Alternativlos in die Elektromobilität?

Vieles spricht dafür, dass die E-Mobilität neben dem öffentlichen Nah- und Fernverkehr künftig eine ganz zentrale Rolle spielen wird

Es gibt viel zu wenig Ladesäulen – vor allem in kleineren Städten und in ländlichen Regionen. (Symbolbild: A. Krebs)
Es gibt viel zu wenig Ladesäulen – vor allem in kleineren Städten und in ländlichen Regionen. (Symbolbild: A. Krebs)

 

Von Jürgen Muhl

 

Was zunächst als Autogipfel in Berlin angekündigt war und wenige Tage vor dem Treffen in Mobilitätsgipfel umgetauft wurde, war nichts anderes als ein Schlagabtausch zwischen Klima-Lobbyisten und Vertretern der Automobilindustrie. So wie wir es seit Jahren kennen. Bevor überhaupt miteinander gesprochen wurde, gab es heftige Kritik aus Branchen, die entweder nicht eingeladen waren oder die sich in Nebenrollen sehen. So wie die Bahn-Lobby-Organisation "Allianz pro Schiene", deren Hauptgeschäftsführer Dirk Flege von einem "Etikettenschwindel" sprach. Es gehe ja doch nur um die E-Mobilität auf den Straßen, schimpfte Flege. Auch Fahrrad-Lobbyisten vermissten sich auf der Einladungsliste.

 

Die Politik, angeführt von Kanzler Olaf Scholz, hält an ihrer recht einseitigen Linie fest: E-Autos, sonst nichts. Berlin setzt damit seine Linie fort. Das Verbrenner-Aus ist beschlossene Sache. Ab 2035 dürfen in der EU keine Neuwagen mit Benzin- oder Diesel-Motor mehr zugelassen werden. Einige Jahre später sollen nur noch Elektroautos fahren.

 

Anstatt die neue Technologie massiv zu fördern und den Wandel, wo es nur geht, zu unterstützen, wird einmal mehr mit Verboten gearbeitet. Letztlich wird vermutlich aber auch der Markt selbst bei allen staatlichen Lenkungs- und Förderungsmaßnahmen entscheiden, wie schnell sich das E-Auto tatsächlich durchsetzt. Schon jetzt wird die zunehmend gestellte Frage eine Rolle spielen, wie die dahinter liegende Infrastruktur mit Ladestationen und Strommengen einmal funktionieren wird. Vieles spricht dafür, dass die E-Mobilität neben dem öffentlichen Nah- und Fernverkehr künftig eine ganz zentrale Rolle spielen wird. Dabei allerdings den Verbrenner komplett zu verbannen, kann nicht der richtige Weg sein. Zu groß sind die Nachteile, die E-Autos immer noch mit sich bringen: zu geringe Reichweite, immer teurer werdender Strom, zu hohe Anschaffungspreise und eben das Fehlen einer ausreichender Ladeinfrastruktur.

 

Vor allem in ländlichen Regionen tut sich in dieser Hinsicht wenig. Auch die Landwirtschaft steht vor ungelösten Fragen. Traktoren mit Elektroantrieb sind derzeit nur schwer vorstellbar.

 

Verkehrs- und Wirtschaftsministerium liegen weit auseinander

 

Gestritten wurde darüber, wer denn nun die Verantwortung für den bislang schleppend verlaufenden Absatz mit E-Autos trägt. Der Verband der Energiewirtschaft (BDEW) bestreitet, dass es am Mangel an Ladesäulen liegt. Bundesverkehrsminister Volker Wissing sieht aber hierin genau das Problem. Es gebe viel zu wenig Ladesäulen – vor allem in kleineren Städten und in ländlichen Regionen. Für das Ladenetz aber ist nicht sein Ressort, sondern das Wirtschaftsministerium zuständig. Offenbar, so ein Vertreter aus der Automobilindustrie, "sprechen die  beiden Ministerien nicht miteinander". Liegen doch Robert Habeck und FDP-Mann Volker Wissing in ihren Ansichten und Zielen weit auseinander.

 

Wo bleibt die Bahn? Sie fährt weiterhin - wenn überhaupt - hinterher

 

Interessant sind die neuesten Zahlen aus dem Auto- und Lkw-Verkehr. Nach einer aktuellen Studie hat das Verkehrsaufkommen in Deutschland von 2021 auf 2022 um über 20 Prozent zugenommen. Es liegt damit um acht Prozent höher als vor der Corona-Pandemie.

 

Wo bleibt die Bahn? Sie fährt weiterhin - wenn überhaupt - hinterher. Die Themen Wasserstoff-Antrieb oder die Weiterentwicklung von synthetischen Kraftstoffen wurden nicht einmal am Rande der Veranstaltung diskutiert. Sie stoßen bei Rot-Grün weitgehend auf Ablehnung.

 

Insofern trifft auch die Bezeichnung "Mobilitätsgipfel" nur halbwegs zu. "Elektro-Gipfel" hätte besser gepasst. 

 


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