörflichen und kleinstädtischen Lebens zu schätzen gelernt haben.

 

Leben in Großstadt verliert an Reiz

 

Das Leben in der Großstadt verliert momentan an Reiz, weil Shopping-Touren, Theater- und Kinobesuche aus Angst vor dem Virus seltener werden, weil Familien unerwartet viel Zeit in Wohnungen verbringen müssen, die auf so große und lang andauernde Nähe nicht ausgelegt sind. In einer solchen Situation gewinnen Argumente für den ländlichen Raum wie mehr Ruhe, mehr Platz, mehr Natur zusätzlich an Gewicht.

 

Und die Menschen, die dort bereits leben, wissen diese Vorzüge auch zu schätzen. So bewerten drei Viertel der Befragten ihre derzeitige Wohngegend als gut oder sehr gut. Die Natur und die Versorgung mit den meisten Dienstleistungen und Einrichtungen für das alltägliche Leben wird ebenfalls überwiegend gut bis sehr gut bewertet.

 

Schlechte Versorgung mit Internet und Mobilfunk

 

All dies klingt zunächst wie eine Erfolgsbilanz, die sich die Politik zumindest indirekt auf ihre Fahnen schreiben könnte. Doch es gibt auch reichlich Defizite, für die Regierungen und Parlamente mindestens ebenso sehr mitverantwortlich sind: Schlechte Bus- und Bahnverbindungen, zu wenige Arbeitsplätze jenseits der Zentren, teils dürftige Versorgung mit Mobilfunk und Internet.

Nur ein Bespiel aus der BMEL-Studie: Zwar halten 89 Prozent aller Befragten eine gute Internet- und Mobilfunkversorgung im Alltag für wichtig. Aber nur 61 Prozent in sehr ländlichen Regionen bewerten ihre Internetversorgung und 63 Prozent ihren Handyempfang bei sich zu Hause als gut. In Ballungsräumen sind es 68 Prozent (Internet) und 73 Prozent (Handyempfang).

 

Lebensqualität in ganz Deutschland erhöhen

 

Hier müssen die Politiker von Bund und Ländern energisch gegensteuern, damit die oben erwähnten Pluspunkte des ländlichen Raums nicht schrittweise verdunkelt werden. Mehr noch: Es gilt die Regionen außerhalb der großen Städte und Ballungsgebiete in jeder Hinsicht massiv zu stärken, um den Problemdruck in den Metropolen etwa in den Bereichen Wohnen und Verkehr zu verringern sowie die Lebensqualität in ganz Deutschland zu erhöhen. Auch beim Thema Umwelt und erneuerbare Energien kommt dem ländlichen Raum eine entscheidende Rolle zu. Man denke hier nur an den Ausbau der Windenergie und der Stromtrassen oder an die Veränderungen im Agrarsektor in Richtung mehr Ökologie und Tierwohl.

 

Vieles davon liegt in der Verantwortung von Ländern und Kommunen. Aber noch wichtiger ist momentan, welchen Kurs die künftige Bundesregierung in all diesen Fragen steuern wird. SPD, Grüne und FDP stehen hier bei ihren Koalitionsverhandlungen vor ebenso schwierigen wie wichtigen Richtung- und Finanzierungsentscheidungen.

 

 

Download

 

Hier können Sie die Umfrage als PDF-Datei herunterladen.

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