Reichlich Gas aus deutscher Produktion

Deutschland verfügt über große Gasreserven, besonders auf niedersächsischem Gebiet. Bislang aber verhindert die Politik weitergehende Förderungen

Eine Gasflamme (Symbolbild: Magnascan)
Eine Gasflamme (Symbolbild: Magnascan)

 

Von Jürgen Muhl 

 

In diesem Winter, so waren sich die Experten einig, werde es in Deutschland keine Mengenprobleme beim Gas geben. Mit einer Einschränkung: Solange keine extrem niedrigen Temperaturen für längere Zeit auftreten. Also - noch ist alles offen, hat der Frost uns doch derzeit fest im Griff. In den Städten, in den Bergen, an den Küsten und auf dem flachen Land. Sollte dieses Bibber-Szenario anhalten, könnte der Füllstand der Speicher Ende Februar bei Null liegen.

 

Noch gibt sich der Speicherverband optimistisch. Es sei eine ausreichende Befüllung vor dem Winter 2023/24 möglich, heißt es. Und dann, was ist dann? Ja, da sehen die Prognosen nicht so gut aus, wie EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen jetzt ankündigte. Die Rede ist von einer Lücke von bis zu 30 Milliarden Kubikmeter Gas im nächsten Jahr europaweit. Weil Russland im kommenden Jahr komplett ausfällt, weil es noch keine zusätzlichen Importe aus den arabischen Ländern gibt, weil Fracking-Gas aus den USA politisch verpönt ist und weil es mit den LNG-Terminals bis zur kompletten Fertigstellung noch dauern wird, könnte es also doch noch eng werden mit der Gas-Versorgung in Deutschland.

 

20 Prozent des deutschen Bedarfs

 

Mittel- und langfristig gibt es Hoffnung. Wenn denn die Politik in den Bundesländern mitmacht. Die innerdeutsche Förderung deckt derzeit rund fünf Prozent des Verbrauchs in Deutschland. Es gäbe allein in Niedersachsen große Erdgasvorkommen, um in der heimischen Förderung auf 20 Prozent des deutschen Bedarfs zu kommen. Wie das Förderkonsortium Wintershall/Dea mitteilt, wolle man die Förderung binnen zwei bis drei Jahren um zehn Prozent steigern. Wenn denn die Politik Rückhalt gäbe. Dabei gehe es nicht nur um die umstrittene Fracking-Methode, sondern auch um eine Erhöhung der Förderquote der aktuellen Querbohrungstechnik, um bisherige Felder im westlichen Niedersachsen besser auszubeuten.

 

Beim Fracking wird mit hohem Druck ein Wasser-Sand-Chemikalien-Gemisch in den Untergrund gepresst und so die gasführenden Gesteinsschichten aufgeweicht. Bislang lehnt Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) diese Pläne ab. Dazu haben sich zahlreiche Bürgerinitiativen formiert. 

 

Neue Bohrung in Grafschaft Bentheim

 

Aber auch ohne neue Fracks könne der Anteil der heimischen Produktion am deutschen Erdgasverbrauch auf eine zweistellige Quote erhöht werden, sagt ein Wintershall-Sprecher. In der Grafschaft Bentheim wird eine neue Bohrung in die Tiefe gebracht, um ein neues Erdgasfeld zu erschließen. Derzeit ist man bei einer Tiefe von fast 4.000 Metern angekommen. Ziel ist es, den Jahresbedarf von 200.000 Haushalten aus der Lagerstätte in der Grafschaft mit Gas zu versorgen.

 

Und es geht noch mehr, wenn deutsche Behörden ihre Scheu vor unkonventionellem Fracking in Schiefergestein verlören. Sollte Schiefergas in Deutschland gefördert werden, wäre "ein Hochlauf auf zehn Milliarden Kubikmeter Förderung pro Jahr innerhalb von drei bis fünf Jahren möglich", meldet der Bundesverband Erdgas, Erdöl und Geoenergie (BVEG). Ein Teil auf konventionelle Förderart, ein Teil mit der Fracking-Methode. Beide Methoden zusammen würden Deutschland beim Thema Gas voranbringen.  

 


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