Laschet zwischen Sachlichkeit und Kampfmodus

 

Von Jost Springensguth

 

Manchmal muss man den Eindruck haben, Armin Laschet kann machen was er will – er bleibt hinten. Der von den Sozialdemokraten verhinderte Parteivorsitzende und danach aufgepflanzte Kanzlerkandidat schaltet dagegen den „Scholzomat“ ein – schon läufts. Das funktioniert so vor allen Dingen bei den öffentlich-rechtlichen Programmen der ARD und des ZDF, die dann wiederum über ihr Politbarometer oder Deutschlandtrend das entsprechende Echo liefern und die Trends befeuern.

 

Am Ende belegen jüngste Erfahrungen, dass sich die Umfragen immer weiter von den Ergebnissen an den Wahlabenden entfernen. So war es zuletzt bei der Kommunalwahl in Nordrhein-Westfalen und der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt, wo die Demoskopie und die realen Ergebnisse am Wahlabend jeweils bis zu zehn Prozent auseinander lagen. Dass die Umfragen zunehmend zum Bestandteil der Wahlkämpfe werden und von den Protagonisten, die vorn liegen, strategisch genutzt werden, hat schon Markus Söder im unionsinternen Teil des Rennens um das Kanzleramt gezeigt. Mit wenig Erfolg.

 

Schmerzhafte Erfahrungen

 

Laschet scheint aus offensichtlich persönlich schmerzhaften Erfahrungen gelernt zu haben. Seit dem sogenannten „Triell“ mit dem durch die Sendung schwimmenden Moderatoren-Duo Illner / Köhr hat er auf den vielfach eingeforderten Kampfmodus umgeschaltet. Dass er nun seine sachliche Art und sein im Umgang mit den Menschen konziliantes Auftreten für solche Auftritte in der Garderobe ablegt, wenn es im Fernsehstudio heißt „The Show must go on“, ist dem Medienecho geschuldet.

 

Wenn in der Fernsehzeitschrift die Wahlarena angekündigt wird, steht darunter „Talkshow“. Was ist das denn – Unterhaltung oder Information? Man sitzt am Abend nach getaner Arbeit vor dem Fernseher beim Glas Bier oder Wein und lässt sich unterhalten. Dazu gehört natürlich der Faktor produzierter Aufregung. Schließlich geht es ja auch im öffentlich-rechtlichen Teil der TV-Sender um Einschaltquoten, obwohl die nicht als Auftrag in den Mediengesetzen stehen.

 

Gut geschult in die Wahlarena

 

Das jüngste Beispiel unterschiedlichen Umgangs mit den Kanzlerkandidaten und der Kandidatin lieferte die ARD in dieser Woche, als für die Wahlarena eine Klimaaktivistin zugelassen wurde, die sich nach Medienberichten vorher von einer Trainingsagentur mit dem Namen „hartaberlinks“ hatte eigens schulen lassen, um - wie sie vor der Sendung selbst angekündigt hat - „Laschet fertig machen“ zu wollen. Der wiederum ließ sich nicht provozieren und wechselte überraschend sein Naturell. Er blieb ruhig, sachlich und erklärend.

 

Zumindest scheint der Unionskandidat das Stehvermögen zu zeigen, was ihn schon auf den Stuhl des Ministerpräsidenten gebracht hat. Zudem nutzt er den vielleicht doch ehrlich gemeinten Aufwind seines Auftritts beim CSU-Parteitag bei schwindendender Glaubwürdigkeit seines Gegenkandidaten, wenn es darum geht, wer von beiden der bessere Merkel ist.

 

Der Verlust Merkel als zu erwartender Phantom-Schmerz

 

Apropos Merkel: immer mehr Menschen realisieren, dass sie etwas verlieren könnten, was im Wohlstands-Alltag der Deutschen manchmal verdrängt wird. Da scheint ein öffentlicher Phantom-Schmerz aufzukommen, wenn nach ihrem Abgang doch was fehlt: Das sind das Gefühl und die Sicherheit, in einem Land zu leben, das vieles von dem hat, wonach man sich auch in Europa sehnt. Das sind Krisenfestigkeit, Stabilität, Solidität und Berechenbarkeit in der politischen Spitze des Landes. Bei der offensichtlich verbreiteten Unsicherheit vieler Menschen, wo sie denn letztlich das Kreuzchen machen, spielen diese Begriffe letztlich wahrscheinlich eine Schlüsselrolle.

 

 

Das Finale des Wahlkampfes scheint spannender zu werden als vielfach gemeint. Armin Laschet leistet offensichtlich seinen ihm eigenen Beitrag dazu.

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