Weihnachtsgruß mit ernster Botschaft

Lichterfahrten sind Protestzüge der besonderen Art

Traktor zur Weihnachtszeit mit Lichterketten geschmückt. (Beispielbild: iStock/pwmotion)
Traktor zur Weihnachtszeit mit Lichterketten geschmückt. (Beispielbild: iStock/pwmotion)

 

Von Wolfgang Kleideiter

 

Es sind nicht nur die Nachbarn und Freunde, die am Straßenrand stehen und klatschen. Menschen aus nah und fern erfreuen sich in diesen Wochen an einer Aktion der Landwirtschaft. Festlich und fantasievoll geschmückte Traktoren, Schlepper und Zugmaschinen rollen in der Dunkelheit auf festgelegten Routen von Dorf zu Dorf, durch Bauernschaften und Innenstädte. Zuschauer verfolgen die farbenfrohen Spektakel. Die Sozialen Medien im Netz sind voll von Bildern und Videos der Weihnachtstrecker. Mal soll die Fahrt vor allem die Menschen erfreuen, mancherorts werden gleichzeitig Spenden für einen guten Zweck gesammelt. Im vergangenen Jahr wurde den Menschen im Ahrtal geholfen.

 

Alle Lichterfahrten gemeinsam sind aber auch ein Protestzug besonderer Art. Denn die Familien auf den Höfen sind nicht nur wegen Corona, Krieg, Inflation oder hohen Energiekosten in Sorge. Sie haben angesichts der politischen Beschlüsse in Berlin und Brüssel vielfach Angst um die Zukunft ihrer landwirtschaftlichen Betriebe. Verschärfte Produktionsbedingungen und -auflagen, Kontrollen und Beschränkungen machen das Wirtschaften schwieriger. Zum Schluss, so eine Befürchtung, werde die heimische Landwirtschaft bedeutungslos sein. Die Abhängigkeit von Lebensmitteln aus dem Ausland wachse.

 

Monatelange Vorbereitungen

 

Hinter der Lichterfahrt stehen Gemeinschaften wie „Land schafft Verbindung“, die Landwirtschaftlichen Ortsvereine oder die Landjugend. Sie haben schon Monate zuvor mit den Vorbereitungen für die Ausfahrt an den Samstagen im Advent begonnen. Wer im Internet nach der Lichterfahrt 2022 sucht, der findet Bilder aus vielen Orten – ob im Saarland, Niedersachsen, Rheinland-Pfalz oder im Raum Bremen. Überall dort wurde darauf hingewiesen, dass die Bauern über ihren Weihnachtsgruß hinaus auch selbst Hoffnung brauchen – am besten mehr als ein Funken.

 

In manchen Landkreisen ließ allerdings das Verständnis für die Sorgen der Höfe zu wünschen übrig. Probleme gab es unter anderem mit der Fahrzeugzulassung. Die meisten Zugmaschinen tragen grüne Nummernschilder und dürfen dann gefahren werden, wenn ein landwirtschaftlicher Zweck vorliegt. Mancherorts pochten die Behörden darauf, nur Traktoren mit schwarzen Nummernschildern einzusetzen. Das hätte der Aktion geschadet. Erst als sich landwirtschaftliche Organisationen entschieden, die Lichterfahrt 2022 abzusagen, lenkten Kreis und Polizei ein, berichteten Medien. Klärende Gespräche seien notwendig gewesen, denn eine Neuzulassung der Landmaschinen hätte Zeit, Geld und Mühe gekostet. In wenigen Tagen hätte man dies nicht bewerkstelligen können.

 

Bisweilen bleibt ein schaler Nachgeschmack

 

Unterschieden wurde in den Behörden offenbar zwischen einem angemeldeten Umzug und einer Demonstration. In manchen Ortsvereinen wurde bemängelt, dass man „Steine“ in den Weg gelegt bekommen habe und bei der Genehmigung Hürden aufgebaut worden seien. Für einen Umzug waren die Voraussetzungen kaum zu schaffen, bei einer Demonstration galten einfachere Regeln. So bleiben bisweilen ein schaler Nachgeschmack und das Gefühl zurück, dass selbst vor der Haustür mancherorts den Bauern die Lobby fehlt.

 


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