Bürger machen es der Koalition vor

Während die Bundesregierung den Etat für Entwicklungshilfe kürzen will, verzeichnet die Welthungerhilfe ein Spendenhoch

Kinder in einem Slum essen ein wenig Brot. (Symbolbild: billy cedeno)
Kinder in einem Slum essen ein wenig Brot. (Symbolbild: billy cedeno)

 

Von Jürgen Wermser

 

Klimakrise, Pandemie, Inflation, möglicher Stopp der russischen Gaslieferungen und kein Ende des Ukrainekriegs in Sicht: In der Bevölkerung wächst die Angst vor einem finanziellen und sozialen Desaster. Krisenvorsorge durch Kürzertreten heißt die Parole, die Politiker und Firmen den besorgten Bürgern auf den Weg geben. Doch das muss man sich erst einmal leisten können, wenn das Monatsende schon in den bisherigen „guten Zeiten“ nicht mit halbwegs gefülltem Portemonnaie erreicht wurde.

 

Viele Ältere, Kranke, junge Familien und Alleinerziehende stehen momentan vor kaum lösbaren Aufgaben. Ihnen müssen Politik und Gesellschaft solidarisch beistehen, wozu die Berliner Ampelkoalition laut ersten Maßnahmen und Ankündigungen auch bereit zu sein scheint. Doch über diese nationale Herausforderung darf nicht die dramatisch zunehmende Not andernorts vergessen werden.

 

Putin setzt auf Hunger als Waffe

 

Die Welthungerhilfe hat jüngst alarmierende Zahlen über die Lage in vielen Teilen der Welt vorgelegt. Und Putin nutzt diese Not als Waffe, um seine Aggression in der Ukraine politisch zu flankieren nach der Devise: Schuld ist nur der Westen. Er müsse bloß endlich einlenken und Kiew unter Druck setzen, dann werde alles wieder gut. Dies ist eine perfide Strategie des Kremlchefs, der die Bundesregierung leider zu wenig entgegensetzt. Ihre politische Kommunikation ist blass und defensiv.

 

Auch in der Sache - sprich Entwicklungshilfe - reagiert die Ampel alles andere als überzeugend. Während zunehmend mehr arme Staaten wirtschaftlich und sozial auf eine Katastrophe zusteuern, will die Ampelkoalition die entsprechenden Haushaltsmittel um über zehn Prozent kürzen. So steht es jedenfalls im Entwurf des Bundesetats für 2023.

 

Anders ausgedrückt: Gespart wird bei denen, die keine nationale Lobby haben und die sich zumindest kurzfristig nicht - etwa durch Flucht - dagegen wehren können. Wie sich dies mit den hohen moralischen Ansprüchen vereinbaren lässt, die vor allem Grüne und Sozialdemokraten so gerne für sich postulieren, bleibt ein Geheimnis. Viele Bundesbürger verhalten sich da klüger und angemessener. Sie vergessen bei aller Not in Inland nicht, dass auch Menschen in teils fernen Regionen dringend kurz- und langfristige Hilfe benötigen.

 

Bestes Ergebnis seit 60 Jahren

 

So verzeichnet die Welthungerhilfe im vergangenen Jahr das beste Spendenergebnis in ihrer 60-jährigen Geschichte. Die Hilfsbereitschaft und Solidarität der deutschen Bevölkerung sei 2021 „außerordentlich hoch“ gewesen, teilte die Organisation mit. Das verdient Respekt und Anerkennung.

 

Die Berliner Koalitionäre sollten sich daran ein Bespiel nehmen. Denn klar ist: Deutschland darf in Zeiten besonderer Not nicht weniger, sondern muss deutlich mehr helfen. Dies gebieten sowohl die Humanität als auch das nationale Eigeninteresse: Wer Menschen vor Ort hilft, fördert das deutsche Ansehen, bietet politischen Feinden vom Schlage Putins auf diese Weise indirekt die Stirn und beugt zugleich unkontrollierten Migrationsbewegungen vor - alles Aufgaben, die im politischen Berlin wieder stärker in den Blick genommen werden sollten.

 


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