Die Bundeswehr im Krisenmodus

Unsere Streitkräfte sind auf einen möglichen Verteidigungsfall schlecht vorbereitet

Die Brandenburg, eine Fregatte der Deutschen Marine (Symbolbild: Helga Kattinger)
Die Brandenburg, eine Fregatte der Deutschen Marine (Symbolbild: Helga Kattinger)

 

Von Jürgen Muhl

 

A 53. MI 08. M 1063. M 921. M 860. Und noch einige Schiffe mehr. Am Donnerstag machte sich ein NATO-Flottenverband auf den Weg in Richtung Osten. Mit Kriegsschiffen aus Deutschland, den Niederlanden, Großbritannien und Belgien. Durch den Nord-Ostsee-Kanal in die Ostsee. Johannes Dumrese, Kapitän zur See, und Leiter des Informationszentrums der Marine: "Es ist erforderlich, Schiffe in die Ostsee zu bringen, um Präsenz zu zeigen." Man wolle Solidarität mit den Nato-Bündnispartnern im Baltikum signalisieren. Solidarität - zu viel mehr sind deutsche Einheiten auch nicht in der Lage.

 

Vor drei Wochen hatte Putins Privatyacht den Weg von einer Hamburger Werft nach St. Petersburg genommen. Mitten in der Nacht. Der russische Staatschef wollte sein weißes Nobelschiff retten. Raus aus Europa, ab in den heimischen Hafen. So entging Putin der Gefahr, dass man die fast 100 Meter lange Yacht im Falle eines Einmarsches in die Ukraine in Hamburg an den Haken genommen hätte. Was dann eine der westlichen Sanktionsmaßnahmen gewesen wäre. Ende Januar aber wollte so recht noch niemand an diesen Ernstfall glauben.

 

Ferienhäuser statt Kriegsschiffe

 

Inzwischen ist es passiert. Die NATO-Flotte setzt Zeichen. Mehr aber auch nicht. Seit Donnerstag befindet sich die Bundeswehr im Norden und Osten im Krisenmodus. Der Befehl zur Führungsbereitschaft ist ausgegeben. Auf dem Luftwaffen-Flugplatz in Jagel (Kreis Schleswig-Flensburg) stehen mehrere Tornado-Kampfjets in Alarmbereitschaft. Jagel ist flächenmäßig die größte Militärbasis in West-Europa. Einer der wenigen Bundeswehr-Standorte in Schleswig-Holstein, die nach der deutschen Einigung nicht geschlossen wurde. So wie die frühere Kriegsschiff-Destination in Olpenitz bei Kappeln an der Schleimündung. Heute werden hier Ferienhäuser gebaut.

 

Kurz nach der Wende trat Gerhard Stoltenberg seinen Dienst als Bundesverteidigungsminister an. Stoltenberg warnte damals vor einem zu rigorosen Abbau der Bundeswehr-Standorte an der Ostsee. "Wir sollten weiterhin wachsam sein in Richtung Osten", betonte der CDU-Politiker damals. Seine Worte wurden nicht ernst genommen. Ein Standort nach dem anderen zwischen Flensburg und Rostock wurde stillgelegt.

 

Nicht einmal mehr ein Smutje zum Servieren

 

Jetzt warten noch gerade einmal vier Minensucher in der Eckernförder Bucht auf ihren Einsatz. Wenn es denn überhaupt technisch möglich ist. Zwei Schiffe befinden sich derzeit in Reparatur. Die deutsche Marine spielt bei den Nato-Verteidigungsplänen nur eine untergeordnete Rolle. Ein ehemaliger Chef des Flottenkommandos in Flensburg-Mürwik bringt es auf den Punkt: "Die deutsche Marine ist nur noch gut für den Labskaus. Es ist aber nicht einmal mehr ein Smutje da, der ihn servieren könnte." 

 


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