Nach dem Schock für Hausbauer muss der Bund liefern

Stopp der Effizienzhaus-Förderung sorgt für viel Frust bei jungen Familien, Landwirten, Handwerkern und anderen Hausbauern

KfW-Zentrale Frankfurt, Außenaufnahme, Westarkade (Quelle: KfW-Bildarchiv / Rüdiger Nehmzow)
KfW-Zentrale Frankfurt, Außenaufnahme, Westarkade (Quelle: KfW-Bildarchiv / Rüdiger Nehmzow)

 

Von Christian Urlage

 

Viele Hausbauer waren schockiert, als die Bundesregierung am 24. Januar plötzlich die Förderung von Effizienzhäusern stoppte. Die Hauruck-Aktion hat viel Frust bei jungen Familien, Landwirten, Handwerkern, anderen Hausbauern und Immobilienunternehmen erzeugt. „Der Abbruch war kein politisches Glanzstück“, musste Wirtschaftsminister Robert Habeck kleinlaut einräumen.

 

In der Tat: Verlässliche politische Rahmenbedingungen sehen anders aus. Das abrupte Ende eines Programms, das finanziell aus dem Ruder gelaufen ist, hat zu Verunsicherung geführt. Das liegt an Habecks umstrittener Entscheidung, aber ebenso an Kanzler Olaf Scholz, der als ehemaliger Finanzminister am Desaster beteiligt war.

 

Nun ist die Ampel-Koalition umgeschwenkt und will immerhin alle bis zum 24. Januar eingegangenen Altanträge genehmigen, die förderfähig sind. Möglich wird das, weil der Bund das KfW-Förderprogramm nochmals um fünf Milliarden Euro aufstockt. Das ist ein richtiger Schritt, und er wird die Wut der irritierten, bauwilligen Antragsteller zumindest etwas dämpfen.

 

Für manche Familien kann der Traum vom Eigenheim platzen

 

Aber so richtig hat die Bundesregierung damit noch nicht das Vertrauen zurückgewonnen. Alle, die nach dem 24. Januar noch kurz vor Toresschluss ihre Förderanträge bis Ende Januar stellen wollten, gehen weiterhin leer aus. Diese Hausbauer müssen ihre Baufinanzierung neu berechnen. Für manche Familien wird das eng. Und weil die Energie- und die Baupreise steigen, kann der Traum vom eigenen Heim platzen wie eine Seifenblase.

 

Die Koalition muss schnellstmöglich liefern

 

Ein Bau- und Sanierungsstopp aber wäre fatal, auch für das Handwerk. Will die Koalition ihre ehrgeizigen Ziele beim Klimaschutz und Wohnungsbau zeitnah umsetzen, muss sie deshalb schnellstmöglich liefern und Alternativen anbieten. Noch einmal kann sie sich so eine Vollbremsung nicht leisten.

 

Zugleich sollte die Bundesregierung prüfen, wie sie künftig ihre Hilfen effizient einsetzt. Denn eine staatliche Förderung lohnt sich nur, wenn tatsächlich Treibhausgase eingespart werden. Mitnahmeeffekte sind zu vermeiden. „Standard 55“, also der Verbrauch von 55 Prozent eines normalen Hauses an Energie, setzt sich auch ohne eine Geldspritze des Staates durch.

 


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