Kirchen und Koalition vor spannenden Zeiten

Bei der Vereidigung des rot-grün-gelben Kabinetts verzichteten neun von 17 Ressortchefs auf die Gottesformel

Kirchenfenster mit der Mutter Gottes, die das Christuskind auf dem Arm trägt (Symbolbild: falco)
Kirchenfenster mit der Mutter Gottes, die das Christuskind auf dem Arm trägt (Symbolbild: falco)

 

Von Christian Urlage

 

In wenigen Tagen geht es auf allen Kontinenten um einen Mann, der auf dem Land unter einfachen Verhältnissen in einem Stall zur Welt kam, in der Nachbarschaft von Hirten, der in der Provinz aufwuchs und im Zentrum seines Landes, unweit der Hauptstadt, getötet wurde: Jesus Christus, ein Mensch, der nach christlicher Vorstellung der Sohn Gottes ist – und dessen Geburt an Weihnachten gefeiert wird.

 

Für die beiden großen Kirchen ist Weihnachten eine Zeit, zu der sie jedes Jahr in den Mittelpunkt des öffentlichen Interesses rücken. Sie werden zum Beispiel danach gefragt, wie sie es denn in den Gottesdiensten so halten mit den Corona-Regeln. Für viele Menschen sind diese Gottesdienste eine Kraftquelle. Dass sich Christen auch an diesen Tagen um Obdachlose kümmern und um Gefangene, um Schwerkranke, Pflegebedürftige und behinderte Menschen, ist weniger bekannt.

 

Generell sind die Schlagzeilen über die Kirchen vor allem von einem erschütterten Vertrauen in die Institution geprägt, wegen der Skandale um den sexuellen Missbrauch. Landeskirchen und (Erz-)Bistümer haben mit stetig schrumpfenden Mitgliederzahlen zu kämpfen und planen daher drastische Sparmaßnahmen. Stellenstreichungen sorgen dafür, dass das Netz der Kirchengemeinden ausgedünnt wird. Diese Entwicklung dürften gerade die Gläubigen in ländlichen Regionen in Zukunft noch schmerzlich spüren.

 

Neun Minister ohne Gottesformel beim Amtseid

 

Auch in der Politik haben die Kirchen einen immer schwereren Stand: Bei der Vereidigung des rot-grün-gelben Kabinetts verzichteten neun von 17 Ressortchefs darauf, mit den Worten „So wahr mir Gott helfe“ die Hilfe von ganz oben anzufordern – auch der neue Kanzler Olaf Scholz ließ den Satz weg, er ist der erste konfessionslose Regierungschef der Bundesrepublik. 2013 nutzten noch alle Minister und Angela Merkel beim Amtseid die Gottesformel. Jetzt bedauert diesen Verzicht nicht allein Margot Käßmann, die frühere Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland.

 

Die Ampel hat sich von den Kirchen entfernt

 

Ebenso belegt der Koalitionsvertrag den abnehmenden Einfluss der Religionen. Bei einer Reihe von Positionen hat sich die Ampel von den Kirchen entfernt. Kaum Differenzen dürfte es beim Klimaschutz, der Flüchtlings- und der Sozialpolitik geben. Doch die Ampel plant auch eine Reform des kirchlichen Arbeitsrechts und tritt für Lockerungen beim Schutz des Lebens am Anfang und Ende ein. Gerade bei diesen ethisch sensiblen Themen dürfte es noch heftige Debatten geben – und ebenso bei der geplanten Ablösung der Staatsleistungen. Offiziell befürworten die Kirchen diese Ablösung, doch intern sorgen sich die finanzschwachen Bistümer und Landeskirchen im Osten Deutschlands.

 

Doch bevor es bei den Sachthemen in die Details geht, macht jetzt die Politik in Berlin erst einmal eine Pause. Die Bundestagsabgeordneten haben sitzungsfreie Wochen, und zunächst steht das Weihnachtsfest an, mit einer Botschaft der Hoffnung, die für viele Menschen noch immer ein Trost in einer belastenden Zeit ist.

 


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