Wo die Seele wirklich baumeln kann

 

Von Wolfgang Kleideiter

 

Die Zahlen des Statistischen Bundesamtes sind ernüchternd. Bis Ende April haben die Beherbergungsbetriebe in Deutschland, von denen zuletzt nur etwa die Hälfte überhaupt geöffnet hatte, 31,1 Millionen Übernachtungen verbucht – rund 60 Prozent weniger als im Jahr zuvor. Eine Folge des Beherbergungsverbots für Privatreisende, das – erinnern wir uns - wegen Corona Mitte März 2020 erstmals in Kraft trat.

 

Auch die vorläufigen Zahlen aus dem Monat Mai 2021, die kürzlich veröffentlicht wurden, stehen noch für die Branchenkrise. Zwar gab es im Vergleich zum Vorjahresmonat ein ordentliches Plus, doch die Übernachtungszahlen lagen noch stattliche 67,8 Prozent unter dem Wert des Vorkrisenjahres 2019.

 

Seit Juni geht´s wieder aufwärts. Spürbar und sichtbar. Die Lockerungen haben einen Ansturm auf Angebote aller Art ausgelöst. In den Reisebüros herrscht Betrieb. Griechenland, so bilanzierten vor einigen Tagen die großen Touristikanbieter, sei seit der Wiedereröffnung des Urlaubsmarktes der große Gewinner.

 

Urlaub vor der Haustür

 

Schön für die griechischen Hotel- und Clubbetreiber, aber auch ein deutliches Signal für die regional ausgerichteten Touristiker, intensiv auf die eigenen Angebote und die besondere Qualität des Urlaubs vor der Haustür hinzuweisen. Denn der Tourismus mit zahlenden Gästen spielt für den ländlichen Raum zwischen Konstanz und Kiel eine wichtige, teils tragende wirtschaftliche Rolle. Hier zählt nach einem schweren und schwachen Jahr jeder Euro. Denn in der Summe geht es um einen Milliardenbetrag, der den Regionen entgangen ist.

 

Urlaub auf dem Land und auf dem Bauernhof, Land- oder Agrotourismus – ganz gleich wie man diese breit aufgestellte Sparte des Fremdenverkehrs auch nennt, es gibt sie an vielen Orten. Wer bei Übernachtungs- und Gästezahlen nur an beliebte Urlaubsmetropolen sowie die Alpen- und Küstenregionen im Land denkt, der liegt falsch. Fast die Hälfte der Gäste kehrt in Hotels, Pensionen oder anderen Unterkünften wie Ferienwohnungen und -häusern ein, die in Gemeinden mit unter 20.000 Einwohnern zu finden sind – also in der kleinen Stadt und oder im Dorf.

 

Herzliche Gastfreundschaft

 

Ob Schwäbische Alb, Tölzer Land, Rheintal, Uckermark oder Teutoburger Land – überall finden Familien, Paare, Alleinreisende und Grüppchen touristische Angebote und ansprechende Unterkünfte. Preis und Leistung stehen dort zumeist in einem akzeptablen Verhältnis. Häufig ist man erstaunt über die auch finanziell attraktiven Angebote und eine durchweg herzliche Gastfreundschaft. Wer es kennengelernt hat und zu schätzen weiß, wird zustimmen: Beim naturnahen und stressfreien Wandern, Radfahren, Reiten oder Faulenzen im Freien kann die Seele wirklich baumeln.

 

 

Das Wichtigste: Land und Leute sind beim Landtourismus alles andere als eine Ferienclub-Kulisse, sondern authentisch. Wer mit offenen Augen reist, fragt und zuhört, erfährt viel über das Leben und Arbeiten auf dem Land, über Natur, Tierhaltung, Anbau und Produkte. Ganz gleich, wo er auch einkehrt – ob auf dem Winzerhof mit Weinkeller oder in der dörflichen Familienpension, wo die Kinder meist noch vor dem Auspacken der Koffer auf die erste Entdeckungstour gehen. Die Nähe ist hier der Markenkern.

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