Die ausländische Konkurrenz freut sich

Immer häufiger sehen sich deutsche Bauern gezwungen, ihre Erdbeerernte zu vernichten

Erdbeeren für den Verkauf vorbereitet. (Foto: pixabay)
Erdbeeren für den Verkauf vorbereitet. (Foto: pixabay)

 

Von Jürgen Wermser

 

Die Berichte aus Medien und Bekanntenkreis sind alarmierend: Immer häufiger sehen sich deutsche Bauern gezwungen, ihre Erdbeerernte zu vernichten. Dabei reifen die beliebten Früchte momentan zu bester Qualität. Trotzdem werden die Betriebe ihre Ware nicht zu angemessenen Preisen los - ein Lehrstück über die Unwägbarkeiten und Verwerfungen in der heimischen Landwirtschaft.

 

Schwankungen bei Produktionsmenge und Erlösen gehören zum normalen Wirtschaftsleben, auch im Agrarsektor. Verbraucherwünsche ändern sich eben, und die Ernte fällt wetterbedingt mal besser, mal schlechter aus. Damit mussten und können auch Obstbauern seit jeher leben. Doch jetzt kommen mehrere neue Faktoren hinzu, die zusammengenommen die Lage dramatisch ins Negative verändern. Auch die Politik hat daran ihren Anteil.

 

Haushalte legen Geld zurück

 

Da ist zunächst einmal Putins Angriff auf die Ukraine, der hierzulande die Energiepreise nach oben treibt und die Verbraucher vor der nächsten Heizkostenabrechnung zittern lässt - vom regelmäßigen Schock an der Zapfsäule ganz zu schweigen. In den meisten Haushalten wird nun versucht, etwas Geld zurückzulegen, um auch in einigen Monaten das Nötigste bezahlen zu können. Erdbeeren, aber auch Spargel wirken in einer solche Situation für immer mehr Verbraucher zu teuer und verzichtbar.

 

Hinzu kommt, dass der pandemiebedingte Reiz, möglichst dezentral und an kleinen Obstständen an der Straße einzukaufen, nachgelassen hat. Dort war und ist das Ansteckungsrisiko naturgemäß sehr gering. Doch Corona hat für die Mehrheit der Bürger ungeachtet hoher Infektionszahlen an Schrecken verloren. Die Fußgängerzonen, Züge und Strände sind voll, auch die großen Einkaufsgeschäfte sind wieder gut besucht. Entsprechend breiter fächert sich für Konsumenten die Palette, das knapp gewordene Geld auszugeben; der Wettbewerbsdruck auf dem „Genießermarkt“ für Erdbeeren und Spargel aus deutschen Landen wird stärker.

 

Billiganbieter aus Spanien

 

Gleichzeitig drängen Billiganbieter vor allem aus Spanien in die Supermärkte und Discounter. Sie können witterungsbedingt früher liefern und wegen niedriger Löhne sowie geringerer Umweltvorschriften deutlich günstiger produzieren als ihre deutschen Konkurrenten. Hier ist von der Politik der Marktmechanismus außer Kraft gesetzt worden - aus ehrenwerten Motiven, aber mit fatalen Nebenwirkungen.

 

Beispiel Mindestlohn. Natürlich ist es wünschenswert, dass Erntehelfer in Deutschland für gute Arbeit auch gut bezahlt werden. Aber dies darf nicht dazu führen, dass eine seriöse wirtschaftliche Branche - Stichwort Anbaubetriebe für Erdbeeren und Spargel - allein die Zeche zahlt und deswegen um ihre Existenz fürchten muss. Es ist zwar für Politiker leicht, zu Lasten anderer Akteure Vorschriften zu erlassen oder Gesetze zu beschließen. Doch dabei muss mit Außenmaß vorgegangen werden, um gefährliche Risiken und Nebenwirkungen so gering wie möglich zu halten. Oder Ausnahmeregelungen zuzulassen, gezielt Steuersätze zu senken oder staatliche Zuschüsse zu zahlen. Die Möglichkeiten sind hier vielfältig. Es muss „nur“ gehandelt werden.

 

Alarmsignal auch für andere

 

Gewiss, es mag im Agrarbereich als Ganzes gesehen wichtigere Probleme als den Handel mit Erdbeeren oder Spargel geben. Aber was auf diesem Markt geschieht, sollte beispielhaft als Alarmsignal auch für andere Sektoren gelten. Im Klartext, wenn der Staat deutsche Betriebe einseitig und ohne Ausgleich der Wettbewerbsnachteile belastet, freut sich am Ende nur einer - die ausländische Konkurrenz. 

 


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