Die Behörden und ihre digitalen Schwächen

 

Von Jürgen Wermser

 

Die Corona-Pandemie hat gravierende Schwachstellen in der deutschen Verwaltung offengelegt. Kaum eine Schule und nur wenige Behörden waren gut darauf vorbereitet, quasi von einem Tag auf den anderen von Papier und Publikumsverkehr auf Online umzuschalten. Die bittere Erkenntnis: Digitalisierung ist im Staatsdienst noch längst nicht so verbreitet, wie es in einer führenden Industrienation angemessen wäre. Man denke beispielsweise an die betulich wirkende Meldekette von den örtlichen Gesundheitsämtern über die Länder hin zum Robert-Koch-Institut. Und generell könnte gerade im ländlichen Raum mit seinen teilweise sehr langen Wegen eine besser funktionierende öffentliche Online-Infrastruktur die Lebensqualität weiter erhöhen und einen wirtschaftlichen Wachstumsschub auslösen.

 

Verantwortlich für die sträflichen Versäumnisse bei Planung und Finanzierung sind Politiker auf allen staatlichen Ebenen - von den Kommunen über die Bundesländer bis hin zum Bund. Kaum jemand weiß dies besser als Behördenchefs, die ihre Mitarbeiter Tag für Tag mit veralteten Mitteln zu zeitgerechten und leistungsorientierten Ergebnissen führen sollen.

 

Erhebliche Schwächen im Management der Pandemie

 

So ergab jüngst die deutschlandweite Behördenbefragung „Zukunftspanel Staat & Verwaltung“, dass die Behördenchefs erhebliche Schwächen beim bisherigen Pandemie- Management sehen. Dies gilt vor allem mit Blick auf Homeschooling, Beschaffungswesen, Krisenmanagement im föderalen System und Gesundheitsämter.

 

Das Zukunftspanel der Hertie School of Governance und des Beratungsunternehmens Wegweiser Research ist die einzige Langzeitstudie in Deutschland zum Thema „Digitale Verwaltung“, die alle Verwaltungsebenen systematisch erfasst. Ihr Beginn geht auf das Jahr 2002 – damals unter dem Namen „Monitoring eGovernment“ – zurück.

 

Skepsis in der Erwartung von Fortschritten

 

In der aktuellen Umfrage wird der Fortschritt bei der Verwaltungsdigitalisierung für alle Verwaltungsebenen stark skeptisch gesehen. Im Bund stellen nur knapp 19 Prozent der Behördenleiter und in den Ländern knapp 17 Prozent ein positives Urteil aus, während es in der Kommunen immerhin schon 29 Prozent sind. So mäßig dieses Ergebnis auch ist: beim Zukunftspanel vor zwei Jahren waren die betreffenden Werte noch schlechter gewesen: Bund knapp sieben, Länder knapp elf und Kommunen 27 Prozent.

 

Personalplanung: Mehr digitale Kompetenz notwendig

 

Dabei dürfte den meisten Behördenchefs völlig klar sein, dass sie technologisch kräftig nachlegen müssen, um den Anforderungen des 21. Jahrhunderts gerecht zu werden. Dies zeigt sich allein schon darin, welchen Stellenwert dieses Thema bei der Suche nach qualifiziertem Personal hat. So kam als Ergebnis auf die Frage im Panel nach den wichtigsten Kompetenzen/Fähigkeiten für die Verwaltungsmitarbeiter der Zukunft mit fünf möglichen Antworten: Digitale Kompetenzen 67 Prozent, Fachkompetenz 50 Prozent, Problemlösungskompetenz 45,7 Prozent, Kommunikationsfähigkeit 43,5 Prozent und Dienstleistungs-/Nutzerorientierung 37 Prozent.

 

Aus all dem sollte sich aus Sicht der Bürger ein klarer Handlungsauftrag an die Politik ableiten: Digitalisierung von Verwaltung und Ausbau der entsprechenden öffentlichen Infrastruktur so schnell und umfassend wie irgend möglich. Trotz vieler Lippenbekenntnisse in den vergangenen Jahren gibt es hier noch starken Nachholbedarf - nicht zuletzt außerhalb der großen Städte und Ballungszentren. Dabei sind es gerade die eher ländlichen Regionen, die vom neuen Trend zu Homeoffice profitieren können. Denn sie bieten - sofern Infrastruktur und Internetanbindung wettbewerbsfähig sind -, was andernorts immer seltener wird: Viel Natur, bezahlbaren Wohnraum, Platz für Kinder, gute Nachbarschaft und reichlich Lebensqualität… 

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