Im Würgegriff der Gazprom-Milliarden

An einer geplanten Fabrik für „grünen“ Wasserstoff in Vohburg an der Donau ist der russische Energiekonzern „Rosneft“ maßgeblich beteiligt

Grafik zu Wasserstoff (Symbolbild: akitada31)
Grafik zu Wasserstoff (Symbolbild: akitada31)

 

Von Michael Lehner

 

Aus Bayern kommt die nächste Hiobsbotschaft zur hausgemachten Abhängigkeit von russischen Energie-Konzernen: An der geplanten Fabrik für „grünen“ Wasserstoff in Vohburg an der Donau ist der russische Energiekonzern „Rosneft“ maßgeblich beteiligt, wenn das Projekt nicht in letzter Minute durch ein politisches Machtwort gestoppt wird.

 

Gemunkelt wird dabei über staatliche Subventionen in der Größenordnung von 100 Millionen Euro. Agnes Becker, Vize-Vorsitzende der Ökologisch Demokratischen Partei in Bayern, entdeckte die brisante Zeitbombe. „Das kann doch nicht Ihr Ernst sein, Herr Ministerpräsident!“, mahnt sie Regierungschef Söder, den Handel umgehend zu stoppen.

 

Noch im Vorfeld des Überfalls auf die Ukraine schien das Geschäft in trockenen Tüchern. Zeitungen berichteten begeistert über das Zukunftsprojekt: Die Anlage im Ingolstädter Raffinerie-Dreieck soll nicht nur Wasserstoff und synthetische Treibstoffe mit Öko-Energie produzieren, sondern auch das Gas, das aktuell zu Moskaus schlimmsten Druckmittel gegen Deutschland geworden ist.

 

Nicht nur ein Schönheitsfehler: Zu den Projektpartnern der „Wasserstoff-Strategie Bay H2“ gehört neben den Staatsforsten auch der Raffinerie-Konzern „Bayernoil“. Und der gehört zu 28,57 Prozent dem russischen Raffinerie-Giganten „Rosneft“, der es ohnehin schon zum drittgrößten Lieferanten von Sprit und Heizöl in Deutschland gebracht hat. Und mit Gerhard Schröder zu einem leibhaftigen (Alt-)Bundeskanzler als Chef im Aufsichtsrat.

 

Russischer Anteil aufgestockt

 

Auch delikat: Seinen Anteil an „Bayernoil“ hat „Rosneft“ erst im vergangenen Jahr nach einem Moskau-Besuch von Ministerpräsident Söder aufgestockt. Nun sitzen die Russen auch mit im Energiewende-Boot. Im ersten Schritt soll in Vohburg eine Elektrolyse-Anlage mit 125 Megawatt Leistung arbeiten, später sollen es 800 Megawatt werden. Nur wo der Wind- und Solarstrom dafür herkommen soll, ist eine in Bayern besonders heikle Frage.

 

Klar war (bisher?) hingegen, wer den weiteren Rohstoff für Öko-Sprit und Öko-Gas liefert: Bayerns Staatsforsten rechnen mit einem Absatz von jährlich bis zu vier Millionen Tonnen Restholz. Für den Anfang wird der Wasserstoff in Vohburg mit Erdgas produziert, wenn das Projekt nicht scheitert. Womit es erst mal keine „grüne“ Energie gäbe, aber seit Kriegsausbruch zusätzlich moralische Probleme.

 

„Rosneft“ hat sich ausgebreitet im deutschen Mineralölmarkt

 

ÖDP-Chefin Agnes Becker: „Während die westliche Welt darüber diskutiert, ein Energie-Embargo gegenüber Russland zu verhängen, lässt die Bayerische Staatsregierung zu, dass Putin auch beim Wasserstoff den Fuß in der Tür hat und schafft damit neue Abhängigkeiten. Das kann nach dem brutalen Überfall auf die Ukraine niemand befürworten.“

 

Zur Wahrheit gehört, dass die Bayern mit ihrem Problem bei weitem nicht allein sind: In aller Stille hat sich „Rosneft“ gut ausgebreitet im deutschen Mineralölmarkt. Vor allem in Berlin und Brandenburg, wo der Konzern rund 90 Prozent der Brenn- und Treibstoffe liefert. Aus der Druschpa-Pipeline (Was auf Russisch Freundschaft heißt) kommt auch der Sprit für die Flieger auf dem Hauptstadt-Flughafen.

 


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