Steilvorlagen für den Amateur-Fußball

Die gebotenen Konsequenzen aus dem WM-Desaster von Katar könnten zur Chance werden. Vor allem auch für den ländlichen Raum.

Hobbykicker auf dem Fußballplatz. (Symbolbild: Joachim Laatz)
Hobbykicker auf dem Fußballplatz. (Symbolbild: Joachim Laatz)

 

Von Michael Lehner  

 

Die wichtigste Nachricht zum Thema Fußball: Selbst treue Fans kehren dem Spektakel den Rücken. Nicht erst zum Anpfiff in Katar. Sondern schon lange zuvor. Ein Sport, der Schlagzeilen über Korruption und Geldgier in Serie produziert, taugt nun mal nicht zur schönsten Nebensache, die der Fußball nun einmal für viele Menschen im Lande ist. So wie viele seiner Funktionäre nicht zum Vorbild taugen. Spätestens der Rückblick auf den kürzlich verstorbenen Uwe Seeler zeigt, wie tief die Branche binnen weniger Jahrzehnte gesunken ist. Da galt noch das Prinzip „Elf Freunde…“

 

Das Spiel ums runde Leder bringt inzwischen nur noch selten Helden hervor, die das Nacheifern wert wären. Von der Steuerhinterziehung bis zur häuslichen Gewalt hat die Bundesliga fast alle Schattenseiten im Programm. Auf dem Spielfeld regiert längst nicht mehr der Sport allein. Zocker-Investoren sind mindestens genauso wichtig für den Erfolg, der längst davon abhängt, ob ein Verein die Millionen für absurde Spieler-Gehälter stemmen kann. 

 

Für enttäuschte Fans empfiehlt sich ein Abstecher in den Fußball-Breitensport – gerne auch in der C-Klasse. Man kennt sich. Es gibt lokale Helden zum Anfassen. Keine Stars hinter verdunkelten Scheiben im Mannschaftsbus. Eltern dürfen sich darüber freuen, dass das Kinder-Fantrikot keine 69 Euro kostet wie beim FC Bayern. Bratwurst und Getränke gehen auch nicht so ins Geld, dass der Ausflug große Löcher in die Kasse reißt. Vielleicht das Schönste: Im Gegensatz zu vielen Bundesliga-Begegnungen ist meistens erst nach dem Schlusspfiff klar, wer gewinnt.

 

Sport soll Spaß erzeugen und zum Mitmachen anregen 

 

Dass der Amateur-Fußball zum Jagdrevier für Talent-Scouts der Profi-Clubs verkommt, wird gern befürchtet. Dennoch gibt es (noch) reichlich Provinz-Vereine, die ihren Fans bieten, was guten Fußball ausmachen sollte: Spannung, Mannschaftsgeist und – vor allem – Heimat. Das gilt nicht nur für die Gemeinden, die unverdrossen „ihre“ Kicker unterstützen. Sondern auch für die Jugendarbeit, die sich nicht an Bundesliga-Karrieren orientiert. Sondern verstanden hat, dass Sport Spaß am Mitmachen erzeugen sollte. Aber keine Fan-Horden, die sich das „Wir sind Weltmeister“ schön saufen. Was die aktuelle Aufregung übers WM-Alkoholverbot mal wieder trefflich illustriert. 

 

Womöglich hat der Deutsche Fußballbund den Schuss gehört. Dort geben sie endlich mal nachdenkliche Töne von sich und suchen offen die Distanz zum Weltverband und seinen Gebräuchen. Noch besser wäre es, wenn mehr von den Millionen-Einnahmen dort landet, wo der Fußball noch nicht zum reinen Geschäft verkommen ist. Bei den Amateur-Vereinen und in den Dörfern, die schon froh sind, wenn sich ein Sponsor für die neuen Trikots findet. Oder für den Bustransport zum nächsten Auswärtsspiel.

 


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