Das Gute mit dem Nützlichen verbinden

Gerade für den ländlichen Raum bieten sich durch Kriegsflüchtlinge aus der Ukraine neue Möglichkeiten

Eine Kinderhand hält neben einem Koffer einen Teddybären an der Hand (Symbolbild: iStock/Animaflora)
Eine Kinderhand hält neben einem Koffer einen Teddybären an der Hand (Symbolbild: iStock/Animaflora)

 

Von Jürgen Wermser

 

Die Hilfsbereitschaft für Flüchtlinge aus der Ukraine ist überall in Europa groß. Auch in Deutschland werden die Menschen, die vor Putins mörderischem Angriff Schutz suchen, herzlich willkommen geheißen. Niemand weiß momentan, wie viele bereits gekommen sind, da sie ohne Visum und offizielle Registrierung einreisen dürfen. Noch wird von wenigen hunderttausend ausgegangen, aber diese Zahl könnte sich in den kommenden Tagen und Wochen deutlich erhöhen - für Politiker und Verwaltungen eine heikle Vorstellung.

 

Denn manche Großstädte - etwa Berlin - scheinen bereits die aktuelle Flüchtlingsbewegung organisatorisch kaum zu bewältigen. Wie soll es bei ihnen erst werden, wenn noch viel mehr Menschen kommen? Umso wichtiger, dass die Metropolen jetzt entlastet werden: Durch den Bund mit zusätzlichen Finanzen und bei der nationalen und europäischen Verteilung. Durch mittlere und kleinere Kommunen bei der Aufnahme von Geflüchteten.

 

Viele Flüchtlinge werden bleiben wollen

 

Gerade für den ländlichen Raum bieten sich hier gleichsam als Nebeneffekt Chancen, das Gute - sprich Hilfe in der Not - mit dem Nützlichen zu verbinden, sprich junge Menschen möglicherweise dauerhaft für sich zu gewinnen und so der eigenen Kommune bessere Zukunftschancen zu ermöglichen. Denn es ist keineswegs sicher, dass der Krieg in der Ukraine bald endet und das Land danach zügig zu den früheren Verhältnissen zurückkehren kann. Einige oder auch viele Flüchtlinge könnten sich daher irgendwann entschließen, dauerhaft in Deutschland zu bleiben, hier zu arbeiten und ihre Kinder großzuziehen. Und dies werden sie dann vermutlich dort machen, wo sie sich willkommen fühlen und von Beginn an erste Wurzeln schlagen konnten. Deshalb sollte der ländliche Raum jetzt bei der Unterkunft von Flüchtlingen für sich werben. Und er hat gute Argumente.

 

In vielen Großstädten ist Wohnraum knapp, die Mieten entsprechend hoch, von den teils astronomischen Kaufpreisen ganz zu schweigen. Dagegen gibt es viele kleinere Kommunen, in denen Häuser oder Wohnungen teilweise leer stehen und sich schnell herrichten lassen. Für Menschen aus der Ukraine könnte dies attraktiv sein, insbesondere wenn in der betreffenden Kommune zusätzliche Voraussetzungen gegeben sind: Eine gute Internetversorgung, um mit der Heimat verbunden zu bleiben und unter Umständen von zu Hause aus arbeiten zu können. Des Weiteren natürlich die Möglichkeit zu Sprachkursen, ausreichende Plätze in Kitas und Schulen sowie Jobmöglichkeiten. All dies sind Punkte, die Kommunen ohnehin auf der Agenda haben sollten. Denn sie sind gleichermaßen bedeutsam für die aktuellen Bewohner wie für potenzielle Neuankömmlinge.

 

Kommunen müssen aktiv werden

 

Doch etwas anderes muss nun gerade im ländlichen Raum hinzukommen: Eigeninitiative beim Schaffen und Anbieten von Unterbringungs- und Bleibemöglichkeiten. Vielfach geschieht ist auch. So hat etwa die Klosterkammer Hannover gerade angekündigt, dass sie den Städten und Gemeinden in Niedersachsen Wohnungen und Gebäude zur Unterbringung von Flüchtlingen zur Verfügung stellen wird. Zum Stiftungsvermögen der Klosterkammer gehören etwa 800 zumeist unter Denkmalschutz stehende Gebäude.

 

Auf dörflicher Ebene gibt es ebenfalls schon viel Eigeninitiative. Über ein Beispiel aus dem Heidekreis berichtet die dortige Böhme Zeitung unter der schönen Überschrift „Auch das kleinste Dorf macht Platz für Vertriebene“. Danach hat der Schützenverein der 80 Einwohner zählenden Ortschaft Behningen das Dorfgemeinschaftshaus für den Einzug von Flüchtlingen aus der Ukraine hergerichtet. Hinter der lang gezogenen Theke steht nun eine Waschmaschine, der Raum selbst ist komplett für zwei Erwachsene und ein Kleinkind eingerichtet mit Betten, Sofa, Tischen, Stühlen, Fernseher und gefülltem Kühlschrank. Und es gebe noch weitere Unterkunftsmöglichkeiten im Dorf, berichten die Organisatoren. Da kann man nur sagen: Respekt und zur Nachahmung empfohlen…

 


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