CSU-Burgfrieden für Armin Laschet

 

Von Michael Lehner

 

Soviel Jubel lässt sich selbst die CSU nicht verordnen. Auf dem Nürnberger

Parteitag der Schwesterpartei hat Armin Laschet das für ihn wohl schwierigste Publikum für sich gewonnen. Die Frage, ob Markus Söder der erfolgreichere Kandidat wäre, hat sich damit sogar in Söders Partei erledigt. Nicht nur aus der Not heraus, sondern auch weil Laschet in Nürnberg endlich so geredet hat, wie es von einem Wortführer in diesem Richtungswahlkampf erwartet werden darf.

 

Viel ist im Vorfeld darüber geredet worden, dass dieses Wochenende entscheidend sein werde. Für die Frage, ob Laschet überhaupt noch eine Chance hat. Und – viel wichtiger – ob Deutschland das Risiko einer Wende nach Links eingeht. Und schon beim Bürgerdialog im ZDF wurde kurz zuvor erkennbar: Der Kandidat hat offenbar den Schuss gehört. Keine Flut von ausweichenden Antworten, um es möglichst allen Befindlichkeiten recht zu machen. Stattdessen selbstbewusste Ansagen.

 

Klar wurde da, dass Laschet auch die Kunst des Selbstlobs beherrscht. Und

den Gegenangriff, zum Beispiel beim Hambacher Forst. Dessen Rodung hatte noch die rotgrüne Vorgänger-Regierung in Düsseldorf zugelassen. Und der Rheinländer biegt die Angelegenheit nun so hin, als habe er die Räumung der Protest-Baumhäuser nur widerwillig angeordnet. Solche Finessen muss man nicht mögen, aber sie sind derzeit Wahlkampf-Realität. In allen Lagern.

 

Sowas mag unterhaltsam sein. Richtig spannend hingegen der späte Schulterschluss mit der CSU. Mitunter macht Söder beim nicht endenden Schlussapplaus für den Rivalen sogar den Eindruck, dass es nach seinem Geschmack ein wenig weniger Jubel auch getan hätte. Aber da entlädt sich auch die Sorge vieler Männer und Frauen, die um ihr Bundestagsmandat bangen. Und ahnen, dass die Sticheleien gegen den Kandidaten dem eigenen Wohlergehen schaden.

 

So wie der Wettbewerber Olaf Scholz damit leben muss, dass ihn die Sozialdemokraten eben noch nicht zum Parteichef haben wollten, lässt die CSU Armin Laschet nicht im Regen. Sicher auch aus Eigennutz, aber mit zunehmender Bereitschaft, das gemeinsame Interesse in den Vordergrund zu holen. Bei Söder spielt mittlerweile vermutlich auch die Erkenntnis mit, dass diese Kandidatur inzwischen zeitweise einem Himmelfahrtskommando ähnelt. Und dass gerade die CSU Verlierer gar nicht leiden kann. 

 

Als ausgemacht darf nach diesem Wochenende gelten: Sollte Laschet Kanzler

werden, ist ihm bei der CSU solcher Erfolg gegönnt. Wenn nicht, ist zumindest der Sündenbock bereits gefunden.

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