Sinnvolle ifo-Studie zu Unternehmen auf dem Land

 

Von Christian Urlage

 

Wenn der Bund und die Länder selbst Wirtschaftspolitik betreiben, geht es ihnen darum, gleichwertige Lebensverhältnisse zu schaffen und die regionalen Unterschiede zu verkleinern. Entscheidend dafür ist, welche Unternehmen in einem Landkreis tätig sind und wie krisensicher zum Beispiel mittelständische Betriebe aufgestellt sind. Im Kern geht es um die Frage: Wie kann es gelingen, strukturschwache Regionen zu stärken, damit sich Firmen ansiedeln, die im Wettbewerb bestehen?

 

Mit dieser Frage befasst sich das ifo-Institut in der Studie „Strukturwandel im ländlichen Raum – Unternehmensbiografien“, die kürzlich gestartet ist. Im Oktober 2022 wollen die Wirtschaftsforscher ihre Erhebungen abschließen. Ein sinnvolles Projekt, das in Auftrag gegeben wurde vom Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung.

 

Die Wissenschaftler möchten herausfinden, welche Faktoren für die enorm unterschiedliche Entwicklung in Deutschland am meisten Gewicht haben. Sie untersuchen die Zahl der Betriebe, der Unternehmensgründungen und -schließungen, Wirtschaftszweige und die Größe der Betriebe. Und sie wollen feststellen, warum eine Region wächst oder schrumpft.

 

Am Ende werden die Forscher des ifo-Instituts dann Handlungsempfehlungen für die Politik ableiten. Von den Ergebnissen profitieren könnten vor allem ländliche, dünn besiedelte Regionen. Daher ist das Geld für die Studie bestens angelegt.

 

Zur Abwanderung aus der Heimat gezwungen

 

Manche Anhaltspunkte für Gebiete mit negativer und positiver Entwicklung sind bereits bekannt: Typisch für fast alle strukturschwachen Regionen ist, dass dort nur wenige Unternehmen zu finden sind und sich der Arbeitsmarkt schwach entwickelt hat – mit der Folge, dass junge Menschen gezwungen sind, wegzuziehen, weil ihre Heimat nicht genügend Stellen bietet. So etwas kann sich zum Teufelskreis entwickeln. Und je dünner besiedelt eine Region ist, umso teurer ist, gemessen pro Einwohner, der Ausbau und Unterhalt der Infrastruktur. Das kennen wir vom Straßenbau, aber auch vom Breitbandausbau.

 

Negativer Trend in Thüringen

 

Thüringen ist ein Bundesland, das mit schrumpfenden Regionen wie dem Kyffhäuserkreis und den Kreisen Hildburghausen und Greiz zu kämpfen hat. Nach Prognosen wird der rot-rot-grün regierte Freistaat in den nächsten beiden Jahrzehnten 15 bis 20 Prozent seiner Einwohner verlieren – ein negativer Trend beim demografischen Wandel, der zu den größten Herausforderungen für die Landespolitik werden kann, wie auch Innenminister Georg Maier (SPD) kürzlich einräumte.

 

Das Modell Emsland

 

Wie sinnvoll staatliche Wirtschaftspolitik sein kann, beweist hingegen das Emsland im Westen Niedersachsens: In den 50er Jahren galt es als Armenhaus, und alle ökonomischen Kennziffern lagen weit unter Landes- und Bundesdurchschnitt. Mit Hilfe von Mitteln vor allem des Bundes, aber auch des Landes Niedersachsen machte das abgelegene Grenzgebiet einen gewaltigen Sprung nach vorn und entwickelte sich mit großer Dynamik. Dazu trug auch ein gutes Maß Eigeninitiative bei, so beim vorzeitigen Lückenschluss der A 31, dem „Ostfriesenspieß“, einer Verbindung zwischen Ruhrgebiet und Nordsee. Einst Armenhaus, gilt das Emsland heute als erfolgreiche metropolenferne Modellregion.

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