Die CSU und die Moral

Seit der legendäre Franz Josef Strauß auf einem Jagdausflug das Zeitliche segnete, sind Machtwechsel in der CSU nie ohne schwere Verletzungen abgegangen

Bayern-, Deutschland- und Europafahne vor dem Maximilianeum (Symbolbild: pixabay/CSU-Fraktion)
Bayern-, Deutschland- und Europafahne vor dem Maximilianeum (Symbolbild: pixabay/CSU-Fraktion)

 

Von Michael Lehner

 

Stephan Mayer, Bundestagsabgeordneter aus dem tief katholischen Kreis Altötting, hat versucht, einen Reporter mit Wildwest-Methoden mundtot zu machen. Es ging um die Behauptung, dass der CSU-Mann ein uneheliches Kind verschwiegen hat. Und dass er sich obendrein nicht gekümmert habe um den Buben und die Mutter.

 

Wer die CSU und Bayern kennt, der weiß: Sowas kann vorkommen. Und mit der parteiinternen Diskretion ist es nicht weit her, wenn es um die Macht geht. Schon um den Übervater Franz Josef Strauß rankten sich immer wieder entsprechende – nie schlüssig bewiesene – Gerüchte. Nachfolger Theo Waigel musste tief gekränkt erleben, wie Parteifreunde seine gescheiterte erste Ehe instrumentalisierten. Und Horst Seehofer wurde Parteichef, obwohl Geschichten über sein amouröses Hauptstadt-Doppelleben die bunten Blätter füllten.

 

Nun hat es einen Hoffnungsträger aus der zweiten Reihe erwischt. Keine drei Monate nach Mayers Berufung zum CSU-Generalsekretär bekam die „Bunte“ Wind vom süßen Geheimnis des Junggesellen. Dabei hatte Parteichef Markus Söder die Personalie wohl auch als Signal ans ländlich-konservative Publikum gedacht. Und als Geste der Versöhnung an die Fans von Horst Seehofer, bei dem Stephan Mayer zuvor als Staatssekretär im Bundesinnenministerium gedient hatte.

 

Machtwechsel mit Verletzungen

 

Seit der legendäre Franz Josef Strauß auf einem Jagdausflug das Zeitliche segnete, sind Machtwechsel in der CSU nie ohne schwere Verletzungen abgegangen. Und nie ohne Einfluss der immer offenen Frage, wie konservativ die einst erfolgsverwöhnte Partei zu sein hat – und wie katholisch? „Laptop und Lederhose, das war zuletzt Strauß, der im Flugzeug-Cockpit posierte und genauso gern in der Gebirgsschützen-Uniform, die dem Nachfolger Edmund Stoiber nie so recht gestanden hat.

 

Wie Stoiber, der so oft den Hightech-Fan gegeben hat, tat sich auch Seehofer schwer mit dem Spagat zwischen der ländlich-sittlich geprägten Provinz und dem Münchner Ballungsraum mit seinem zunehmend bunt gemischten, kirchenfernen Publikum. Wohl noch schlimmer: Während Strauß noch voller Stolz ein halbes Dutzend möglicher Nachfolger aufzählte, zählte danach eher die Neigung, Konkurrenten klein zu halten.

 

Dünne Personaldecke

 

Entsprechend dünn ist die Personaldecke, mit der Ministerpräsident Söder heute klarkommen muss. Die aktuelle Generalsekretär-Affäre illustriert die Not: Nicht nur, weil es an Stephan Mayers Qualitäten schon vor dessen Berufung Zweifel gab. Sondern auch durch den Zufall, dass zeitgleich zur Provinz-Affäre die Staatsanwaltschaft gegen den ehemaligen CSU-Generalsekretär und späteren Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer wegen Falschaussage vor dem Maut-Untersuchungsausschuss ermittelt. Strauß pflegte zu vorgerückter Stunde gern sein „Elftes Gebot“ zu zitieren: „Du darfst dich nicht erwischen lassen.

 

Markus Söder als bekennender Fan des Alten muss mit den Resten leben. Nicht nur beim Personal, sondern auch bei der programmatischen Substanz. Vom nun immer deutlicher werdenden Rückstand bei der Energiewende bis zur wachsenden Unruhe in den bäuerlich geprägten Landesteilen. Die Zeiten, zu denen Pfarrer Wahlempfehlungen von der Kanzel predigten, sind lange vorbei. Und das Feld, die Landwirtschaft gegen Großstadt-Vorurteile zu verteidigen, hat die CSU weitgehend den Freien Wählern überlassen.

 


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