Landbewohner besonders betroffen

 

Von Jürgen Wermser

 

Die Bilanz der Klima- und Umweltpolitik von Angela Merkel fällt durchwachsen aus. Dies gilt vor allem für die Energiewende, die nach der Reaktorkatastrophe von Fukushima im Eiltempo - man könnte auch von Hektik sprechen - gegen alle Bedenken und Widerstände durchgesetzt wurde. Bereits drei Tage nach der Katastrophe in Japan hatte das Kabinett im März 2011 den schrittweisen Ausstieg aus der Atomenergie beschlossen. Der letzte deutsche Meiler soll demzufolge bis Ende 2022 vom Netz gehen. Damit nicht genug: Aus der Kohleverstromung soll die Bundesrepublik bis 2038 aussteigen.

 

Die Zeche in Form höherer Preise zahlen die Verbraucher, wobei dies für die Bewohner des Ländlichen Raums in besonderer Weise gilt. Diese wohnen häufig in einzeln stehenden Häusern, die naturgemäß einen höheren Energiebedarf haben. Und sie sind als Pendler von steigenden Benzin- und Dieselpreisen stärker betroffen als Städter, die zumeist problemlos den hoch subventionierten öffentlichen Personennahverkehr nutzen können.

 

Konflikte wegen Windkraftanlagen

 

Die massiv geförderte und zunehmende Elektromobilität droht diese Spaltung zwischen Stadt und Land noch weiter zu vertiefen. Denn während man sich in Hamburg, Berlin oder München über leise und sauber fahrende Autos freuen darf, sollen vor allem die dünner besiedelten Gebiete den dafür notwendigen Strom liefern. Für die Landbewohner bedeutete dies etwa, sich mit mächtigen Windrädern in der direkten Umgebung zu arrangieren - mit entsprechend negativen Konsequenzen für das Landschaftsbild, die Lärmbelastung und den eventuellen Tourismus.

 

Auch Trassenverläufe sorgen immer wieder vor Ort für Wirbel und Proteste der Bevölkerung. Ein intensiverer und vor allem frühzeitiger Dialog mit den unmittelbar Betroffenen hätte hier vielerorts zur Entspannung beitragen können. Doch Zuhören und geduldiges Erklären gegenüber der Öffentlichkeit war noch nie eine herausragende Tugend deutscher Staatsdiener.

 

Und auch Merkel selbst ging in dieser Hinsicht leider viel zu selten mit gutem Beispiel voran - man denke nur an ihre leidenschaftslos wirkende Kommunikation der eigenen Migrations- oder Anti-Corona-Politik. Ähnlich nüchtern, ja fast schon technokratisch wirbt sie für ihre Umwelt- und Klimapolitik. Angesichts der Dimension der Aufgaben und Belastungen wäre es gewiss sinnvoll, wenn die Kanzlerin an dieser Stelle öffentlich mehr Empathie und Enthusiasmus gezeigt hätte. Doch Merkel kann hier augenscheinlich nicht aus ihrer politischen Haut.  Entsprechend gering ist die Begeisterung für Merkels Konzept und Kommunikation der Energiewende in weiten Teil des ländlichen Raums. Wer ihr im Amt nachfolgt, wird daher nicht nur viel entscheiden, sondern auch häufiger und besser erklären müssen.

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