Genosse Landarzt

Im Schwäbischen Wald haben sich zwölf Gemeinden zusammengeschlossen, um junge Mediziner in einer Genossenschaft anzustellen
Ein Arzt, der in seinen Händen auf dem Rücken ein Stethoskop hält, blickt aufs Wasser. (Symbolbild: iStock/Strannik_fox)
Ein Arzt, der in seinen Händen auf dem Rücken ein Stethoskop hält, blickt aufs Wasser. (Symbolbild: iStock/Strannik_fox)

 

Von Wolfgang Molitor

 

Manchmal regiert das pure Chaos. Denn dort, wo Matthias Eh seine Hausarzt-Praxis hat, ist bei der medizinischen Versorgung vor Ort baden-württembergisches Notstandsgebiet. Im Landstrich zwischen Gschwend und Heuchlingen mit seinen rund 35.000 Einwohnern fehlen zehn Vollzeit-Hausärzte. Die Kassenärztliche Vereinigung beziffert den Versorgungsgrad auf 63,2 Prozent – landesweiter Minusrekord.

 

In der Gemeinde Abtsgmünd etwa sind von ehemals 4,5 Hausarztstellen nur noch 1,5 besetzt – viel zu wenig für die 7.500 Einwohner. Kein Wunder, dass vor allem ältere Patienten nachts nicht mehr ruhig schlafen. Denn in anderen Praxen in der Umgebung gibt es angesichts der engen Personallage längst einen Aufnahmestopp oder für Routinetermine lange Wartezeiten.

 

Was also tun? Die Kommunalpolitik reagiert unkonventionell – und setzt jetzt auf eine Genossenschaft. Der künftige Genosse Landarzt hat offenbar, wenn auch aus der Not geboren, im ländlichen Raum eine Zukunft. Medwald heißt die neue, landesweit größte Genossenschaft, in der sich – nach Vorbild anderer Landkreise – zwölf Gemeinden und acht Ärztinnen und Ärzte zusammengeschlossen haben.

 

Viele Ärzte wollen keine eigene Praxis

 

Notruf und Zukunftsperspektive: Es wird sich zeigen müssen, ob die Kombination bei jungen Medizinern auf Widerhall stößt. Noch regiert die Zuversicht. Denn sehr viele junge Ärzte und Ärztinnen streben nicht mehr nach einer eigenen Praxis, sondern ins Angestelltenverhältnis. Unternehmerisches Risiko, hohe Anfangsverschuldung und den ausufernden Verwaltungsaufwand schrecken viele vom Weg in die Selbstständigkeit ab.

 

Deshalb versucht die Genossenschaft gerade beim Verwaltungswust Entlastung zu schaffen. In ihrem Medizinischen Verwaltungszentrum soll sich ein Geschäftsführer um das Management der angeschlossenen Praxen kümmern. Dass das Modell in anderen Kreisen bereits positiv aufgenommen wird, macht die Medwald-Macher optimistisch. Noch müssen sich die Patienten im Schwäbischen Wald wohl noch etwas gedulden. Noch immer zieht es junge Mediziner ja nicht unbedingt in den ländlichen Raum. 

 


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