Nicht alle Touristen sind erwünscht

 

Von Jürgen Muhl

 

Das hat es in dieser Form noch nicht gegeben: Selbst im tristen November ist die Sonneninsel Sylt überlaufen. Was in der Westerländer Kurverwaltung und auch in der Gastronomie Skepsis auslöst. Um Urlauber wird nicht mehr gebuhlt, es wird nach Abwehrmechanismen gesucht. Politik und Verwaltung arbeiten derzeit an Konzepten, den Urlauberansturm zu reduzieren. Mit welchen Mitteln dies geschehen soll, ist noch offen. "Es könnte unangenehm für Urlauber werden," wird aus dem Rathaus kolportiert.

 

"Wir wollen Sylt nicht mit Blech zugestellt haben", sagt der Westerländer Bürgermeister Nikolas Häckel, der den Autoverkehr drastisch eindämmen will. Westerlands Zentrum - so Häckel im "Hamburger Abendblatt" - solle zu einem Wohlfühlort werden. "Bunt, grün und kuschelig", wie der Verwaltungschef ausführt.

 

Die Bausünden blieben

 

Was wohl eher als unerfüllbarer Traum in die Geschichte Sylts eingehen wird. Um ihn zu realisieren, müssten hunderte von Betonburgen abgerissen werden, was aber das Baurecht nicht hergibt. Die Bausünden der Vergangenheit bleiben stehen.

 

Die Sylter Probleme sind weitaus größer als jene in Garmisch-Partenkirchen, im Berchtesgadener Land oder an der Ostseeküste in Mecklenburg-Vorpommern. Was an der begrenzten Fläche auf der recht kleinen Nordseeinsel liegt. Hinzu kommt die Faszination Wattenmeer in der Nachbarschaft.

 

Das nordfriesische Wattenmeer ist im neuen Buch „Ultimative Reiseziele Deutschland - Die Top-250-Liste von Lonely Planet“ auf dem 4. Platz gelandet. Die Region zwischen Büsum und Westerland hat im Urlauberzuspruch dermaßen zugenommen, dass die Verkehrsstruktur vor dem Kollaps steht. Und das selbst im Winter-Halbjahr.

 

Auf dem 1. Platz landete Sachsens größte Stadt Leipzig. „Der Hype, den einige der Stadt attestieren, ist gar keiner: Leipzig ist wirklich cooler als Berlin und angesagter als München, vor allem bei den Millennials“, heißt es in der aktuellen Statistik.  Auf dem 2. Platz folgt der Bodensee, auf Rang 3 die Hamburger Elbphilharmonie, auf Platz 5 das Klimahaus in Bremerhaven. Dahinter platzierten sich die malerische Burg Eltz (Rheinland-Pfalz), Deutschlands höchster Gipfel Zugspitze bei Garmisch-Partenkirchen (Bayern), die Berliner Museumsinsel, das Elbsandsteingebirge in Sachsen und das hübsche Quedlinburg in Sachsen-Anhalt.

 

Corona hat den Druck weiter erhöht

 

Corona hat den Druck auf den Inland-Tourismus erhöht. Waren es früher die Schönen und Reichen, die sich auf den Weg nach Sylt machten, sind heute auch die Normalverdiener zwischen List im Norden und Hörnum im Süden mit von der Partie. Sie sitzen im Promi-Restaurant "Sansibar" neben Millionären und laben sich an Austern und Hummer.

 

"Wir haben ein neues Gästeklientel auf der Insel", analysiert Bürgermeister

Häckel und fügt hinzu:  "Wir haben zu viele Gäste. Die Straßen reichen nicht aus für so viele Pkw." Die Ressourcen seien schon allein wegen des Naturschutzes begrenzt, man könne nicht einfach breitere Straßen bauen." So wie in den ostdeutschen Bundesländern oder in Bayern.

 

Nachtfahrverbot im Kurzentrum

 

Auf Sylt soll schon im kommenden Jahr zurückgebaut werden. Den Auto fahrenden Gästen geht es also an den Kragen. Zunächst einmal soll es als Sofortmaßnahme ein Nachtfahrverbot im Kurzentrum von Westerland geben. Im Gespräch ist gar ein Fahrverbot in der gesamten Innenstadt. Wie auch in der Gemeinde Keitum, in der es zu Stoßzeiten schon mal zu Beschimpfungen der Autofahrer kommt.

 

Die Einheimischen begehren auf. Der Gast ist auf Sylt schon längst nicht mehr der König. Er ist nur noch geduldet. Wenn überhaupt.

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