Hoffnung und Ablehnung im ländlichen Raum

Bei der Landtagswahl in Schleswig-Holstein im Mai geht es um wichtige Weichenstellungen in der Klima- und Agrarpolitik

Felder vor den Toren der schleswig-holsteinischen Landeshauptstadt Kiel (Symbolbild: Michael Treu)
Felder vor den Toren der schleswig-holsteinischen Landeshauptstadt Kiel (Symbolbild: Michael Treu)

 

Von Jürgen Muhl

 

Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Daniel Günther (CDU) hat nach zehn Tagen seine Quarantäne in einem Kieler Hotelzimmer wieder verlassen. Negativ. Positiv blickt Günther der Landtagswahl im Mai entgegen. Der Eckernförder will seine zweite Wahl zum Ministerpräsidenten gewinnen und das ländlich geprägte nördlichste Bundesland weiter führen. Wobei es sehr wahrscheinlich ist, dass er die heutigen Koalitionspartner Grüne und FDP erneut brauchen wird. Die aber halten sich mit einer Koalitionsaussage zurück.

 

Was wiederum der SPD Hoffnung macht. Deren Spitzenkandidat Thomas Losse-Müller hat indes die Schlappohrentaktik von Olaf Scholz übernommen und taucht zumeist unter. Wenig sagen, dann kann man auch wenig falsch machen. Hin und wieder meldet sich der frühere Grünen-Politiker mit grün-roten Spezialitäten zu Wort. So will er das Land schon bis 2040 klimaneutral machen und ist dafür auch bereit, mehr als die bisher von Land und Bund geplanten zwei Prozent der Landesflächen für Windräder bereitzustellen. Was in dem von Windrädern arg geschundenen kleinen Flächenland nicht überall gut ankommt. Insbesondere nicht bei der Landbevölkerung.

 

Zweikampf zwischen Stadt und Land

 

In den SPD-Hochburgen wie den beiden Großstädten Kiel und Lübeck jedoch nimmt man solche Bekundungen wohlwollend auf. Dort ist man ja auch weit weg von den Unruhestiftern, die manche einst so schöne Region zwischen Nord- und Ostsee längst zerstört haben. Hier bläst der Wind nicht mehr naturell, sondern industriell. Und das mögen die Nordlichter - abgesehen von den Profitträgern - ebenso wie ein Großteil der Urlauber nicht so gern. Insofern mag es bei der kommenden Landtagswahl zu einem Zweikampf zwischen Stadt und Land kommen.

 

Rund 12.000 landwirtschaftliche Betriebe gibt es noch in Schleswig-Holstein - bundesweit sind es 262.000 Bauernhöfe, auf denen es um Milchprodukte und um Fleisch geht. Produkte, denen der neue Bundeslandwirtschaftsminister Cem Özdemir in Teilen den Kampf angesagt hat. Und doch hätte es aus schleswig-holsteinischer Sicht noch schlimmer kommen können.

 

„Ich mag gar nicht daran denken, wenn es Anton Hofreiter geworden wäre", sagt der Generalsekretär des in Rendsburg ansässigen Landesbauernverbandes, Stephan Gersteuer. Man kennt sich aus mit grünen Agrarministern. Zunächst Robert Habeck, dann Jan Philipp Albrecht, der es ruhiger haben möchte und zur Heinrich Böll-Stiftung wechselt. Gelassene Kulturschaffende, statt demonstrierende Bauern. "Albrecht hat uns so ziemlich in Ruhe gelassen", fasst Gersteuer die Amtszeit des grünen Ministers zusammen.

 

Positive Zeichen von Özdemir

 

Ein grüner Bundeslandwirtschaftsminister, dazu ein grüner Landesminister - kann das gutgehen? Das könne kompliziert werden, befürchtet Gersteuer. Bundesweit macht die neue Gülleverordnung zu schaffen. "Völlig überzogen", sagt Gersteuer. Allerdings, so der Funktionär, gäbe es positive Zeichen vom neuen Bundeslandwirtschaftsminister. Gut, dass Minister Özdemir nicht als engstirniger Ideologe, sondern als Pragmatiker gelte, heißt es beim Bauernverband. Das klang beim Amtsantritt des Vegetariers noch anders. Es gibt neue Erkenntnisse an der Spitze des landwirtschaftlichen Berufsstandes. So stößt die geplante Erhöhung des Ökolandbau-Anteils von derzeit etwa zehn bis zum Jahr 2030 auf etwa 30 Prozent auf Verständnis. Um solche Ziele zu erreichen, muss Özdemir allerdings Qualitäten als Brückenbauer haben.

 

Aber auch die Landwirtschaft ist gefordert, alte Pfade zu verlassen und sich neu zu orientieren. Für die notwendige Agrarwende braucht es Mut-Bauern, keine Wut-Bauern. Und die gibt es inzwischen in großer Zahl: Die Zahl junger Landwirte, die in diese Richtung denken, nimmt zu. Allein dies ist ein Hoffnungsschimmer für die Landwirtschaft. Und für die Verbraucher.

 


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