Strompreise in einer scheinbar verkehrten Welt

Die erneuerbaren Energiequellen sprudeln, auch was die Gewinne angeht

Ein Atomkraftwerk (Symbolbild: JamesQube)
Ein Atomkraftwerk (Symbolbild: JamesQube)

 

Von Michael Lehner

 

Was momentan an den Strombörsen passiert, steht für eine scheinbar verkehrte Welt: Die erneuerbaren Energiequellen sprudeln, auch was die Gewinne angeht. Die sind aktuell so hoch, dass das Versprechen, die sogenannte EEG-Umlage zu streichen, den Bundesfinanzminister wohl keinen Cent kosten wird. Damit profitiert auch die

Ampelkoalition von der wachsenden Konkurrenzfähigkeit der erneuerbaren Energien.

 

Wind- und Solarstrom sind bei rapid steigenden Preisen der fossilen Energieträger wie Gas, Öl und Kohle konkurrenzlos billig zu erzeugen. Und – wie die aktuelle Entwicklung in Frankreich zeigt – sogar kostengünstiger als Atomstrom: Im November und Dezember lag der Börsenpreis im Nachbarland rund ein Viertel höher als in Deutschland. Mit französischen Tages-Spitzenwerten bis zu 27 Cent für die Kilowattstunde.

 

Besonders spannend der Vergleich mit Österreich, das sich 2018 aus dem Strommarktverbund mit Deutschland verabschiedete: Dort fällt die Preisexplosion dieses Winters noch weit schlimmer aus als bei uns. Während Deutschland nur rund 5 Prozent des Strombedarfs über teures Import-Gas decken musste, lag der Gasanteil in Österreich bei bis zu 44 Prozent.

 

Ein Irrtum wäre jedoch die Vermutung, dass sich Windkraft- und Solarpark-Betreiber dumm und dämlich verdienen: Ein guter Teil der Zusatz-Gewinne bleibt bei den (Öko-)Stromvermarktern hängen, die von kleinen Stromerzeugern wie Bürgerwindparks meist zu Festpreisen beliefert werden. 

 

Die Ampelkoalition profitiert von der Energiewende

 

Dass die offenbar preisdämpfende Wirkung der Windkraft in Süddeutschland nicht richtig ankommt, liegt nicht nur an hinhaltenden Genehmigungsverfahren, sondern auch daran, dass der Bau der großen Nord-Süd-Stromtrassen noch immer im Genehmigungsverfahren verharrt. Ob sich daran durch den Machtwechsel in Berlin Wesentliches ändert, wird zur immer drängenderen Frage.

 

Unstrittig ist hingegen, dass die Ampelkoalition im Gegensatz zu den Stromkunden jetzt schon von der Energiewende profitiert. Das Heilsversprechen, die bisher überwiegend von den Verbrauchern finanzierte Umlage zur Förderung der erneuerbaren Stromquellen zu übernehmen, kostet die Regierenden bei den aktuellen Strombörsenpreisen nicht mehr als ein Lächeln in die Kameras.

 

Finanzminister Lindner darf sich freuen

 

Wenn die Stromerzeugung aus Wind und Sonne konkurrenzlos billig bleibt und auch der Elektroauto-Boom die Verbraucherpreise weiter in die Höhe treibt, darf sich der Finanzminister obendrein auch noch auf kräftig steigende Gewinnsteuereinnahmen freuen.

 

Minister Lindner wird das Geld brauchen, um Kernkraftwerksbetreiber für das Abschalten ihrer zunehmend unrentablen Alt-Meiler zu entschädigen. Die dramatische Preisentwicklung in Frankreich erklärt sich vor allem aus der zunehmenden Reparaturanfälligkeit der dortigen Kernkraftwerke. Ausgerechnet zum Winter, wenn die Franzosen ihre Elektroheizungen einschalten, standen die Meiler dort zu bis zu einem Drittel still.

 


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