Waldbesitzer verlangen Taten, nicht schöne Worte

Alle wollen einen schnellen Umbau der Forstwirtschaft, doch der Teufel steckt im Detail

Blick in die Baumkronen eines Buchenwaldes. (Symbolbild: Gennaro Leonardi)
Blick in die Baumkronen eines Buchenwaldes. (Symbolbild: Gennaro Leonardi)

 

Von Christian Urlage

 

Dem deutschen Wald geht es schlecht. Brände, Borkenkäfer, Stürme und Trockenheit machen den Bäumen zu schaffen, viele von ihnen sind krank – aber der Wald wird dringend gebraucht: als Rohstoff-Lieferant und mehr noch als Kohlendioxid-Speicher im Kampf gegen den Klimawandel. Im Landkreis Würzburg wurden in einem Pilot-Projekt sogar Schläuche zur Tröpfchenbewässerung im Wald verlegt, aber das war wohl mehr eine Verzweiflungstat. Einig sind sich alle Beteiligten, dass Monokulturen mit Fichten und Kiefern abgelöst werden müssen durch nachhaltigen Mischwald. Auch Bundeslandwirtschaftsminister Cem Özdemir rief kürzlich zum schnellen Umbau der Forstwirtschaft auf. Dem stimmen ebenso die Waldbesitzer zu, doch der Teufel steckt wie so oft im Detail.

 

„Wo bleibt Minister Özdemir?“, fragte die Arbeitsgemeinschaft deutscher Waldbesitzerverbände (AGDW) Anfang August und forderte einen baldigen Krisengipfel angesichts der Waldbrände in Sachsen, Brandenburg und anderen Ländern, um im kommenden Jahr dagegen gewappnet zu sein. AGDW-Präsident Andreas Bitter stellte in einer Pressemitteilung die Frage, ob Özdemir den Ernst der Lage erkannt habe. Er wünscht sich, dass sich die Akteure an einen Tisch setzen und Waldbesitzer, Förster, Naturschützer, Feuerwehr, Bund, Land und Kommunen an einem Strang ziehen.

 

Totholz brennt wie Zunder

 

Mit den Umweltverbänden oder dem Agrarministerium sind Waldbesitzer und Forstleute nicht immer konform. Zum Beispiel mit der schön klingenden Forderung nach naturnahem Wald, die Mitte August die Parlamentarischen Staatssekretärinnen im Umwelt- und Landwirtschaftsressort des Bundes propagierten. So gibt AGDW-Präsident Bitter zu bedenken, dass sich in einem selbst überlassenen Wald Totholz sammelt, das „wie Zunder“ brennt, wenn es trocken wird. Und anders als manche Umweltschützer sprechen sich die Waldbesitzer für breite Wege aus, damit die Feuerwehr ins Einsatzgebiet fahren kann.

 

Die schwarz-grüne Landesregierung in Nordrhein-Westfalen ist schon weiter als der Bund und hat Anfang August ein Schutzkonzept gegen Waldbrände vorgelegt. Künstliche angelegte Löschteiche zählen dazu und gut ausbaute Waldwege, so dass auch breite Löschfahrzeuge durchkommen können. Regelmäßig sollen Mitarbeiter von Forstbetrieben und Feuerwehrleute Extremsituation üben.

 

Waldbesitzer fordern von Özdemir Auszahlung zugesagter Mittel

 

Während der BUND den Waldbauern vorwirft, sie würden immer noch zuerst an die bestmögliche Vermarktung denken, sind diese durchaus zum Umbau bereit. Aber sie betonen zu Recht, dass sich Nadelholz für die Weiterverarbeitung besser eignet als Laubwald und sie vor allem den Umbau finanziell nicht allein stemmen können. Auch deshalb verlangt die AGDW, dass nach den schönen Worten von Politikern endlich Taten folgen. In der Praxis nehmen sie den umgekehrten Weg wahr: So solle die Förderung über die Gemeinschaftsaufgabe „Verbesserung der Agrarstruktur und des Küstenschutzes“ (GAK) ab 2023 um ein Viertel gekürzt werden – eine Gemeinschaftsaufgabe, die naturnahe Waldbewirtschaftung und Zusammenschlüsse in der Forstwirtschaft unterstützen soll.

 

Schon im Juni hatte der Waldbesitzer-Verband zusammen mit den „Familienbetrieben Wald und Forst“ in einem offenen Brief an den grünen Landwirtschaftsminister appelliert, bei der Auszahlung der zugesagten Mittel nicht zu zögern. Einig sind sich die Waldeigentümer immerhin mit Özdemir, dass es gut ist, den Wildbestand zu reduzieren, damit nicht alle Jungpflanzen durch Wildverbiss weggefressen werden.

 


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