Zwischen Gedöns und ruhiger Hand

Olaf Scholz (Foto: Tobias Rehbein)
Olaf Scholz (Foto: Tobias Rehbein)

 

Von Wolfgang Molitor

 

Es gab einmal einen sozialdemokratischen Kanzler, der schmückte sich mit dem Attribut der ruhigen Hand. Der Mann heißt Gerhard Schröder und freute sich in der Wirtschaftspolitik über seine zur Schau gestellte Gelassenheit, auf kurzfristige Entwicklungen nicht überstürzt zu reagieren. Das war vor rund 20 Jahren. In der nächsten Woche wird wieder ein Genosse zum deutschen Regierungschef gewählt, und es sieht so aus, als feierte die ruhige Hand fröhliche Urständ.

 

Olaf Scholz jedenfalls tut nichts, was ihm jeder zugestehen würde: sich in schwierigen Zeiten energisch an die Spitze zu stellen, wenn es darum geht, den reibungslosen Übergang am Kabinettstisch sicherzustellen. Den artig maulenden Jusos gibt er „kleine Tipps“, wie man in der SPD mit den künftigen Koalitionspartnern umzugehen habe. Ruhiger geht’s nimmer.

 

Und auch bei der Liste künftiger Minister und Ministerinnen schleicht der künftige Bundeskanzler zwischen Männlein und Weiblein still an der Wand entlang. Fast sieht es so aus, als könne sich Scholz nicht so recht gegen die inhaltlichen und personellen Einzelinteressen in seiner Partei durchsetzen, wo der Geschlechterproporz offenbar jegliche Kompetenzgewichtung zu überschatten droht. Was Gerhard Schröder damals wohl Gedöns genannt hätte. Dabei wäre es in Pandemie-Hochzeiten zwingend, zumindest das Gesundheitsministerium nicht länger auf eine neue Ressortführung warten zu lassen.

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