Der Gaspreis, die Russen und Frau Baerbock

Über die Akzeptanz der Klimawende wird auch im Umgang mit Russland entschieden

Baustelle der europäischen Erdgaspipeline EUGAL bei Wrangelsburg. Diese Pipeline beginnt in Lubmin am Landeplatz der Nord Stream 1 und 2 Pipline. (Symbolbild: iStock/Stefan Dinse)
Baustelle der europäischen Erdgaspipeline EUGAL bei Wrangelsburg. Diese Pipeline beginnt in Lubmin am Landeplatz der Nord Stream 1 und 2 Pipline. (Symbolbild: iStock/Stefan Dinse)

Von Michael Lehner

 

Das gemeine Wahlvolk leidet unter explodierenden Energiepreisen. Otto (und Anna) Normalverbraucher unterscheiden in solcher Not nicht nach den Ursachen. Im Gedächtnis bleibt vielmehr der Wahlkampf-Satz der Grünen, dass Benzin, Gas und Strom teurer werden müssen, um das Klima und die Welt zu retten.

 

Diese Stimmung macht den Umgang der Grünen mit Moskau zum Ritt auf der Rasierklinge. Vor allem, was die Gas-Pipeline „Nord Stream 2“ angeht. Käme es zum Boykott des Milliarden-Projekts wären weitere Gaspreis-Turbulenzen wohl unvermeidlich. Moskau hätte es in der Hand, die Stimmung gegen Deutschlands Energiewende aufzuheizen.

 

Wahr ist: Der schwelende Konflikt bedroht nicht nur die Gas-Kunden, sondern auch die Stromerzeugung, die mehr als bisher auf Gaskraftwerke angewiesen ist. Atomenergie ist hierzulande zum Jahresende Geschichte. Kohlestrom soll nach dem Willen der Grünen schleunigst folgen.

 

Norwegen macht keine Freundschaftspreise

 

Nur Blauäugige hoffen, dass die Norweger den Deutschen mit Freundschaftspreisen fürs Gas aus der Patsche helfen. Oder dass Amerika sein Fracking-Gas unter Gestehungskosten liefert. Es ist die hausgemachte Erpressbarkeit, die Drohgebärden gegen Russland fadenscheinig macht. Unabhängig davon, ob die Außenministerin und ihre Partei die Pipeline mögen.

 

Während Frau Baerbock und die Ampel offenbar machtlos hinnehmen müssen, dass Rest-Europa Gas und Kernkraft zur Öko-Energie adelt, sorgt der Markt dafür, dass der Machtwechsel in Berlin viele Verbraucher in Existenznot bringt. Wie sollen sie sich bei solchen Energie-Kosten auch noch Tierwohl-Schnitzel oder chemiefrei erzeugtes Gemüse leisten? Oder gar ein Elektroauto, das - ganz nebenbei bemerkt - den Gasbedarf zusätzlich steigert?

 

Auch Mittelschicht stark betroffen

 

Erkennbar hilflos klingen die Versuche, die Not schön zu reden. Weder der steigende Mindestlohn noch Winterhilfen für die Ärmsten helfen einer Mittelschicht, die dummerweise zugleich zum wichtigen Wählerpotenzial der Grünen gehört. Wobei rasant steigende Heizkosten-Preise auch die urbane Fahrrad-Fraktion treffen – und nicht nur Pendler auf dem flachen Land.

 

Zur Wahrheit, dass die Produktion erneuerbarer Energie durch die Preis-Kapriolen momentan konkurrenzlos preiswert ist, gehört die Einsicht, dass Windräder und Photovoltaik in Riesenschritten vorankommen müssten, um die akuten Probleme zu entschärfen. Aber ausgerechnet die Öko-Szene macht seit der Bundestagswahl klar, dass das umweltbewegte Volk den Grünen nicht mehr grün ist, wenn sie ernst machen wollen mit der Energie-Wende. Da lässt Moskau herzlich grüßen.

 


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