Vom guten Leben auf dem Lande

 

Von Michael Lehner

 

Im Dorf gibt’s weder Feinstaub noch Stau im Berufsverkehr. Hier stirbt keiner einsam und liegt dann wochenlang in seiner Wohnung. Die Mieten sind noch bezahlbar und der Traum vom Eigenheim ist keine Utopie. Sogar die Flüchtlingsintegration gelingt in den Dörfern meistens besser. Weil es soziale Kontrolle gibt – auch für Einheimische.

 

Wir kaufen Fleisch und Wurst beim Metzger um die Ecke und holen unsere Weihnachtsgans frisch gerupft beim Bauern. Dann wissen auch die Kinder, dass der Braten nicht in der Kühltheke wächst. Und dass Kuhmist kein Umweltproblem ist, sondern Dünger. Zumindest in der bäuerlichen Landwirtschaft.

 

Statt Therapeuten gibt’s den Pfarrer, der seine Schafe kennt. Und den Lehrer, der auch nach dem Unterricht aufs Klingeln öffnet, wenn Kinder was nicht verstanden haben. Verlogene Idylle? Das sagen nur Leute, die das Landleben nicht kennen. Oder solche, die aufs Dorf gezogen sind, um dort Stadtmenschen zu bleiben. Ohne viel Ahnung vom Mist und von den Gänsen. Und mit dem Hang, es vermeintlich besser zu wissen.

 

Wo selbiger vorhanden, gibt es kaum einen Hof ohne Internetanschluss. In mancher Dorfwerkstatt kommen sie auch mit moderner Autotechnik klar. Und können trotzdem noch Bleche schweißen, um betagte Gefährte vor dem Schrott zu retten. Das lässt sich belächeln oder gar als Umweltsünde verteufeln – in Wahrheit ist es gelebte Nachhaltigkeit.

 

Auf dem Land gibt es jede Menge Freizeit vor der Haustür. Ganz ohne motorisierte Mobilität. Viele brauchen nicht mal für den Urlaub einen Flieger. Und das Auto nur, damit sie in die Arbeit kommen. Weil sich´s kaum noch davon leben lässt, für anderer Leute täglich Brot zu sorgen.

 

Während sie es in den großen Städten auch mit dem Nahverkehr kaum geregelt kriegen, besteht zudem neue Hoffnung für die Provinz: Homeoffice geht auch dort, wo sich – Gott sei´s gedankt – Fuchs und Hase noch gute Nacht sagen. Und die Menschen sich auf der Straße grüßen. Gern in Gottes Namen und mit einem Lächeln.

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