Sündenbock-Suche im Dürre-Sommer

Warum die Sorge um die Nahrungsmittelproduktion nur ganz langsam in die Köpfe geht
Die Folgen der Dürre. Ausgetrockneter Boden. (Symbolbild: Jose Antonio Alba)
Die Folgen der Dürre. Ausgetrockneter Boden. (Symbolbild: Jose Antonio Alba)

 

Von Michael Lehner

 

Mal ganz ehrlich: Das Wasser hatten wir bisher so nicht auf dem Schirm. Bis dieser Sommer kam und zeigt, was Trockenperioden bedeuten. Bis hin zu Kraftwerken, denen das Kühlwasser fehlt. Oder mit Frachtkähnen, die in Flüssen feststecken. Dabei sind andere Folgen noch weit schlimmer. Für die Nahrungsmittelproduktion zum Beispiel. Und, vor allem, für den lebenswichtigen Kreislauf der Natur.

 

So manch verdrängte Wahrheit erreicht das Publikum in diesen Tagen. Etwa jene, dass richtige Winter wichtig sind, damit im Sommer nicht das Wasser knapp wird. Weil den Flüssen der Nachschub fehlt, wenn immer mehr Gebirgslagen schneefrei sind. Weil Gletscher als letzte Notreserve verschwinden.

 

Zugleich sorgen wir auch im Flachland dafür, dass das kostbare Nass schnell verschwindet. Mit Flussbegradigung, die natürliche Wasserspeicher vernichtet. Aber im Ernstfall Jahrhundert(?)fluten wohl doch nicht aufhalten kann. Schon planen sie in Bayern entlang der Donau riesige, auch ökologisch bedenkliche Flutpolder. Als teuren Ersatz für trocken gelegte Auwälder, die das Wasser ganz natürlich halten.

 

Verschwendung der hoch entwickelten Zivilisation

 

Eine vermeintlich sensibilisierte Gesellschaft erregt sich über den Trinkwasserbedarf der Rindviecher. Aber verdrängt zugleich die ungeheure Verschwendung einer hoch entwickelten Zivilisation. Von der regelmäßigen Autowäsche bis zum Bewässern kurz geschorener Rasenflächen.

 

Dass Wasser auch ein unverzichtbarer Lebensraum ist, merken viele erst, wenn die toten Fische tonnenweise in der Oder schwimmen und die Tagesschau darüber berichtet. Dass gerade bedrohte Fischarten schon bei angenehmen Badetemperaturen kaum noch atmen können, entgeht auch interessierten Zeitgenossen. Vor allem jenen, die Wasserkraft immer und überall für ökologisch unbedenklich halten – zumindest, so lange Kormorane noch genug Beutefische finden.

 

Zeichen ärmer werdender Natur

 

Sogar in Skandinavien wird in diesem Sommer mancherorts das Wasser knapp. Norwegen, das gelobte Land der Öko-Energie, muss in immer mehr Flüssen das Lachsangeln verbieten. Schlimm nicht nur für den Tourismus zahlungskräftiger Petri-Jünger. Sondern auch Zeichen einer ärmer werdenden Natur. Zumal die invasive Art der Buckellachse aus dem Pazifik die letzten heimischen Atlantik-Lachse mehr und mehr verdrängt.

 

Für allgemeine Erregung sorgen jedoch eher die Pläne für riesige Windparks im dünnst besiedelten Lappland, weil Windräder die Rentierwirtschaft stören könnten. Als wäre das Verschwinden der Permafrostböden nicht weit bedrohlicher fürs Klima und für den Wasserhaushalt.

 

Spannend auch die bestürzten Reaktionen auf die Hinweise fachkundiger Wissenschaftler, dass im Wasser nicht nur Fische und Frösche leben. Sondern vor allem auch Insekten, die den größten Teil ihres Daseins im nassen Element fristen. Wo sie fehlen, werden Nahrungsketten unterbrochen. Bedrohlich nicht nur für Fische, sondern auch für viele Vogelarten. Und letztlich sogar für die Bären, die auch gerne Lachse fangen.

 

Es geht um den Umgang mit den Folgen

 

So führt der Hitzesommer vor, dass es an der Zeit ist, nicht länger über die Ursachen des Klimawandels zu streiten. Sondern viel mehr Mühe auf den Umgang mit seinen Folgen zu verwenden. Zum Beispiel zur Frage, ob Ackerbau und Viehzucht fürs Überleben nicht deutlich wichtiger sind als Elektroauto-Fabriken mit ihrem Giga-Wasserverbrauch. Und der vagen Aussicht, dass die batteriebetriebene Mobilität den Klimawandel in ferner Zukunft bremsen könnte.

 

Die vermeintlich umweltbewusste Post-Industriegesellschaft muss wohl auch den ganz persönlichen Wasser- und Energieverbrauch hinterfragen. Und nicht nur die Duschköpfe gegen Wasser sparende Exemplare tauschen. Während überall im Lande halb gefüllte Spül- und Waschmaschinen rauschen. Und selbst im Hitzesommer Schwimmbad-Heizungen ein Streitthema sind.

 


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