Das teure Leben auf dem Lande

Die aktuellen Preissteigerungen treffen Bewohner dünner besiedelter Regionen besonders hart

Zapfsäulen für Diesel, Super E10, Super und Super Plus (Symbolbild: Alex Fox)
Zapfsäulen für Diesel, Super E10, Super und Super Plus (Symbolbild: Alex Fox)

 

Von Jürgen Muhl

 

Ohne Auto geht nichts. Der Arbeitsplatz ist 30 Kilometer entfernt, der nächste Supermarkt 12 Kilometer. Ohne Heizöl bleibt das Haus kalt. Andere Energiearten stehen nicht zur Verfügung, nicht einmal eine Gasversorgung gibt es in den meisten kleinen Dörfern in den ländlich strukturierten Kreisen Nordfriesland, Dithmarschen oder auch in Teilen vom Kreis Schleswig-Flensburg.

 

Wie hier im westlichen Schleswig-Holstein sieht es in vielen ländlichen Regionen im Bundesgebiet aus. Was dazu führt, dass sich große Teile der Landbevölkerung von der Politik arg benachteiligt fühlen. Sie sind von den Preissteigerungen bei Benzin, Diesel, Strom, Gas und letztlich auch bei Lebensmitteln stärker betroffen als die Bewohner in Mittel - und Großstädten.  Die langen Wege, dazu zählt auch der Schulweg mit dem nicht gerade preiswerten öffentlichen Personen-Nahverkehr, führen zu höheren finanziellen Belastungen. Allein: Die Sorgen vom Lande fallen in der Millionenstadt Berlin unter den Tisch.

 

Zahl der Berufspendler steigt

 

Die Zahl der Berufspendler steigt weiter, im letzten Jahr lag die Zunahme bei über vier Prozent. Von wegen öffentlicher Personenverkehr. Beispiel: In Schleswig-Holstein gibt es nicht einmal eine Verbindung auf der Schiene zwischen Flensburg und Niebüll oder nach Husum. Wer von Lübeck mit dem Zug an die Westküste reisen will, ist einen Tag lang unterwegs. Verkehrsminister Volker Wissing sollte eine solche Vergnügungsreise demnächst auf seine Agenda schreiben.

 

Das Leben auf dem Lande könnte für Normalverdiener schon bald unbezahlbar werden. So melden über 40 Prozent der Haushalte in ländlichen Gebieten, dass sie während der Pandemie Einkommen oder Ersparnisse verloren haben. Jeder  sechste Haushalt braucht Hilfe, erhält aber keine. Viele Bürger fallen durch das Raster. Hinzu kommt die Sorge, die umweltpolitischen Preissteigerungen überhaupt bezahlen zu können.

 

Für ein E-Auto fehlt das Geld

 

Auf dem Lande wird der Diesel weiterhin benötigt, für ein E-Auto fehlt schlichtweg das Geld. Ganz zu schweigen von den fehlenden Ladestationen. „Und womit sollen wir heizen, wenn eines Tages Heizöl und Gas verboten werden?", fragt ein besorgter Landwirt aus dem Nordfriesischen. „Unsere Frauen stricken schon jetzt grüne Pullover."

 

Die Ampel hat die Menschen auf dem Lande offenbar nicht auf der Rechnung.

Teurer werden auch die Lebensmittel. Politische Vorgaben und auf Bioprodukte bedachte Konsumenten treiben die Preise. Zum Jahresende konnten Landwirte zwar 20,8 Prozent mehr für ihre Produkte verlangen als noch vor einem Jahr. Ihre Einkommen sind aber nicht gleichermaßen gestiegen. Das liegt an den gestiegenen Preisen für Betriebsmittel: Kraftstoffe um 50 Prozent, Dünger um fast 30 Prozent und Futtermittel um 25 Prozent.

 

Die Kosten-Wahrnehmung des Bundeskanzlers

 

Schwere Zeiten für die Landwirtschaft, aber auch für die Verbraucher. In diesem Jahr wird mit einem Anstieg der Lebensmittelpreise in Höhe von neun bis zehn Prozent gerechnet. Das Leben wird teurer. Auf dem Lande und in der Stadt.

 

Bundeskanzler Olaf Scholz pflegt seine eigene Art der Kosten-Wahrnehmung: Auf die Frage, wie er selbst die hohen Spritpreise bewerte, meinte Scholz, dazu könne er wenig sagen. Schließlich fahre er nicht selbst an die Tankstelle. Das sei Aufgabe seines Fahrdienstes.

 


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