In Lastwagen und Reisebussen ist der Dieselmotor nicht ersetzbar

Die EU-Kommission will auch bei schweren Nutzfahrzeugen innerhalb von wenigen Jahren den Umstieg auf emissionsfreie Antriebe erzwingen

Ein Lastwagen auf Tour. (Foto:  Andreas Hermsdorf / pixelio.de)
Ein Lastwagen auf Tour. (Foto: Andreas Hermsdorf / pixelio.de)

 

Von Ludwig Hintjens

 

Jetzt knöpft sich die EU den Diesel in Lastwagen und Omnibussen vor. Ein totales Verbrenner-Verbot, das bei neuen Pkws und Lieferwagen für 2035 beschlossen ist, soll es zwar bei den Nutzfahrzeugen nicht geben. Hier konnte sich der für den Green Deal zuständige Vize von Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen, Frans Timmermans, nicht durchsetzen. Beschlossen wurde „nur“, dass die Flotten der Hersteller von schweren Nutzfahrzeugen im Jahr 2040 90 Prozent weniger Diesel verbrauchen dürfen als 2019.

 

Doch auch der Kompromiss wird gravierende Folgen haben. Die Bürokraten der EU-Kommission setzen unrealistische Ziele. Schon für 2030 schreiben sie den Herstellern vor, dass ihre Fahrzeuge 45 Prozent weniger des Klimagases Kohlendioxid ausstoßen dürfen. Motorenbauer sagen, dass der Dieselmotor bis dahin durch Ingenieurskunst acht bis zehn Prozent sparsamer werden könnte. Die restlichen 35 Prozent müssten geholt werden, indem der Absatz von Fahrzeugen mit Batterieantrieb oder Brennstoffzelle in die Höhe getrieben wird, die mit null Gramm CO₂ je gefahrenen Kilometer in die CO₂-Statistik eingehen. Nur mal zum Vergleich: Daimler Truck, Weltmarktführer bei Nutzfahrzeugen, hat 2022 etwa eine halbe Million Fahrzeuge produziert. Eine niedrige dreistellige Zahl davon waren E-Lkw. Ein E-Lkw kostet etwa dreimal so viel wie ein Diesel-Lkw.

 

Der Branchenverband ACEA hat vorgerechnet, dass es für die 2030er-Ziele der Kommission EU-weit schon 400.000 Nullemissionstrucks geben müsste. Dafür bräuchte man 50.000 öffentliche Hochvolt-Ladesäulen speziell für Lkw. Von dieser Kategorie gibt es heute so gut wie keine einzige Säule. 

 

Es droht der wirtschaftliche Ruin

 

Wer die Brüsseler Vorgaben verfehlt, dem droht der wirtschaftliche Ruin. Dann sind nämlich Strafzahlungen fällig. Bei der Marke mit dem Stern müsste ein Milliardenbetrag für jedes Jahr der Verfehlung der Flottengrenzwerte um fünf Prozent nach Brüssel überwiesen werden.

 

Schon 2030 soll übrigens jeder neue Stadtbus emissionsfrei unterwegs sein. Nicht nur in Berlin, Brüssel, Frankfurt und London, sondern auch in Helsinki, wo es im Winter über Monate empfindlich kalt ist, was der Reichweite nicht zuträglich ist. Oder in Stuttgart, wo die Busse aus dem Talkessel heraus Steigungen mit zweistelligen Prozentzahlen zu bewältigen haben. Auch das zehrt an der Batterie.

 

Die EU macht Vorgaben, die zu Kostenexplosionen für Unternehmen und Verbraucher führen werden. Mittelständische Busunternehmen, die heute noch einen Großteil der Verkehre auf dem Land abdecken, werden die Mehrkosten für die Ladeinfrastruktur und Anschaffung der Fahrzeuge nicht stemmen können.

 

Forderungen, für die es keine technischen Lösungen gibt

 

Und, auch das ist beachtlich: Die Kommission stellt Forderungen auf, für die es zum heutigen Zeitpunkt keine technischen Lösungen gibt. Ihr Gesetzentwurf sieht vor, dass auch die Hersteller von Reisebussen den CO₂-Ausstoß drastisch senken müssen. Die Ziele werden nur dann erreicht, wenn es auch hier einen hohen Anteil an Neuzulassungen geben wird, die emissionsfrei unterwegs sind. Nur: Moderne und komfortable Reisebusse haben aufwändige Nebenaggregate wie Küchen und Klimaanlagen. Die Energie dafür liefert heute selbstverständlich der Dieselmotor. Es gibt bislang keinen einzigen emissionsfreien Reisebus. Ein serienreifer Bus, ob batteriebetrieben oder mit Brennstoffzelle, der die Strecke von Dortmund an die Costa Brava bewältigen würde, ist auf Jahre hinaus auch nicht in Sicht.

 

Dem Gesetzgebungsvorschlag fehlt es an innerer Logik und Weitsicht. Es ist sehr schwer vorstellbar, dass auch nur die mittelfristigen Ziele für das Jahr 2030 erreichbar sind. Zwei Szenarien sind denkbar: Es wird entweder toleriert werden, dass die Ziele gerissen werden. Oder die EU kassiert ihre Vorgaben bald wieder ein. Beide Varianten bedeuten eine Blamage und werden Europa Ansehen kosten. 

 


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