Gutes Wohnen als Wettbewerbsvorteil

Der Kauf von eigenen vier Wänden bleibt begehrt und zunehmend unerschwinglich

Symbolbild: moerschy
Symbolbild: moerschy

 

Von Jürgen Wermser

 

Die Preise für Wohnimmobilien kennen seit Jahren nur eine Richtung: nach oben. Die Bundesbank hält die Immobilienpreise in Deutschland mittlerweile gar für um bis zu 40 Prozent überwertet. Und der Spitzenverband der Immobilienwirtschaft bezeichnet das enorme Niveau der Kaufpreise als „sowohl überraschend als auch durchaus beängstigend“. Zwar wird immer wieder von diesen und anderen Experten vor den Gefahren und einem möglichen Ende der Aufwärtsentwicklung gewarnt. Doch de facto sieht es momentan weiterhin anders aus: Der Kauf von eigenen vier Wänden bleibt begehrt und zunehmend unerschwinglich.

 

Viele Unternehmen und Privatleute haben sich auf dem Immobilienmarkt die sprichwörtlich goldene Nase verdient. Sie sei ihnen persönlich gegönnt, aber für die übrige Gesellschaft hat dies beträchtliche Konsequenzen. So sind immer mehr Bürger auf staatliche Unterstützung und damit Steuergelder angewiesen, weil sie sich ihre hohen Mieten nicht mehr leisten können. Doch die öffentliche Mittel sind begrenzt. Und sie verfehlen gerade in Großstädten zumeist diejenigen, auf die Wirtschaft und Gesellschaft dort in besonderem Maße angewiesen sind: Leistungsträger wie Handwerker, Facharbeiter, Krankenpfleger bis hin zum Erzieher oder mittleren und höheren Angestellten.

 

Preise unerschwinglich

 

Mehr noch, diese Gruppen haben in ihrem Leben praktisch keinerlei Chance, am beruflichen und privaten Lebensmittelpunkt eine selbst genutzte Wohnung geschweige denn ein Haus zu erwerben - es sei denn, sie haben kräftig geerbt oder im Lotto gewonnen. Viele von ihnen mögen in der Großstadt mehr als im ländlichen Raum verdienen, die drastisch höheren Lebenshaltungs- und Wohnkosten werden dadurch jedoch nicht ausgeglichen. Das Versprechen „Leistung lohnt sich“ muss für diese Menschen reichlich hohl klingen. Ihre Elterngeneration hatte es in dieser Hinsicht wesentlich leichter und besser.

 

Beispiel München. Dort hat jüngst der Vorsitzende des Münchner Gutachterausschusses und Leiter des städtischen Bewertungsamts die vorläufigen Zahlen für die Entwicklung der Preise auf dem Immobilienmarkt 2021 vorgestellt. Demzufolge kostete ein Quadratmeter Wohnfläche bei Neubauten im Schnitt in so gut wie jedem Segment mehr als 10.000 Euro. "Wenn es so weitergeht, ist bald keine Wohnung mehr unter einer Million Euro zu haben“, beklagte der Gutachter. Ein Reiheneckhaus in normaler Lage habe durchschnittlich 1,3 Millionen Euro gekostet. Selbst für eine kleine Eigentumswohnung oder ein Apartment zwischen 34 und 37 Quadratmeter in guter Lage müsse man mittlerweile 380.000 bis 450.000 Euro zahlen. Und kaum ein normaler Gewerbetreibender könne sich noch ein Grundstück leisten.

 

Dünner besiedelte Regionen holen auf

 

Gewiss, beim prozentualen Anstieg der Immobilienpreise befinden sich Deutschlands Großstädte mittlerweile eher im unteren Teil. Vor allem ostdeutsche Städte, aber auch bisher weniger beachtete Städte in den alten Bundesländern führen das Ranking hier an. Doch die Gesamtkosten sind auf einem viel niedrigeren Niveau, das den Kauf etwa durch junge Familien aus dem Mittelstand gerade noch möglich machen könnte.

 

Für den ländlichen Raum eröffnen sich dadurch neue Perspektiven. Gute Verkehrsanbindung, schnelles Internet, saubere Umwelt, passende Kinderbetreuung sowie bezahlbare Preise für Wohnen und Lebenshaltung sind schlagkräftige Argumente im Wettbewerb um junge Leistungsträger. Hier müssen sich kleinere Kommunen vor Großstädten wie München oder Berlin keineswegs verstecken. Hinzu kommt der neue Trend zu vermehrtem Homeoffice und der generelle Mangel an Fachkräften bei attraktiven Arbeitgebern auch in dünner besiedelten Regionen - ideale Bedingungen für junge Menschen, die für sich Familie, Karriere und Lebensqualität in Einklang bringen wollen. 

 


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