Wenn es doch nur nicht zu spät kommt ….

Das LNG-Terminal in Brunsbüttel wird frühestens in drei Jahren fertig

LNG-Transportanlagen und Gastanks (Symbolbild: iStock/MikeMareen)
LNG-Transportanlagen und Gastanks (Symbolbild: iStock/MikeMareen)

 

Von Jürgen Muhl

 

Deutschland ist abhängig von Gas. Von den gut 40 Millionen Wohnungen im Land wird fast jede zweite mit Erdgas beheizt. Dazu läuft in der Industrie so gut wie nichts ohne Gas. Sollten die Russen mit ihrem angekündigten Liefer-Embargo ernst machen, wird es eng in Deutschland. Und kalt. Eiskalt. In den Städten und auf dem Lande. Ohne Gas - und das haben inzwischen auch die Grünen kapiert - gehen zwischen Flensburg und München und zwischen Berlin im Osten und Düsseldorf im Westen nicht nur die Heizungen aus. Auch viele Lichter. Liefert doch Russland derzeit rund 55 Prozent des deutschen Gasbedarfs.

 

Die grüne Energiepolitik, wonach Heizungen von 2025 an zu 65 Prozent mit erneuerbaren Energien betrieben werden müssen, ist ins Schlingern geraten. Jetzt muss erst einmal die kurz- und mittelfristige Versorgung sichergestellt werden. Und da rächt sich die zögerliche und ängstliche Politik der vergangenen Jahre. So liegen die Pläne zum Bau eines LNG-Terminals im schleswig-holsteinischen Brunsbüttel seit 2015 auf dem Tisch. Wäre es heute in Betrieb, könnten damit allein zwischen 10 und 15 Prozent des deutschen Gasbedarfs gedeckt werden.

 

Perfekte Lage für Tanker aus aller Welt

 

Brunsbüttel hat die perfekte Lage für eine Lagerstätte für Flüssiggastanker aus aller Welt. Klagende Umweltschutzverbände und eine ängstliche Politik haben es bislang verhindert. Jetzt soll plötzlich alles ganz schnell gehen. Kanzler Scholz und Wirtschaftsminister Habeck wollen die Investition von einer halben Milliarde Euro über Nacht umsetzen.

 

Die Kreditanstalt für Wiederaufbau KfW im Auftrag der deutschen Bundesregierung, der staatliche niederländische Energiekonzern Gasunie und RWE haben ein „Memorandum of Understanding“ über Eckpunkte für das geplante Terminal unterzeichnet. Darin bekennen sie sich zur gemeinsamen Errichtung am Standort Brunsbüttel. Ein zweiter Standort, im niedersächsischen Wilhelmshaven oder Stade, wird geprüft. Brunsbüttel hat erst einmal die Nase vorn. Der Bund wird sich über die KfW mit 50 Prozent an dem Terminal beteiligen, Betreiberin wird Gasunie, die zu 100 Prozent dem niederländischen Staat gehören. Der Energiekonzern RWE agiert als Projektpartner.

 

Bauzeit von mehreren Jahren

 

Eine schnelle Entlastung wird dieses Terminal, in dem später einmal auch Wasserstoff gelagert werden könnte, aber nicht bringen. Während Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Daniel Günther (CDU) mit einer Genehmigungs- und Bauzeit von drei Jahren rechnet, spricht sein Wirtschaftsminister Bernd Buchholz (FDP) von vier bis fünf Jahren.

 

Frank Schnabel, Geschäftsführer der Brunsbüttel Port GmbH, erwartet durch diese Investition die Ansiedlung neuer Unternehmen, insbesondere aus dem Logistikbereich. Bis zu 1000 neue Arbeitsplätze könnten in den nächsten fünf Jahren entstehen. Acht Milliarden Kubikmeter Gas sollen im Jahr über Brunsbüttel umgesetzt werden. Wenn denn die Planungsbehörden endlich einmal Tempo machen. Und daran glaubt nicht einmal der Kieler Wirtschaftsminister.

 


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