Riesen-Nachfrage nach Brennholz lockt Betrüger

Die Angst vor fehlendem Gas aus Russland führt zur verstärkten Nachfrage nach trockenem Kaminholz

Aufgestapeltes Brennholz. (Symbolbild: Uschi Dugulin)
Aufgestapeltes Brennholz. (Symbolbild: Uschi Dugulin)

 

Von Christian Urlage

 

Die Frage, wie es im Winter im Wohnzimmer warm wird, bereitet Verbrauchern Sorgen. Die Angst ist groß, dass Gaslieferungen aus Russland ausbleiben. Gleichzeitig sind die Preise für Gas und Heizöl sprunghaft gestiegen. Um nicht frieren zu müssen und die Energiekosten niedrig zu halten, wollen viele Kaminbesitzer in der nächsten Heizperiode auf Brennholz ausweichen.

 

Wer sich jetzt eindecken will, kommt allerdings womöglich zu spät: In etlichen Regionen Deutschlands ist trockenes Kaminholz bereits ausverkauft, denn die Nachfrage übersteigt bei weitem das Angebot. Vom leergefegten Markt berichten auch Forsthändler. Und wer noch Vorräte erhält, muss oft saftige Preise für den Schüttraum-Meter – das ist die übliche Maßeinheit – zahlen.

 

Und er muss vom knapp gewordenen Laubholz häufig ausweichen auf das beim Heizen unbeliebtere Nadelholz. Anders formuliert: Dann kommen Fichte und Kiefer in den Ofen statt Buche, Esche, Eiche oder Birke. Bei den Pellets sind die Preise ebenfalls nach oben geschnellt – seit Dezember 2021 um etwa 70 Prozent, wie der Bundesverband Brennholz mitteilt.

 

Hamsterkäufe wie beim Klopapier

 

Schon ist die Rede davon, dass sich Verbraucher Kaminholz bei Hamsterkäufen besorgen und es bunkern wie die Klopapier-Rollen in der Anfangsphase von Corona. Und dass sich die Lage im Herbst verschärfen wird. Weil das Trocknen an der Luft zwei Jahre dauern würde und dafür riesige Lagerflächen benötigt werden, bearbeiten manche Händler mit Luftgebläsen das Holz, damit es schneller trocknet. Dafür wird überwiegend Abwärme eingesetzt, die beispielsweise bei Biogasanlagen als Nebenprodukt entsteht.

 

Vor Importhölzern dubioser Herkunft warnen die Experten. „Oft stammt solches Holz aus kriminellen Quellen, die große Flächen geschützter Wälder skrupellos abholzen“, erklärt der Bundesverband Brennholz. Selbst wenn das Holz aus genehmigtem Abbau aus Osteuropa stammt, ist durch den weiten Transportweg die positive Ökobilanz des Holzes weg.

 

Kriminelle richten Fake-Shops ein

 

Wo sich gute Geschäfte machen lassen, nutzen auch Cyber-Kriminelle die Situation. So bieten betrügerische, aber professionell wirkende Online-Shops Brennholz oder Solaranlagen an. Verbraucher, die im Voraus überweisen, sind dann schnell ihr Geld los, ohne die Ware zu bekommen. Daher ist bei auffallend günstigen Preisen Skepsis angebracht. Verdächtig ist ebenso, wenn das Impressum auf der Internetseite fehlt. Ein Überblick über diese Fake-Shops findet sich hier: https://www.watchlist-internet.at/news/fake-shop-alarm-vorsicht-beim-online-kauf-von-brennholz/

 

Politisch sind Kaminöfen umstritten. Das Verbrennen von Holz ist klimaneutral, weil es nur so viel Kohlendioxid (CO2) freisetzt, wie zuvor beim Wachstum des Baumes gebunden wurde. Doch wegen der Feinstaub-Belastung hat der Präsident des Umweltbundesamtes, Grünen-Mitglied Dirk Messner, im Februar davon abgeraten. Diese Äußerung hat der Politikwissenschaftler allerdings noch vor dem Ukraine-Krieg getan. Wald- und Holzwirtschaft vertreten dagegen die Ansicht, dass ausreichend Restholz zur Verfügung steht und die Klimaziele der Ampel-Koalition ohne den Ausbau der Holzenergie nicht zu erreichen sind. Hinzu kommt: Waldbesitzer können mit den Einnahmen aus dem Holzverkauf Kahlflächen wieder aufforsten, was angesichts der trockenen Jahre in jüngster Zeit wichtiger denn je ist.

 


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