Raus aufs Land

 

Von Wolfgang Kleideiter

 

Hohe Mieten, Müll und Lärm – neben kurzen Wegen und bunten Angeboten hat das Stadtleben auch triste Seiten. Kein Wunder, dass bei Befragungen schon seit Jahren das Leben auf dem Land oder in einer ländlich geprägten Region immer mehr Sympathiepunkte einfährt.

 

Unter dem Einfluss von Corona und Lockdown scheint sich diese Entwicklung noch weiter zu verstärken. Mehr als die Hälfte der deutschen Stadtbewohner (53 Prozent), so ermittelte das Befragungsunternehmen Kantar (ehemals Emnid) jetzt im Auftrag des Vodafone-Instituts, kann sich sogar vorstellen, „in den nächsten ein oder zwei Jahren aufs Land zu ziehen“. Man schaut offenbar in Zeiten von Homeoffice, verwaisten Einkaufsstraßen, geschlossenen Museen und Theatern über die Stadtgrenze hinaus und erkennt, dass das Leben auf dem Land bei allen Nachteilen unterm Strich mehr Vorzüge hat. Der altbekannten Sehnsucht folgen jetzt konkrete Planungen. 

 

Der größte Vorteil für einen Umzug aufs Land wäre für die Städter die Nähe zur Natur (69 Prozent), eine gesündere Umwelt und die zweifellos bessere Luftqualität. Dass Mieten auf dem Dorf oder in der kleinen Stadt in der Regel günstiger sind, verbuchen 35 Prozent der befragten Stadtbewohner als Pluspunkt. 29 Prozent von ihnen sagen zudem, dass sie wegen der Pandemie anders als in der Vergangenheit und damit wohl auch realistischer auf das Landleben blicken.

 

Europäer denken ähnlich

 

Das Vodafone-Institut für Gesellschaft und Kommunikation, das sich selbst als europäische Denkfabrik bezeichnet, hat via Kantar nicht nur die Deutschen um ihre Meinung gebeten. Die Online-Umfrage wurde im Mai zeitgleich ebenso in 14 weiteren europäischen Ländern durchgeführt. Nach Angaben des Unternehmens fallen die Ergebnisse dort ähnlich aus wie in Deutschland. Nur in den Niederlanden ist der Wunsch, die Stadt zu verlassen, nicht so ausgeprägt. Die große Mehrheit der europäischen Landbewohner ist zudem zufrieden mit ihrem Wohnort – nur 35 Prozent erwägen den Umzug in die Stadt.

 

Städter, die den Weg aufs Land einschlagen, haben allerdings etliche Wünsche im Umzugskarton. Ganz oben rangiert in Deutschland die gute Internetverbindung (70 Prozent), gefolgt von einer guten Gesundheitsinfrastruktur (59 Prozent) und guten Verkehrsanbindungen (40 Prozent). Ländliche Regionen, die vor allem auf diesen Gebieten vorzeigbare Strukturen aufweisen, könnten also damit bei ihren künftigen Neubürgern punkten. Ein klarer Hinweis darauf, dass der Breitbandausbau auf dem Land weiter beschleunigt werden sollte.

 

Raus aufs Land – ein Trend, der offenbar im Immobilienmarkt schon Wirkung entfaltet. Die Landesbausparkassen und Sparkassen haben kürzlich bundesweit 560 Immobilienvermittler befragt und für eine Analyse um Prognosen gebeten. 44 Prozent der Befragten geht davon, dass die Nachfrage nach Eigentum nicht nur in den Stadtkernen, sondern vermehrt auch in den Vororten steigen wird. 38 Prozent erwarten diese Entwicklung sogar für den ländlichen Raum im Umkreis von 1,5 Stunden Fahrzeit bis zu einer Großstadt. In der Folge, so die Landesbausparkassen, würden auch dort die Preise für Bauland und für gebrauchte Eigenheime anziehen. 

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