Ein Kampf mit der Akzeptanz

 

Von Jost Springensguth

 

Die Automobilindustrie plant mit steigenden Verkaufszahlen für Elektroautos. Porsche will bis 2030 in der Produktion einen Anteil von 80 Prozent erreichen und den klassischen Verbrenner damit auf 20 Prozent zurückdrängen. Opel will nach einer Spiegel-Meldung ab 2028 nur noch Elektroautos verkaufen und schon dann ganz auf Diesel- und Benzinmotoren verzichten. Der Brüsseler Kommissionsbeschluss, dass in der EU ab 2035 nur noch emissionsfreie Neuwagen zugelassen werden sollen, erhärtet die Aussicht, dass die Menschen sich relativ schnell vom Verbrenner zu verabschieden haben – ob sie das wollen oder nicht.

 

Konsumenten und potenzielle Autokäufer sind dagegen zurzeit sogar zunehmend eher von Skepsis und mangelnder Akzeptanz der e-Mobilität geprägt. Eine höhere Nutzungsbereitschaft lässt die Hybridtechnik erkennen, die wohl 31 Prozent der Autofahrer akzeptieren.

 

Zu teuer, zu kurz und zu wenig

 

Im jüngsten Mobilitätsreport der Akademie für Technikwissenschaften ist auf der Liste der Vorbehalte zu lesen, dass nach den aktuellen Zahlen für 2020 72 Prozent der Befragten meinen, die Kosten für die Anschaffung eines Elektroautos seien zu hoch. Dazu heißt die Überschrift des entsprechenden Charts: Die Vorbehalte nehmen zu. Dass die Reichweite zu gering ist, meinen 60 Prozent und dass es zu wenig Ladestationen gibt, bemängeln 69 Prozent, wobei die Zahl derer steigt, die die Defizite im Ladenetz bemängeln.

 

Diese Ergebnisse sind in der Wertung auch auf Auswirkungen auf die Mobilität in den ländlichen Räumen zu projizieren. Auf den Punkt gebracht: Aufgrund der Einkommensunterschiede zu den Ballungsräumen können sich dort viele Menschen kaum weitere Mehrausgaben für das Auto leisten, auf das sie in entlegenen Regionen angewiesen sind. Sie fahren weitere Strecken zur Arbeit und müssen damit häufiger ihr E-Auto laden und finden dabei zu wenig Stationen, die sie versorgen. Dass die Möglichkeit zur Schnellladung zudem noch ein teures Vergnügen ist, kommt hinzu.

 

Zurückhaltung und Grenzen beim ÖPNV

 

Der immer wieder beschworene Versuch, die Menschen zu einer höheren Nutzung des ÖPNV zu bewegen, zeigt klare Grenzen auf. Auch jenseits des Corona-Effektes halten sich dort nach verschiedenen Untersuchungen Akzeptanzprobleme. Viele Politiker verfolgen nun das Ziel, durch kostenlose Angebote die Menschen in Busse und Bahnen zu locken. Das ist nicht nur teuer, sondern vielfach auch Wunschtraum.

 

Und wie siehts wiederum auf dem Lande aus? Wo in den ausgedünnten Netzen wenig Busse und Bahnen fahren, können auch ebenso wenige sie nutzen. Dabei wäre der Bedarf unter den älteren Menschen, die auf den Dörfern wohnen, größer als dort, wo der ÖPNV zum Nulltarif die größte Chance hat. Das ist nun einmal in den größeren Städten und Ballungszentren.

 

In der zitierten Studie steht übrigens der Wunsch, Schienen- und Straßennetz zu sanieren und auszubauen mit 36 Prozent an drittletzter Stelle – weit hinter Gesundheitssystem (74 %) und Bildung (73 %). Das ist aber auch irgendwie widersprüchlich: Wer auf das Auto angewiesen ist, braucht das gute Straßennetz. Das Schienennetz im gleichen Topf zu sehen, ist bei der Mobilitätsstudie nicht ganz nachzuvollziehen.

 

Eins ist sicher: Klima- und entsprechende Mobilitätspolitik bleibt ein Füllhorn von Unsicherheiten.

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