Warm anziehen für die Ukraine

Die sich gegen einen übermächtigen Gegner tapfer verteidigenden Ukrainer bekommen jetzt auch aus Deutschland Waffen

Die Ukraine wird mit Krieg überzogen (Symbolbild: Gerd Altmann)
Die Ukraine wird mit Krieg überzogen (Symbolbild: Gerd Altmann)

 

Von Michael Lehner

 

Der Bundestag debattiert am heiligen Sonntag das gottlose Treiben des Wladimir Putin. Die Sitzung ist den Aufwand wert: Die Republik erlebt Demokraten in seltener Einigkeit und einen Kanzler, der endlich aus der Deckung gekommen ist. Die Angst vor dem Kreml-Diktator scheint überwunden. Weil Angst nichts bewirkt gegen einen Unberechenbaren, dem nichts mehr heilig scheint.

 

Die von Massenmord bedrohte Ukraine bekommt nun auch aus Deutschland

Waffen. Selbst Ängstliche haben kapiert, dass es keinen Unterschied macht, ob Putins kaum verhohlene Atombomben-Drohung nur Holland oder Frankreich trifft. Oder gleich das ganze Nato-Europa. Und dass die Frage sich ohnehin erübrigt, wenn Moskau seinen Beutezug auf Verbündete ausdehnen sollte – etwa aufs Baltikum.

 

Nur die AfD schert aus

 

In Berlin scheint die Botschaft endlich angekommen. Sogar bei den meisten Putin-Verstehern in der Linksfraktion. Nur nicht bei der AfD. Dort sind weiterhin Versuche salonfähig, die Schuld am Überfall auf die Ukraine beim atlantischen Bündnis zu suchen. Noch mehr beschäftigt die Rechtsaußen-Fraktion allerdings die Hoffnung, dass Deutschlands Verbraucher die Schuld für drastisch steigende Energie-Preise bei den Konsens-Parteien suchen – und nicht im Kreml.  Schließlich naht das Ende der Gelegenheit, weiter aus der Covid-Pandemie und den Ängsten vor der Impfung politisches Kapital zu schlagen.

 

Ehrliche werden den Menschen sagen, dass es nicht sehr schlimm ist, jetzt ein

wenig zu frieren, wenn das Gas knapp werden sollte. Dagegen hilft im Vorfrühling ein warmer Pullover. Und womöglich auch eine Regierung, die darauf verzichtet, an den Rekord-Preisen für die Energie auch noch über die Steuern zu profitieren. Auf ein paar Milliarden hin oder her kommt es im Moment wohl wirklich nicht an. Krieg ist jedenfalls viel teurer.

 

Protzen mit dem Reichtum

 

Nebenbei: Gegen die Allmacht-Fantasien des Oligarchen-Reichs muss die Ukraine

jetzt schon nicht alleine kämpfen. Lang ist die Liste der europäischen Städte und Gemeinden, an denen Putins Steigbügelhalter mit ihrem Reichtum protzen. Nicht nur in Garmisch oder Baden-Baden steht es Hoteliers und Gastronomen frei, selbst zu bestimmen, wer willkommen ist. Und wenn in der Oligarchen-Villa die Heizung streikt, haben es die Klempner in der Hand, ob zur Abwechslung mal die Richtigen frieren. Und Gerhard Schröder kann sich sein Bier selber holen...

 


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