Das Wetter spielt nicht mehr mit

 

Von Wolfgang Kleideiter

 

Mensch und Tier brauchen den Ackerbau. Denn ohne ihn gibt es keine Nahrungs- und keine Futtermittel. Deshalb sind auch Ernteberichte aus dem Bundesministerin für Ernährung und Landwirtschaft oder vom Bauernverband alles andere als Randnotizen. Sinkt auf den deutschen Äckern unter schwierigeren Witterungsbedingungen zum Beispiel die Produktivität, können in absehbarer Zeit die Nahrungsmittelpreise und auch die Kosten für die Nutztierhalter steigen. Klimafolgen – so haben die meisten Menschen längst verstanden – machen nicht vor der Haustür halt.

 

Noch sind die Erntemaschinen rund um die Uhr im Einsatz. Doch die bisherigen Ergebnisse lassen laut Ministerin Julia Klöckner bereits die Prognose zu, dass Ertragsmenge und -qualität unter dem Durchschnitt der vergangenen fünf Jahre liegen werden. Beim wichtigen Winterweizen bewegt sich die Ernte rund 3,5 Prozent unter dem Vorjahr, obwohl die Anbaufläche für dieses Getreide gegenüber dem Jahr 2020 sogar zugenommen hat.

 

Hafer ist aufgrund steigender Nachfrage im Kommen, aber auch beim Raps liegt der Flächenertrag pro Hektar 11,3 Prozent unter dem Durchschnittswert der Jahre 2015 bis 2020. Bei Obst und Gemüse fällt das Ergebnis ebenfalls unterdurchschnittlich aus. Allein die Futterbaubetriebe haben wegen der feuchten Monate im Frühjahr und Sommer diesmal besser abgeschnitten – Klee und Gras mögen den stetigen Wechsel von Sonne und Regen. Mengen- und Preisangaben, Tabellen und Kurven im Bericht geben einen guten Überblick über die Marktlage. Auch der unmittelbare Zusammenhang von Witterung und Wachstum kommt dort nicht zu kurz.

 

Wie geht es mit Ackerbau weiter?

 

Dies alles ist aber nur eine Momentaufnahme, denn die Kernfrage lautet: Wie geht es mit dem Ackerbau überhaupt weiter, wenn sich Jahr für Jahr erst arktische Kälte die Obstkulturen vornimmt, später sengende Sonne die Pflanzen verbrennt und am Ende eine Regenfront mit Superzellen die Äcker überspült? Wie können sich landwirtschaftliche Betriebe einerseits vor den Folgen des Klimawandels schützen und andererseits mit Klimaschutz im Ackerbau selbst dazu beitragen, dass ihnen nicht immer wieder das Ergebnis der Arbeit verhagelt wird? 

 

Schon vor etlichen Jahren haben alle im Zentralausschuss der Landwirtschaft vertretenen Spitzenorganisationen –  vom Deutschen  Bauernverband  bis zum Zentralverband Gartenbau – eine „Ackerbaustrategie“ vorgelegt, damals als Diskussionsgrundlage für die politische und gesellschaftliche Debatte gedacht. Seit 2019 gibt es zudem die „Ackerbaustrategie 2035“ aus dem Bundesministerin für Ernährung und Landwirtschaft, die Julia Klöckner in dieser Woche nochmals mit allerdings neuen Details präsentierte.

 

Auffällig: Das Papier mit bekannten Zielen und definierten Handlungsfeldern beleuchtet jetzt noch stärker den Klimawandel und dessen Folgen für die 11,7 Millionen Hektar Ackerland in Deutschland. Offenbar kommt nach letzten Ereignissen, wie den verheerenden Überflutungen im Westen Deutschlands, niemand mehr an diesem Thema vorbei.

 

Schnellschüsse sind aber nicht zu erwarten, dazu sind die Fragen rund um den Ackerbau einfach zu komplex. Auf die lange Bank schieben kann aber auch die kommende Bundesregierung das Thema nicht. Sie muss es buchstäblich weiter beackern und sich bemühen, über Einzelmaßnahmen den großen Zielen wie Bodenschutz und klimaangepassten Anbau näherzukommen. Einfach darauf bauen, dass das Wetter wieder mitspielt, sollte man nicht mehr.

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