Apotheken vor Ort im Bestand bedroht

Jedes Jahr schließen stationäre Apotheken in Deutschland. Die Branche kämpft mit Personal- und Nachwuchssorgen

Ein Apothekenzeichen (Symbolbild: Hans)
Ein Apothekenzeichen (Symbolbild: Hans)

 

Von Christian Urlage

 

Karl Lauterbach hat es nicht leicht: Der Gesundheitsminister wird massiv von Corona-Leugnern bedroht und von AfD-Politikern wie Beatrix von Storch beleidigt. Angezeigt wurde er, weil er möglicherweise gegen Berliner Quarantäneregeln verstoßen hat, und selbst Parteifreunde kritisieren den SPD-Politiker wegen der neuen Corona-Regeln.

 

Daher ist es verständlich, dass der Ressortchef in der vergangenen Woche wenigstens die verärgerten Apotheker besänftigen wollte, mit deren Vertretern er bisher nur wenig Kontakt hatte. Zwar nahm Lauterbach wegen einer Kabinettssitzung nicht persönlich am Deutschen Apothekertag in München teil, sprach aber ein digitales Grußwort. Lauterbach überschüttete die Branche mit Lob für ihre „fantastischen Leistungen“ während der Corona-Pandemie. In der Videoschalte nannte er sie „zentrale Dienstleister in unserem Gesundheitssystem“, die man auch in unterversorgten Gebieten brauche.

 

Überzeugen konnte der SPD-Politiker damit allerdings längst nicht jeden Pharmazeuten. Dass er „Effizienzreserven“ heben und den Abschlag an die Kassen für jedes Medikament von 1,77 auf 2 Euro erhöhen will, bringt die Apotheker auf die Palme.  Denn „Effizienzreserven“ sehen sie nicht, im Gegenteil: Angesichts der Rahmenbedingungen halten sie die wohnortnahen Apotheken in ihrer Existenz für gefährdet und sehen auch die flächendeckende Versorgung bedroht.

 

Die Konkurrenz durch Versandapotheken wächst

 

Die Stimmung in der Branche ist noch aus anderen Gründen schlecht. Die stationären Apotheker quälen sich ebenso mit Personal- und Nachwuchsproblemen wie mit der wachsenden Konkurrenz durch Versandapotheker aus den Niederlanden oder der Schweiz. Kontinuierlich sinkt seit Jahren die Zahl der stationären Apotheken, und die Dichte in Deutschland liegt mit 23 Apotheken pro 100.000 Einwohnern mittlerweile unter dem europäischen Durchschnitt.

 

Bundesregierung will 1000 Gesundheitskioske errichten

 

Und jetzt will die Bundesregierung auch noch deutschlandweit 1000 Gesundheitskioske in städtischen Problemgebieten errichten. Von Investitionen in Höhe von 750 Millionen Euro ist die Rede. Die Apotheker finden zu Recht, dass hier Geld verbrannt wird. Es ist nachvollziehbar, dass sie nun fragen, warum sie nicht in die Planungen einbezogen wurden und kritisieren, es werde eine überflüssige Parallelstruktur entstehen. Denn es wäre besser gewesen, niedrigschwellige Strukturen wie die Apotheken in sozialen Brennpunkten zu stärken, statt mit Gesundheitskiosken eine teure Alternative zu schaffen, deren Nutzen noch nicht erwiesen ist.

 


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