Beim Klimaschutz fehlen der CDU die Vordenker

Ein Reader der Adenauer-Stiftung zeigt: Die Union braucht mehr populäre Fachpolitiker

Symbolbild: ejaugsburg
Symbolbild: ejaugsburg

 

Von Christian Urlage

 

Eine Partei, die Erst- und Jungwähler gewinnen will, muss daher überzeugende Antworten bei diesem Thema liefern. Daher war es eine sinnvolle Überlegung der CDU-nahen Konrad-Adenauer-Stiftung, gemeinsam mit der Wissenschaftsplattform klimafakte.de einen Klima-Reader „Christdemokratie und Klimaschutz“ zu veröffentlichen.

 

Generell ist bei den Unionsparteien noch viel Luft nach oben. Denn nach einer Umfrage des ZDF-Politbarometers vom September 2021 sprechen 41 Prozent der Befragten den Grünen die höchsten Kompetenzen beim Klima zu, gefolgt von den Unionsparteien mit mageren 15 Prozent und der SPD mit nur 12 Prozent. Das verwundert nicht, belegt aber den Nachholbedarf der einstigen Volksparteien.

 

Die Klimaunion führt nur ein Schattendasein

 

Dass Kanzler Helmut Kohl nach der Tschernobyl-Katastrophe mit einem neu geschaffenen Bundesumweltministerium überraschend sein Kabinett erweiterte, ist mittlerweile fast 36 Jahre her, also eine gefühlte Ewigkeit. Die Amtszeit des prominenten wie fachkundigen Ressortchefs Klaus Töpfer liegt auch schon Jahrzehnte zurück. Einen ausgewiesenen Fachpolitiker der Union mit diesem Format und dieser Popularität sucht man im Bundestag vergeblich – auch der Badener CDU-Umweltexperte Andreas Jung dürfte allenfalls Experten bekannt sein. Und die Klimaunion, vor elf Monaten von interessierten Parteimitgliedern ins Leben gerufen, führt als zartes Pflänzchen nur ein Schattendasein.

 

Doch von alldem ist im Klima-Reader der Konrad-Adenauer-Stiftung lediglich am Rand die Rede. Das 100-seitige Werk bietet immerhin auch Laien einen verständlichen Überblick über den aktuellen Stand der Klima-Forschung. Die bekannten Phänomene wie Treibhauseffekt, Erderwärmung und Wetter-Extreme werden anschaulich erklärt, und am Ende steht ein übersichtliches Glossar mit Begriffen. Zu den Stärken gehört es ebenso, die Klimapolitik der Europäischen Union zu berücksichtigen und auch die Perspektiven von Religion und Ethik einzubeziehen, etwa die Umweltenzyklika „Laudato si“ von Papst Franziskus.

 

Ein Sammelsurium von Beiträgen

 

Im Übrigen aber ist die Publikation ein Sammelsurium von älteren Beiträgen wie einem Interview mit dem CDU-nahen Historikern Andreas Rödder aus dem Jahr 2019 und einer Rede von Angela Merkel in Davos von 2020. Viele Texte stammen von Sachbuchautoren und freien Journalisten, die zum Beispiel vor zu großer Technikgläubigkeit warnen, um die Probleme lösen zu können.

 

Doch was Leserinnen und Leser vergeblich suchen, sind Statements von Fachpolitikern auf Bundesebene, die verdeutlichen, mit welchen Mitteln die Union den Klimaschutz in den kommenden Jahren entscheidend voranbringen will. Das wirkt hilflos. Daher kann der Klima-Reader allenfalls ein kleiner Anfang sein, um das von Friedrich Merz angekündigte Ziel der Debattenführerschaft zu erreichen. Missstände sind zwar erkannt, aber ein Nachweis christdemokratischer Kompetenz beim Klimaschutz ist die Publikation noch lange nicht.

 


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